Statt auf Hochglanz poliert wird Porsche die nächste Version des Taycan bei dessen Premiere dreckig auf die Bühne stellen.
Vor seiner Premiere wurde der Porsche Taycan Cross Tourismo einmal um die Welt geschickt.
(Bild: Porsche)
Was für eine Dreckschleuder. Eigentlich ist der Porsche Taycan angetreten, um den Schwaben zu einem sauberen Image zu verhelfen. Schließlich ist er das erste E-Auto des Sportwagen-Herstellers, und mit über 20.000 Exemplaren in einem guten Jahr hat er seine Sache nicht so schlecht gemacht.
Doch zumindest dieser Taycan, der hier auf der Piazza vor dem Museum zu einer ersten Ausfahrt bereitsteht, starrt vor Dreck und Baureihenleiter Stefan Weckbach ist stolz darauf. Denn das ist kein normaler Taycan, sondern ein Prototyp des neuen Cross Turismo, der die Palette noch in diesem Sommer ergänzen soll.
Und weil der mit verlängertem Dach, steiler Heckklappe, mehr Kopffreiheit für Hinterbänkler und einem größeren Kofferraum nicht nur etwas praktischer und geräumiger sein soll als die in fließenden Formen gezeichnete Limousine, und außerdem mit markanten Kunststoffplanken am Blech, verbreiterten Radläufen und robusteren Stoßfänger auch SUV-Kunden erreichen will, haben Weckbach und seine Testfahrer die Wagen bei der Erprobung besonders hart rangenommen. Und dabei kein einziges Mal gewaschen.
Schließlich stützen all die Schlieren und Spritzer auf den Lack jenes Marketing-Märchen von Freizeit und Abenteuer, mit dem Porsche den Kunden für ein wenig mehr Auto entsprechend mehr Geld aus der Tasche ziehen will. Die 3.000 Euro jedenfalls, die in der alten Welt zwischen dem Panamera und dem Sportturismo liegen, sind sicher eine vernünftige Richtschnur.
Zwar ist der Cross Turismo nur ein Derivat, und die meiste Entwicklungsarbeit haben die Schwaben schon mit der Limousine gemacht. Doch kam auch für den abenteuerlustigen Ableger noch einmal reichlich Strecke zusammen. So haben die Prototypen auf ihren exakt 998.361 Testkilometern nicht nur jede Menge Meter auf der Autobahn, dem Hockenheimring oder der Nordschleife gemacht. Der Cross Turismo musste sich dort bewähren, wo es den normalen Taycan so schnell nicht hin verschlägt: auf einem Offroad-Gelände in Südfrankreich, auf Gebirgspfaden in den Pyrenäen und auf dem Safari Kurs, den sie in Weissach eigentlich für Cayenne und Co. angelegt haben.
Mehr Bodenfreiheit
Dass der Cross Turismo dort weiterkommt als man sich mit der Limousine je wagen würde, liegt an ein paar kleinen, aber wirkungsvollen Anpassungen bei der Technik. So sind zwar Antrieb und Akkus vertraut. Und nach allem, was man sich schon jetzt zusammenreimen kann, wird es ihn mit 476 PS bis zum Turbo S mit maximal 761 PS geben.
Die Luftfederung bietet schon in der Standardversion zwei Zentimeter mehr Bodenfreiheit, und wer das Offroad-Paket bestellt, kann den Wagen auf Knopfdruck weitere drei Zentimeter anheben. Und neben den üblichen Fahrprogrammen für Komfort und Sport gibt es nun einen so genannten Gravel-Mode, der die Traktionskontrolle auf losen Untergrund einstimmt. „Er stellt optimale Stabilität, Leistung und dynamische Performance des Fahrzeugs auf Schotterwegen sicher“, sagt Weckbach.
Cross Turismo: Allrounder mit erweitertem Aktionsradius
Darunter durften die anderen Disziplinen aber nicht leiden: Die größte Herausforderung war es, die Anforderungen bezüglich Sportlichkeit mit den Fähigkeiten abseits befestigter Straßen unter einen Hut zu bekommen. Der Cross Turismo soll einerseits auf der Rundstrecke Leistung bringen und andererseits auf Geröll, Matsch und Schotter funktionieren. Deshalb ist das Fahrzeug natürlich kein Hardcore-Offroader geworden, sondern eher ein Allrounder mit erweitertem Aktionsradius. „Er ist eine Art Schweizer Taschenmesser auf bis zu 21 Zoll großen Räder“, sagt der Baureihenleiter.
Zwar haben die Prototypen im Rahmen der offiziellen Erprobung rein rechnerisch bereits knapp 25-mal die Erde umrundet. Doch war das Porsche offenbar noch nicht genug. Deshalb haben sie den einen Wagen, der jetzt so dreckig vor dem Museum steht, noch einmal auf eine Weltreise geschickt und ihm binnen sechs Wochen in den fünf wichtigsten Märkten besondere Aufgaben gestellt: In Kalifornien tobt der Cross Turismo über einen ausgetrockneten Salzsee, in Norwegen war er auf polaren Eis unterwegs, in Großbritannien ging es durch die Moore rund um Loch Ness und in den Niederlanden entlang der Deiche mit E-Bikes auf dem neuen Träger am Heck.
Kein Wunder, dass man unter dem ganzen Dreck nicht mal mehr die Tarnung erkennt. Und nur falls beim Transport zwischen den einzelnen Trainingseinheiten doch ein paar Krümel der Kruste abgefallen sind, steht jetzt eine letzte Tour durch den Schnee im Schwarzwald an.
Stand: 08.12.2025
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Pfeilschnell und komfortabel
Auf Salz, Schnee und Eis mag es Unterschiede geben. Doch zumindest auf Asphalt fühlt sich der Cross Turismo für den Fahrer an wie jeder andere Taycan – pfeilschnell, ungeheuer komfortabel und von einer Leichtigkeit, die man bei bald 2,5 Tonnen nun wirklich nicht erwartet hätte. Hinten dagegen merkt man den Unterschied auf Anhieb. Ja, der Platz für die Beine bleibt eingeschränkt für ein Auto von fünf Metern, und trotz der Fußgaragen im Akku wird es ab Schuhgröße 43 knapp für die Hinterbänkler.
Doch mit dem länger nach hinten gezogenen Dach gibt es spürbar mehr Kopffreiheit. Den größeren Scheiben sei Dank wirkt das Auto buchstäblich lichter. Und wer bei der Sitzprobe über die Schulter schaut, der erkennt einen großen, offenen Kofferraum, der auch für den Besuch bei Ikea taugt. Damit wird der Taycan als Cross Turismo nicht nur zum Abenteurer, sondern auch zu einem Alltagsauto. Nur sauber machen müsste man ihn dann halt mal.
Keine Zurückhaltung oder Vorsicht
Nur nicht heute. Im Gegenteil: Reichlich Salz auf der Straße und zwischendurch mal ein Abstecher auf einen matschigen Feldweg sollen dem Dreckskerl auch den letzten Glanz aus dem matten Lack treiben und ihn sogar vollends für die Premiere herrichten. Denn nach einer Weltreise ohne Wagenwäsche will Weckbach damit nächste Woche auf die Bühne fahren, um den Kunden zu zeigen, was sie den Cross Turismo alles zumuten können. Statt wie sonst zu Vorsicht und Zurückhaltung, mahnen die Mechaniker deshalb jetzt zu Matschpartie und bitten dringend darum, das Auto hübsch schmutzig zurück zu bringen. Denn so rein seine elektrische Seele sein mag, ist der Cross Turismo stolz, ein Dreckskerl zu sein.