Zulieferer Northvolt-Fabrik in Heide sorgt für Streit

Quelle: dpa 3 min Lesedauer

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Wie geht es weiter mit der europäischen Batteriezellfertigung? Mehr denn je ist in dieser Frage die Politik gefordert. Ob die genug tut, ist Streitthema im Landtag von Schleswig-Holstein.

Die Zukunft von Northvolt und damit der europäischen Batteriefertigung ist derzeit weiter ungewiss.(Bild:  Northvolt)
Die Zukunft von Northvolt und damit der europäischen Batteriefertigung ist derzeit weiter ungewiss.
(Bild: Northvolt)

Die Zukunft von Northvolt bleibt weiter ungewiss, die Folgen für den Wirtschaftsstandort Deutschland entsprechend offen. Der Zulieferer von E-Auto-Batterien befindet sich seit November 2024 im Insolvenzverfahren. Doch die eigentliche Idee hinter Northvolt, einen europäischen Batterieproduzenten zu etablieren, um von der asiatischen Konkurrenz unabhängig zu werden, ist weiterhin nachvollziehbar und politisch gewollt.

Vor kurzem hatte Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) nochmals betont, die Zukunft der geplanten Northvolt-Batteriefabrik in Heide hänge vom Einstieg weiterer Investoren ab. Derzeit liefen Gespräche mit Interessenten, sagte Habeck dem NDR am Rande einer Veranstaltung in Kappeln. „Ob das dann wirklich dazu führt, dass am Ende alles steht, das kann ich heute nicht sagen. Da ist eine Dynamik drin und hoffentlich passiert es auch.“

Battery Manufacturing Day

Nach einer sehr erfolgreichen Erstausgabe wird der „Battery Manufacturing Day“ auch in diesem Jahr ein Podium sein, um sich über neue Entwicklungen der Batterieproduktion auszutauschen.

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SPD: Landesregierung soll Northvolt-Fabrik besuchen

In der Landespolitik von Schleswig-Holstein, wo die deutsche Northvolt-Fabrik in Heide entstehen soll, sorgt die Ansiedelung der schwedischen Firma für Zoff. Aktuell forderte die SPD-Fraktion im Landtag von Ministerpräsident Daniel Günther und Wirtschaftsminister Claus Ruhe Madsen (beide CDU), einer Einladung von Northvolt nachzukommen und die bestehende Fabrik in Schweden zu besuchen. „Das bis heute noch kein Vertreter der Landesregierung sich in Schweden ein Bild vor Ort gemacht hat, ist fahrlässig“, sagte der SPD-Abgeordnete Kianusch Stender. Die wirtschaftliche Situation des schwedischen Batterieherstellers werfe viele Fragen auf.

Hintergrund ist, dass die Landesregierung für die Ansiedlung von Northvolt in Heide einen mittleren dreistelligen Millionenbeitrag in die Hand nimmt. „Da ist es schlichtweg ihre Pflicht, sich umfassend mit dem Unternehmen auseinanderzusetzen, das bei uns eine Fabrik in so einer großen Dimension aufbaut“, sagte Stender. Northvolt hatte die Landesregierung schon mehrfach zu einer Besichtigung der Batteriezellfabrik im schwedischen Skelleftea eingeladen.

Hohe Schulden drücken

Northvolt hatte im Januar 2024 die Entscheidung für den Bau einer Batteriefabrik in Heide bekanntgegeben. Die Frage, ob das schwedische Unternehmen möglicherweise wichtige Informationen zurückgehalten habe, ist politisch umstritten. „Die Probleme bei Northvolt wurden uns erst bekannt, weit, nachdem die Verträge geschlossen wurden. Ob das davor nicht bekannt war oder verheimlicht war, das kann ich nicht sagen“, erklärt Wirtschaftsminister Habeck. Schwedischen Medienberichten zufolge soll das Unternehmen Schulden in Höhe von 60 Milliarden Kronen (ca. 5,2 Mrd. Euro) haben.

Grundsätzlich plant Northvolt weiterhin, in der zweiten Jahreshälfte 2027 mit der ersten Zellmontage in Heide zu beginnen, gefolgt vom Fabrikhochlauf. Die Krise bei dem Unternehmen könnte für den Bund und das Land Schleswig-Holstein teuer werden. Northvolt hat etwa 600 Millionen Euro von der staatlichen Förderbank KfW erhalten, für die Bund und Land je zur Hälfte bürgen. Trotz der Insolvenz und des beantragten Gläubigerschutzes in den USA bleibe das Bauvorhaben in Heide ein strategischer Grundpfeiler, hieß es von Northvolt. Der Aufbau der Fabrik soll demnach weiter voranschreiten.

Northvolt will bei Heide Batteriezellen für bis zu eine Million Elektroautos pro Jahr bauen, ringt aber seit längerem mit Finanzproblemen. Der Gläubigerschutz gemäß Kapitel 11 des US-Insolvenzrechts schützt Unternehmen vor Forderungen von Gläubigern, während es sich neu aufstellt. Im Zuge der Krise hatte das Unternehmen im September die Entlassung von schätzungsweise 1.600 Mitarbeitern in seiner schwedischen Heimat angekündigt.

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