Facelift VW ID 3: Neue Features, alte Schwächen und ein stolzer Preis

Quelle: sp-x 3 min Lesedauer

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Mit einem relativ umfangreichen Facelift reagierte VW beim ID 3 Pro S auf die Kritik an seinem Vorgänger. Angesichts der wachsenden Konkurrenz ein wichtiger Schritt. Fällt er groß genug aus?

Zum Test trat der ID 3 mit der großen Batterie (77 kWh) an.(Bild:  VW)
Zum Test trat der ID 3 mit der großen Batterie (77 kWh) an.
(Bild: VW)

Ganz ehrlich: Als der ID 3 vor dreieinhalb Jahren auf den Markt kam, überwog die Enttäuschung. Das galt vor allem für Materialien und Bedienung: Die einen wirkten teils billig, die andere war für die Marke Volkswagen ungewohnt umständlich. Dazu nervten der langsam rechnende Bordcomputer und ein wenig inspirierendes Infotainment. Zu langsam reagierte auch Volkswagen – drei Jahre dauerte es bis zur dringend notwendigen Überarbeitung. Die ist im vergangenen Sommer erfolgt. Aber reicht sie auch aus?

Wir ließen zum Test den ID 3 mit der großen Batterie (77 kWh) anrollen, die Reichweiten von bis zu 575 Kilometern verspricht. Was sofort auffällt: Neben den für Facelifts üblichen kosmetischen Änderungen haben die Wolfsburger auch sinnvolle Verbesserungen vorgenommen.

So wirkt der Innenraum dank neuer Türverkleidungen und Sitzbezüge sowie jetzt hinterschäumter und somit weicherer Oberflächen am Armaturenbrett gleich eine halbe Klasse hochwertiger. Allerdings gibt es immer noch Wettbewerber, wie zum Beispiel den Opel Astra, die in diesem Bereich die Nase vorn haben. Denn nach wie vor ist im ID 3 viel Hartplastik zu finden.

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Weiterhin Luft nach oben

Geblieben sind die schon häufig kritisierten Slider für Lautstärke- und Temperatureinstellung – schlimm genug. Aber sie bleiben zudem unbeleuchtet; man muss sich also weiterhin im wahrsten Sinne des Wortes herantasten. Eventuell könnte es zum Modelljahreswechsel 24/25 hier eine Verbesserung geben.

Auch außen wurden Veränderungen vorgenommen. Einige, wie die roten Rückleuchten, kann man gut finden oder nicht. Andere, wie die neu gestaltete Front, sind ein echter Fortschritt. Da aber keine grundlegenden Veränderungen an der Karosserie vorgenommen wurden, bleibt wegen des kleinen Heckfensters und der breiten C-Säule die Sicht nach hinten weiterhin eingeschränkt.

Angenehmes Fahrgefühl

Zu den großen Stärken des ID 3 gehört das Fahren, kein unwichtiger Bestandteil im Anforderungspaket eines Autos. Der ID 3 federt so gut und steckt Unebenheiten der Straße so erfolgreich weg wie kaum ein anderes Elektrofahrzeug in der Kompaktklasse. Das macht er noch besser, wenn man das aufpreispflichtige adaptive Fahrwerk mitbestellt hat.

Der gute Eindruck wird lediglich durch die etwas synthetische Lenkung und die zwar kräftigen, aber zu spät ansprechenden Bremsen geschmälert. Wind- und Fahrgeräusche dringen bei moderaten Geschwindigkeiten kaum in den Innenraum durch.

Dass dieser 150 kW starke Volkswagen schon bei 160 km/h abgeregelt wird, ist kein Problem – schneller will man ihn sowieso selten fahren. Wie bei allen Elektroautos geht der Akku-Vorrat bei zügiger Fahrweise äußerst schnell zu Ende. Doch auch bei zurückhaltender Fahrweise sind die versprochenen Reichweiten, nach Norm bis zu 575 Kilometer, nicht zu erreichen, weil eben auch der Normverbrauch (14,9 bis 16,3 kWh) nicht zu schaffen ist.

Reichweite und Ladeleistung noch ausbaufähig

Wir benötigten – bei kühlen Temperaturen – im Durchschnitt gut 21 kWh und kamen damit auf 350 Kilometer Praxisreichweite. War man ein paar Tage nur im städtischen Umfeld unterwegs, konnten es auch mal an die 400 Kilometer werden. Schade, dass bei VW die reichweitenschonende Wärmepumpe (1.000 Euro) extra bezahlt werden muss.

Im Gegensatz zur knappen Reichweite ist im nur 4,26 Meter langen ID 3 Raum reichlich vorhanden. Zudem sitzt man hinten wie vorne ausgezeichnet. Der Kofferraum kommt auf 385 Liter und liegt damit auf dem Niveau des VW Golf.

Beim Laden reißt der ID 3 keine Bäume aus. An einer Wallbox mit elf kW Leistung lädt er in 7,5 Stunden voll auf, mit Gleichstrom geht es in 30 Minuten auf 80 Prozent. Die maximale Ladeleistung beträgt 170 kW, wird aber nur unter günstigen Bedingungen erreicht. Gut: Das Fahrzeug autorisiert sich dank Plug-&-Charge-Funktion an der Ladesäule von allein, der Ladevorgang startet dann automatisch.

Adäquates Preis-Leistungs-Verhältnis?

Ohne Zweifel hat der ID 3 mit seinen vielen sinnvollen Verbesserungen deutlich an Wertigkeit und Praktikabilität zugelegt. Trotzdem ist er immer noch in einigen Bereichen (Bedienung, Infotainment) nicht so gut, wie es sein Preis erwarten lassen würde. 40.000 Euro ruft Volkswagen für das ebenfalls 150 kW starke Basismodell mit kleinem Akku und 435 Kilometer Normreichweite auf.

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Unser Testwagen mit großer Batterie kostet mindestens 47.600 Euro. In der von uns gefahrenen Ausstattung wären es schon fast 60.000 Euro, darunter das Exterieurpaket Plus für rund 2.700 Euro, unter anderem mit Matrixlicht und der adaptiven Fahrwerksregelung. Auch wenn man nicht alles ordert, was die Preisliste hergibt: Mit dem jetzt von der Regierung beschlossenen Wegfall der Umweltprämie dürfte selbst ein kompakter Stromer wie der ID 3 für viele unerschwinglich sein. Zumal es in Deutschland mittlerweile gut 20 elektrische Modelle für weniger als 40.000 Euro gibt.

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