Wenn sie zu schwach fürs E-Auto sind, müssen Batterien noch längst nicht in den Recycling-Shredder. Das Start-up Circunomics hilft nun bei „Second Life“-Anwendungen.
Rund 4.000 ausgemusterte E-Auto-Akkus haben Felix Wagner und Jan Born, die beiden Unternehmensgründer, im abgelaufenen Jahr bereits in ein neues Leben vermittelt.
(Bild: Circunomics)
Nach dem Einsatz im E-Auto haben viele Batterien noch Energie für eine weitere Karriere; vom Heimspeicher bis zum Einsatz im Elektro-Boot reichen die Möglichkeiten. Hilfe bei der Vermittlung des sogenannten „Second Life“ will das Mainzer Start-up Circunomics leisten. Und das möglichst nachhaltig – sowohl finanziell als auch ökologisch.
Circa 4.000 ausgemusterte E-Auto-Akkus haben Felix Wagner und Jan Born, die beiden Unternehmensgründer, im abgelaufenen Jahr bereits in ein neues Leben vermittelt. Das entspricht einer Speicherkapazität von knapp 280 Megawattstunden. Im laufenden Jahr soll dieser Wert auf bis zu 650 MWh steigen, im Jahr 2026 sind 3 GWh avisiert. Das wären Batterien aus knapp 43.000 Autos – und trotzdem nur ein geringer Teil, der dann langsam anrollenden Welle von Akku-Rückläufern.
Millionen von Alt-Batterien
Heute schon fallen jährlich etwa 100.000 Alt-Batterien allein aus Pkw an, Ende des Jahrzehnts sollen es weltweit Stückzahlen im zweistelligen Millionenbereich sein. Ein Gutteil davon dürfte sofort recycelt werden, viele alte Akkus könnten aber außerhalb des Autos noch weiter genutzt werden. Für die Fahrzeughersteller ist das ein lohnendes Geschäft. Und auch für die Zweitanwender, die von günstigen Gebrauchtakku-Preisen profitieren würden. Nur: Wie finden sich beide Parteien? Circunomics will dafür den passenden Marktplatz im Internet aufziehen.
Registrierte Nutzer können im Online-Portal der Mainzer schon heute große Chargen von Akkus inserieren, die sich Interessenten in ihren Einkaufswagen klicken können. Das Besondere dabei: Circunomics bewertet mit Hilfe von KI den Gesundheitszustand der Zellen, Module oder Akku-Packs. Das Start-up greift dabei auf Daten der Fahrzeughersteller zurück und kann auf dieser Basis auch die Performance für verschiedene Second-Life-Einsätze durchrechnen. Potenzielle Käufer können so direkt erkennen, in welchem Zustand die Ware ist und wie sie sich in ihrer künftigen Anwendung schlagen wird.
Auf der Circunomics-Website können Nutzer zahlreiche Informationen zu den angebotenen Akkus einsehen.
(Bild: Circunomics)
Das sogenannte „First Life“ geht meist zu Ende, wenn die Akku-Restkapazität unter 80 Prozent fällt. Danach ist der Speicher zwar nicht unbrauchbar, doch dem E-Auto fehlt rund ein Fünftel seiner anfänglichen Reichweite. „Die Batterie altert im ersten Leben permanent und relativ linear. Doch irgendwann gibt es einen ‚Knie-Effekt‘ in der Degradations-Kurve, ab dem die Alterung sich stark beschleunigt“, beschreibt Circunomics-CTO Jan Born. „Idealerweise geht die Batterie vor diesem Punkt ins Second Life, weil die dortigen, weniger stressigen Anforderungen helfen können, die Kurve zu verflachen.“
Entspanntes Leben im Heimspeicher
Der anstrengendste Teil am Einsatz im Auto ist das Laden. Vor allem das heute verbreitete Ultra-Schnellladen sorgt für Verschleiß. Im Heimspeicher hingegen hat die Batterie ein relativ entspanntes Laden. Hinzu kommen oft günstigere Umgebungsbedingungen, etwa was Temperaturschwankungen angeht. Für viele dieser Anwendungsfälle bräuchte es daher nicht zwingend die hochgezüchteten Lithium-Ionen-Akkus aus dem E-Auto. Doch da diese eh schon da sind, könne man sie auch nutzen, findet Wagner. Die E-Auto-Batterie im Second Life müsse nicht teurer sein, da sie nicht mehr ihren Neuwert besitze. Koste eine Kilowattstunde neu 100 bis 150 Euro, sinke der Preis auf dem Gebrauchtmarkt auf die Hälfte.
Neben der Kundenperspektive spielt auch die Anbieterperspektive eine Rolle. So dürften die Autohersteller aus der Sicht von Born ein großes Interesse an der Vermarktung der gebrauchten Speicher haben: „Jeder OEM verzichtet ab 2030 auf 1,5 Milliarden Euro Verkaufserlöse pro Jahr, wenn er ein potenzielles Second Life nicht berücksichtigt.“ Circunomics rät den Autoherstellern, ordentliche Verträge mit dem Zweitverwender zu machen und sich den erneuten Zugriff auf die Batterien zu sichern, wenn auch das zweite Leben endet.
Weil die Effizienz in der Wiederverwertung immer besser wird, könnten in Zukunft größere Anteile der wertvollen Batterie-Rohstoffe für die erneute Nutzung in Batterien zurückgewonnen werden. Auch die Nachhaltigkeit spielt dabei eine große Rolle. Eine durchschnittliche E-Auto-Batterie hat einen CO2-Fußabdruck von 7 bis 10 Tonnen. Bei doppelter Nutzung könnte dieser auf zwei Anwendungsfälle verteilt und somit halbiert werden.
Stand: 08.12.2025
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