Erneuerbare Energien E-Autos laden zu niedrigen Preisen

Von Thomas Günnel 3 min Lesedauer

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Mercedes arbeitet mit dem Ladesäulendienstleister The Mobility House für smartes Laden von E-Autos zusammen. E-Autos sollen so günstigen Grünstrom laden – und als Speicher für erneuerbare Energien dienen.

Mercedes-Benz und The Mobility House arbeiten beim smarten Laden von E-Autos zusammen.(Bild:  Mercedes-Benz)
Mercedes-Benz und The Mobility House arbeiten beim smarten Laden von E-Autos zusammen.
(Bild: Mercedes-Benz)

Der frühere VW-Chef Herbert Diess sagt der Elektromobilität europaweit einen besseren Absatz vorher. Der Grund ist der Ausbau der erneuerbaren Energien – und der notwendigen Stromspeicher. E-Autos die bidirektional laden können, eignen sich dafür. Das erste Automodell sei auf dem Markt, durch die Verwendung als Stromspeicher reduzierten sich die Betriebskosten gegen null, sagte der Manager laut der Deutschen Presse-Agentur. Diess ist heute Verwaltungsratschef des Ladesäulendienstleisters Mobility House.

Zusammenarbeit mit Mercedes-Benz

Das Unternehmen will gemeinsam mit Mercedes-Benz europaweit Produkte anbieten, um Fahrzeuge ins Energienetz zu integrieren. Heißt: E-Autos des Autoherstellers sollen intelligent mit dem Energiesystem vernetzt werden. Das umfasst Ladeangebote für private Haushalte für unidirektionale (Vehicle-1-Grid/V1G) und bidirektionale (Vehicle-2-Grid/V2G) Services. In Variante 1 soll der Ladestrom möglichst günstig in den Fahrzeugakku fließen. Bei Variante 2 können Elektrofahrzeuge Strom ins Netz speisen. 
In der ersten Entwicklungsstufe steuert die heimische Wallbox Ladevorgänge so, dass Grünstrom zum bestmöglichen Zeitpunkt geladen wird. Anders formuliert: Das System lädt immer dann, wenn der Wind weht oder die Sonne scheint, besonders viel regenerativ erzeugter Strom im Energienetz vorhanden ist und die Strompreise sinken. Mercedes will  entsprechende Ladeangebote mit seiner neuen Elektrofahrzeug-Generation schrittweise einführen. Erstes Modell ist der CLA.

Infrastruktur für bidirektionales Laden aufbauen

Ein wichtiges Ziel der Zusammenarbeit der Unternehmen ist die Entwicklung der Infrastruktur für bidirektionales Laden. Die in den Batterien von Elektrofahrzeugen gespeicherte Energie kann mittels der Vehicle-to-Grid-Technologie auf dem Markt gehandelt werden. Das kann laut der Unternehmen die Stromkosten der Nutzer senken – indem überschüssige Energie zu Spitzenzeiten günstig gekauft wird und bei erhöhter Energienachfrage mit finanziellem Vorteil in das Netz abgegeben wird.
Energiebetreiber können demnach die Grünstromverteilung optimieren, indem Wind- und Solarstrom je nach Auslastung gezielt zum Laden von Elektrofahrzeugen dient. Die Produktion erneuerbarer Energien muss aktuell immer dann gedrosselt oder abgeschaltet werden, wenn die Netze die Energie mangels Leistungsfähigkeit nicht transportieren können. Laut einer Analyse von The Mobility House und Mercedes-Benz könnten zwei Millionen bidirektional ladefähige Elektrofahrzeuge in Deutschland fast die Hälfte der Abschaltungen vermeiden. Die Stromkosten im gesamten deutschen Stromnetz könnten um einen dreistelligen Millionenbetrag sinken, „wenn die Fahrzeuge beim Parken und Laden zu Hause und am Arbeitsplatz den Energiemarkt unterstützen“, schätzen die Unternehmen. Mercedes und The Mobility House arbeiten seit dem Jahr 2016 bei stationären Energiespeichern zusammen. Im Joint Venture Enbase Power betreiben sie laut Unternehmen eine der größten Second-Life-Batteriespeichereinheiten.

Solarkapazitäten in Deutschland steigen stark

Der Ausbau großer Stromspeicher wird mit dem Ausbau erneuerbarer Energien wichtiger. Der weltweite Ausbau der Solarenergie werde in den nächsten Jahren nach Einschätzung der Branche weiter mit prozentual zweistelligen Zuwachsraten voranschreiten. Laut Prognosen des Bundesverbands Solarwirtschaft, BSW, und des europäischen Dachverbands Solar Power Europe könnte demnach der Zubau neuer Solaranlagen weltweit in diesem Jahr die Schwelle von 600 Gigawatt Leistung überschreiten. Das wäre rund doppelt so viel wie noch im Jahr 2022. Deutschland ist dabei trotz seiner vergleichsweise geringen Fläche international weit vorn: Bei der bislang installierten Gesamtleistung lag Deutschland nach einer Analyse des BSW Solar im vergangenen Jahr mit gut 100 Gigawatt auf Platz vier hinter drei sehr viel größeren Ländern: China, den USA und Indien.
Im vergangenen Jahr stieg die in Deutschland installierte Solarstromleistung nach Schätzung des Bundesverbands um 14 Prozent beziehungsweise 17,5 Gigawatt. In diesem Jahr wird es voraussichtlich etwas weniger, vor allem bei privaten Hausbesitzern. Aber:  Die Nachfrage nach Balkonsolaranlagen sei ungebrochen. Ihre Zahl stieg im Jahr 2024 auf gut 800.000. 

China mit stärkstem Solarausbau

An der Weltspitze beim Solarausbau liegt mit weitem Vorsprung China. In der Volksrepublik gingen 2024 laut Deutscher Presse-Agentur nach Zahlen von Solar Power Europe neue Solaranlagen mit einer Leistung von 329 Gigawatt ans Netz. Das war doppelt so viel wie in allen übrigen Staaten der solaren Top Ten zusammen: USA, Indien, Brasilien, Deutschland, Spanien, Türkei, Italien, Japan und Frankreich. Die EU insgesamt liegt demnach jedoch auf Platz zwei hinter China.

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