Absatz Studie: Deutsche Autohersteller holen beim Absatz von E-Autos auf

Von Thomas Günnel 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Deutsche Autohersteller holen beim Absatz elektrisch angetriebener Autos auf, lautet eine Analyse des Beratungsunternehmens PwC. Gebrauchte Akkus sind demnach eine große Chance für Europa.

Laut einer Studie von PwC holen deutsche Hersteller beim Absatz elektrischer Autos weltweit auf.(Bild:  Volkswagen AG)
Laut einer Studie von PwC holen deutsche Hersteller beim Absatz elektrischer Autos weltweit auf.
(Bild: Volkswagen AG)

Die deutschen Autohersteller haben nach einer Auswertung der Unternehmensberatung PwC bei Elektroautos aufgeholt. Im größten Absatzmarkt China verkauften sie im vergangenen Jahr 49 Prozent mehr E-Autos als im Vorjahr und wuchsen damit doppelt so schnell wie der Gesamtmarkt. Das zeigt der „Electric Vehicle Sales Review“ von PwC Autofacts und Strategy&, der Strategieberatung von PwC. In der Studie werten die Berater die Neuzulassungszahlen in 20 Märkten aus.

In China wurden im Jahr 2023 erstmals innerhalb eines Quartals mehr als zwei Millionen rein elektrisch angetriebene Fahrzeuge verkauft. In den USA kletterten die BEV-Absatzzahlen im gesamten Jahr 2023 über eine Million. Trotz der Rekorde ließ das Wachstum insgesamt leicht nach. So legte der weltweite BEV-Absatz 2023 um 28 Prozent zu, 2022 waren die Verkäufe jedoch noch um 60 Prozent gestiegen.

Deutschland ist wichtigster E-Automarkt der EU

Nach einem starken dritten Quartal verzeichnete Deutschland zum Jahresende eine leichte Delle. Im Dezember fanden 48 Prozent weniger BEVs einen Käufer als im gleichen Monat des Vorjahres. Grund dafür war vor allem das abrupte Ende der staatlichen Förderung, teilen die Berater mit. Im Gesamtjahr 2023 fiel das Wachstum beim Absatz batterieelektrischer Fahrzeuge mit elf Prozent hinter den EU-Schnitt mit 21 Prozent zurück.

Vor allem die bisherigen Nachzügler Italien und Spanien legten mit Zuwachsraten von 35 Prozent und 66 Prozent deutlich zu. Mit Abstand wichtigster Markt für batterieelektrische Autos innerhalb der EU bleibt dennoch Deutschland – mit 42 Prozent der europäischen BEV-Absätze.

Deutsche Hersteller verkaufen weltweit mehr E-Autos

Zwar ging die BEV-Nachfrage in ihrem Heimatmarkt leicht zurück, die deutschen Autohersteller steigerten ihre BEV-Verkäufe weltweit und im größten Absatzmarkt China deutlich. Die absoluten Verkaufszahlen deutscher Autohersteller in China bleiben auf niedrigem Niveau: Ihr Marktanteil stieg 2023 um nur einen Prozentpunkt auf fünf Prozent.

Weltweit verkauften deutsche Automobilhersteller 47 Prozent mehr batterieelektrische Autos. Der Gesamtmarkt wuchs um 28 Prozent. Der Marktanteil deutscher Hersteller liegt damit weltweit bei 14 Prozent, ein Zuwachs von zwei Prozentpunkten.

Analysten rechnen mit neuer Dynamik

„Für die deutschen Autobauer war 2023 in vielerlei Hinsicht ein Entscheidungsjahr. Mit wettbewerbsfähigen Modellen auch abseits des Premiumsegments konnten sie sich einerseits eindrucksvoll zurückmelden. Zugleich merken sie immer stärker, dass der E-Auto-Markt endgültig im Mainstream angekommen ist – Preiskampf und Streichungen staatlicher Subventionen inklusive“, sagt Felix Kuhnert, Partner und Automotive Leader bei PwC Deutschland.

„Obwohl 2024 von geopolitischen Unsicherheiten wie etwa der Wahl in den USA geprägt sein wird, rechnen wir insgesamt mit neuer Dynamik am Markt. Gerade das abrupte Ende der Förderung in Deutschland setzt die hiesigen Hersteller allerdings erst einmal unter Druck, zumal chinesische Hersteller mit innovativen und günstigen Modellen nach Europa drängen. Für die deutschen OEMs ist es deswegen entscheidend, ihre Produktpalette zu erweitern und vor allem im Bereich 20.000 bis 30.000 Euro konkurrenzfähige Modelle anzubieten.“

Wachsender Markt mit gebrauchten E-Autos

Inzwischen lohnt sich zudem ein Blick auf den neu entstehenden Gebrauchtwagenmarkt mit rein elektrisch angetriebenen Autos. Laut der Analyse kosten aktuell drei Jahre alte BEVs in Deutschland durchschnittlich zehn Prozent weniger als vergleichbare Modelle mit Verbrennungsmotor. Der Preisvorteil ist bei E-Autos mit einem Anschaffungspreis unter 55.000 Euro mit knapp zwölf Prozent fast doppelt so hoch wie bei hochwertigen Modellen mit Neupreisen ab 70.000 Euro.

Außerdem können sich mehr Interessenten vorstellen, ein gebrauchtes E-Auto zu kaufen. Laut der „eReadiness Studie 2023“ von Strategy& sind das weltweit 60 Prozent aller Interessenten. In Europa sind es 71 Prozent.

„Gebrauchte BEVs sind häufig nicht nur deutlich günstiger, sondern angesichts der bisweilen langen Lieferzeiten viel schneller verfügbar als Verbrenner. Für das Sorgenkind Batterie, das viele vom Kauf eines gebrauchten BEV abhält, geben inzwischen fast alle Hersteller eine achtjährige Garantie“, sagt Jörn Neuhausen, Senior Director und Leiter Elektromobilität bei Strategy& Deutschland.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Chancen beim Recycling von Akkus

Weiter erklärt Neuhausen: „Für die kommenden Jahre erwarten wir daher starkes Wachstum im Gebrauchtwagenmarkt.“ Potenzial sehe er dabei für neue Geschäftsmodelle wie Tests gebrauchter Batterie oder dem Recycling. „Wenn jetzt ausreichend und an den richtigen Stellen investiert wird, kann Europa in der Batteriezellenproduktion bereits 2035 ein knappes Drittel seines Bedarfs an Lithium, Nickel und Kobalt mit recyceltem Material decken, bis 2040 sogar mehr als zwei Drittel.“

Das stärke die wirtschaftliche Souveränität – und lohne sich für Unternehmen, die mit dem Recycling von Akkus in Europa bereits vor dem Jahr 2035 rentabel und nachhaltig Geschäfte machen können.

Mit Material von dpa

(ID:49893883)