Zulieferer Boryszew beantragt für zwei deutsche Gesellschaften Sanierungsverfahren

Von Automobil Industrie 2 min Lesedauer

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Hohe Kosten und veränderte Kundenanforderungen sind zwei Gründe für die notwendige Sanierung der beiden Boryszew-Unternehmen. Es gibt zwei Zukunftsoptionen.

Boryszew Formenbau ist unter anderem auf die Herstellung und den Vertrieb von Spritzgießformen spezialisiert.(Bild:  Boryszew Formenbau Deutschland GmbH)
Boryszew Formenbau ist unter anderem auf die Herstellung und den Vertrieb von Spritzgießformen spezialisiert.
(Bild: Boryszew Formenbau Deutschland GmbH)

Die Boryszew Oberflächentechnik Deutschland GmbH aus Prenzlau und die Schwestergesellschaft Boryszew Formenbau Deutschland GmbH mit Sitz in Doberschau wollen sich im Rahmen eines Sanierungsverfahrens in Eigenverwaltung neu aufstellen. Das Amtsgericht Neuruppin hat beiden Anträgen am 24. April entsprochen und die vorläufige Eigenverwaltung angeordnet. Ingo Thurm und Oliver Liersch von der Pluta Rechtsanwalts GmbH verantworten als Sanierungsgeschäftsführer die Neuaufstellung.

Zusammen mit dem Sanierungsteam werden die beiden Rechtsanwälte die Restrukturierung der beiden Gesellschaften operativ und strategisch begleiten sowie rechtlich beraten. Im Rahmen der Betriebsfortführung wird das Sanierungsteam von der Mesta Consulting GmbH unterstützt. Rechtsanwalt Silvio Höfer von der Anchor Rechtsanwaltsgesellschaft mbH wurde vom Amtsgericht Neuruppin für beide Gesellschaften zum vorläufigen Sachwalter bestellt. Er übernimmt die gerichtliche Aufsicht des Restrukturierungsprozesses, um die Interessen der Gläubiger zu wahren.

Weitere Unternehmen des international tätigen Zulieferers haben keine Insolvenzanträge gestellt, das gilt insbesondere für die Muttergesellschaft Boryszew Kunststofftechnik Deutschland GmbH.

Geschäftsbetrieb wird fortgeführt

Der Geschäftsbetrieb beider Unternehmen läuft laut Mitteilung nahtlos weiter. Bestehende und neue Aufträge werden wie gewohnt bearbeitet. Die Gehälter der insgesamt mehr als 265 Mitarbeiter werden ebenfalls weiter ausbezahlt. Das sogenannte Insolvenzgeld sichert die Ansprüche für drei Monate.

Boryszew Oberflächentechnik produziert galvanisch beschichtete Kunststoffteile und Systeme für die Automobilindustrie. Die Gesellschaft beschäftigt derzeit rund 190 Mitarbeiter. Boryszew Formenbau ist auf die Herstellung und den Vertrieb von Spritzgieß- und Pressformen sowie Extruderformen für die Kunststoffverarbeitung sowie die Erstellung von Kunststoffteilen spezialisiert. Das Unternehmen beschäftigt aktuell 75 Mitarbeiter.

Beide Betriebe sehen sich der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung sowie in den vergangenen Jahren stark veränderten Kundenanforderungen ausgesetzt. Diese machen laut Mitteilung eine Anpassung der Produktion unumgänglich. Die aktuell hohen Kosten, beispielsweise für Rohstoffe, erschwerten zudem den Wettbewerb mit asiatischen Konkurrenten. „Hohe Kosten und veränderte technologische Kundenanforderungen sind nur zwei Themen, die zahlreiche Betriebe derzeit beschäftigen. Diese machen eine Neuaufstellung unumgänglich“, sagt Ingo Thurm.

„Durch gezielte Maßnahmen und operativen Verbesserungen streben wir an, beide Unternehmen wieder auf einen stabilen und nachhaltigen Erfolgspfad zu bringen“, ergänzt Oliver Liersch. Zeitgleich werde das Sanierungsteam für beide Gesellschaften Zukunftsoptionen erarbeiten. Dazu werde unter anderem ein M&A-Prozess eingeleitet, um einen möglichen Investor für die beiden Zulieferer zu finden. Eine weitere Lösungsmöglichkeit sei ein Insolvenzplan, also ein Vergleich mit den Gläubigern.

Hintergrund

Beide Unternehmen gehören zur Industriegruppe Boryszew mit Hauptsitz in Warschau, nach eigenen Angaben eine der größten privaten Industriegruppen in Polen und ein weltweit tätiger Hersteller von Komponenten für die Automobilindustrie, die Nichteisenmetall- und Stahlverarbeitung sowie die Industriechemie. Die Gruppe verfügt über 34 Produktionsstätten und sechs F&E-Zentren in Europa, Asien sowie Nord- und Südamerika. Sie beschäftigt etwa 9.000 Mitarbeiter in elf Ländern.

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