Wirtschaft Zölle in den USA: „Das wird auch Arbeitsplätze betreffen“

Von Thomas Günnel dpa/Thomas Günnel 3 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Auf in die USA importierte Pkw fallen künftig 25 Prozent Zölle an. Die konkreten Folgen sind kaum absehbar.

Seit 3. April gelten in den USA Importzölle für Pkw aus Europa.(Bild:  Volkswagen)
Seit 3. April gelten in den USA Importzölle für Pkw aus Europa.
(Bild: Volkswagen)

In den USA sind die von Präsident Trump angekündigten Autozölle in Kraft getreten. Seit Mitternacht gelten 25 Prozent Aufschlag. Der Verband der Automobilindustrie rechnet mit großen Belastungen für die Branche und steigenden Preisen, zunächst in den USA. Die Folgen der 25 Prozent-Zölle seien derzeit aber noch schwer einzuschätzen.
„Klar ist allerdings schon jetzt, dass diese Entwicklung weltweit negative Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum haben wird. Das wird auch Arbeitsplätze betreffen“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller. Trumps Maßnahmen seien „eine massive Belastung und Herausforderung“ für die gesamte Automobilindustrie. „Die Folgen werden auf allen Märkten spürbar sein“, sagte Imelda Labbé vom Importeursverband VDIK.

Stellantis stoppt Produktion in Kanada

Erste Hersteller ziehen bereits Konsequenzen: VW stoppte laut Wall Street Journal vorübergehend die Auslieferung von Fahrzeugen aus Mexiko in die USA und hält Importe aus Europa vorerst in den Häfen zurück. Zudem wolle VW auf Fahrzeuge, die unter die neuen Zölle fallen, künftig eine Importgebühr ausweisen. Zur Höhe des Aufschlags und ab wann er gelten soll, machte VW noch keine Angaben.
Als erster Hersteller hat Ferrari in den USA die Preise bereits erhöht – um bis zu zehn Prozent, wie das Unternehmen im Vorfeld angekündigt hatte. Die Opel-Mutter Stellantis, zu der auch Chrysler gehört, unterbricht die Produktion in Kanada: Das Werk in der Provinz Ontario werde ab kommende Woche für 14 Tage stillstehen, berichtet die Gewerkschaft Unifor auf Facebook.
Die Hersteller selbst halten sich mit konkreten Aussagen noch zurück. „Wir bewerten derzeit die Ankündigungen im Detail und bitten um Verständnis, dass wir uns vorerst nicht tiefergehend äußern können“, sagte ein BMW-Sprecher. Zu möglichen Auswirkungen auf Preise, Produktion oder Absatz könne der Konzern derzeit noch nichts sagen, hieß es bei Volkswagen of America.

Lager vorsorglich gefüllt

Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer geht davon aus, dass die Preise in den US-Autohäusern schnell steigen – aber nicht sofort. „Für die nächsten zwei Monate tut sich da gar nichts, denn die Händler haben große Fahrzeugbestände, die teilweise noch aufgefüllt wurden, um für Zölle gerüstet zu sein“, sagt er der Deutschen Presse-Agentur. In drei Monaten müsse man dann sehen, was passiert.
Auch dann rechnet Dudenhöffer aber nicht damit, dass die Preise im gleichen Maß wie die Zölle steigen. Die Hersteller würden das mit Rabatten oder anderen Verkaufsmaßnahmen verhindern, um wettbewerbsfähig zu bleiben.

US-Produktion deckt Verkäufe nur zum Teil ab

Die USA sind wichtigster Auslandsmarkt für die deutsche Autoindustrie. Laut VDA wurden 2024 fast 450.000 Fahrzeuge aus deutscher Produktion in die USA exportiert. Fast jeder vierte Porsche wurde in den USA verkauft, bei BMW und Mercedes lag der Anteil jeweils bei gut 16 Prozent. Bei Audi waren es zwölf Prozent, bei der Marke VW acht Prozent. Zwar produzieren Volkswagen, BMW und Mercedes-Benz auch in den USA, decken damit aber nur einen Teil der dortigen Verkäufe ab. BMW importiert gut die Hälfte der in den USA verkauften Autos aus dem Ausland, die Marke VW fast zwei Drittel, vor allem aus Mexiko.Porsche und Audi bedienen den US-Markt sogar komplett mit Importwagen.

Komplexes Zollpaket

Bei dem angekündigten Paket geht es um sogenannte wechselseitige Zölle. Die US-Regierung argumentiert, dass die USA lediglich überall dort ihre Zölle anheben, wo internationale Partner ihrerseits Abgaben verlangten oder anderweitige Handelsbarrieren für US-Firmen aufgebaut hätten. Das sei nur gerecht. Wie die Amerikaner diese angeblichen Benachteiligungen aber berechnen, ist undurchsichtig und die „Fairness“ des Schrittes daher schwer nachvollziehbar. 
Kommen soll ein komplexes internationales Zoll-System. Es enthält individuelle wechselseitige Zölle und pauschale Strafabgaben. Zölle in Höhe von zehn Prozent sollen universell auf Importe aus allen Ländern in die Vereinigten Staaten gelten und bereits an diesem Samstag (5. April) in Kraft treten. Jenseits davon soll es individuelle Strafabgaben geben, die je nach Land variieren. Diese sollen ab dem 9. April greifen. 
Dabei werden besonders jene Länder ins Visier genommen, die aus Sicht der USA besonders hohe Handelsbarrieren für amerikanische Produkte haben. Für Dutzende Staaten sind höhere Abgaben jenseits der zehn Prozent vorgesehen, zum Teil weit darüber.

„Europas Wirtschaft benötigt starke Allianzen“

Die EU sei jetzt gefordert, geschlossen „und mit entsprechender Stärke“ aufzutreten, müsse aber zugleich weiter Verhandlungsbereitschaft zeigen, forderte Hildegard Müller. „Die EU muss jetzt Verfechter für den freien und fairen globalen Handel sein. Deutschlands und Europas Wirtschaft benötigt starke Allianzen und belastbare Netzwerke.“

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung