Laden ohne Ladesäule Mercedes forscht an „Solar-Lack“ für mehr Reichweite

Von Thomas Günnel 2 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Mercedes forscht an einer Solar-Beschichtung für E-Autos. Sie könnte Strom für mehrere Tausend Kilometer jährlich liefern – im Raum Stuttgart etwa bis zu 12.000.

Beschichtung statt Modulen: Mercedes-Benz entwickelt an einer Solar-Beschichtung – links im Bild – für E-Autos.(Bild:  Mercedes-Benz)
Beschichtung statt Modulen: Mercedes-Benz entwickelt an einer Solar-Beschichtung – links im Bild – für E-Autos.
(Bild: Mercedes-Benz)

Mercedes-Benz forscht nach eigenen Angaben an neuen Solar-Modulen.  „Modul“ ist dabei irreführend: Konkret geht es um eine Beschichtung. Sie ist fünf Mikrometer dünn, wiegt 50 Gramm pro Quadratmeter und hat einen Wirkungsgrad von 20 Prozent – ähnlich dem herkömmlicher Solarzellen. 
Laut Mercedes lässt sie sich ähnlich einer hauchdünnen Paste nahtlos auf der Karosserie von Elektrofahrzeugen anbringen. Die photovoltaikaktive Fläche haftet auf jedem Untergrund.

Vereinfacht dargestellt wird die Beschichtung zwischen Karosserieblech und Fahrzeugfarbe aufgetragen. Die Farbe basiert auf Nanopartikeln. Rund 94 Prozent der Sonnenenergie können sie durchdringen und die Solarbeschichtung erreichen.

Strom für bis zu 20.000 Kilometer jährlich

Die Reichweite elektrisch angetriebener Autos kann mit der Beschichtung deutlich steigen: Eine Fläche von elf Quadratmetern – in etwa die Oberfläche eines mittelgroßen SUV – könnte unter Idealbedingungen im Raum Stuttgart Energie für bis zu 12.000 Kilometer im Jahr liefern.

„Statistisch legen Mercedes-Benz Fahrerinnen und Fahrer in Stuttgart im Durchschnitt 52 Kilometer am Tag zurück. Rund 62 Prozent dieser Fahrleistung würden durch Sonnenenergie abgedeckt“, rechnet Mercedes in einer Mitteilung vor. 
„In Los Angeles ergibt sich sogar ein Überschuss an Energie durch die Sonneneinstrahlung. Der Kunde könnte im Mittel 100 Prozent seiner Fahrstrecke durch die Solarenergie abdecken.“ Für Los Angeles errechneten die Forscherinnen und Forscher eine mögliche Reichweite von 20.000 Kilometern jährlich. In Peking könnten es 14.000 Kilometer sein. 
Alle Berechnungen basieren auf der durchschnittlichen Sonneneinstrahlung an den Orten und einem Durchschnittsverbrauch von 16 Kilowattstunden pro 100 Kilometer. Wie viel Energie die Beschichtung liefert, hängt wie bei allen Solarzellen davon ab, wie viel Sonne auf sie scheint.

Recycelbar und günstiger als konventionelle Solarmodule

Die Solarbeschichtung benötigt laut Mercedes keine Seltenen Erden, enthält kein Silizium und nur ungiftige und leicht verfügbare Rohstoffe. Das Recycling sei „problemlos“ – herzustellen ist die Beschichtung laut Mercedes „erheblich günstiger als konventionelle Solarmodule“. 
Im nächsten Forschungsschritt wollen die Entwickler die Solarbeschichtung auf allen Außenflächen des Fahrzeugs aufbringen – unabhängig von deren Form und Neigungswinkel.

Photovoltaiksystem ist immer aktiv

Der verfügbare Strom aus der Beschichtung fließt direkt in den Antrieb oder die Hochvoltbatterie des Elektroautos. Das Photovoltaiksystem ist laut Mercedes daueraktiv und liefert auch dann Energie, wenn das Fahrzeug aus ist.
Damit ist eine weitere Anwendung denkbar: Wenn die Beschichtung mehr Energie liefert, als im Auto benötigt wird, könnte der Überschuss mittels bidirektionalen Ladens ins Hausnetz eingespeist werden. 
Wann Beschichtung und Nano-Lack serienreif sind, geht aus der Mitteilung nicht hervor. Indirekt ist aber von einem Forschungsausblick bis zum „Jahr 2040+“ die Rede.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung