Kurz erklärt Was ein Mildhybrid ist

Von Holger Holzer/sp-x 3 min Lesedauer

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Der Mildhybrid ist eine Kombination aus einem besseren Start-Stopp-System und einem echten Hybridantrieb. Die Technik soll vor allem den Kraftstoffverbrauch senken.  

Die Hybridbatterie (rechts) fällt deutlich kleiner aus als bei Vollhybriden.(Bild:  Delphi)
Die Hybridbatterie (rechts) fällt deutlich kleiner aus als bei Vollhybriden.
(Bild: Delphi)

Hybridautos sind sparsam und ausgereift – aber auch ziemlich teuer. Nicht nur in der Anschaffung, sondern auch in Wartung und Produktion. Denn das Hochspannungssystem an Bord macht die Fertigung und Reparaturen gefährlich. Günstiger und sicherer sind da die Niedervolt-Hybridsysteme, etwa mit 48 Volt. Diese werden seit einigen Jahren bei Autoherstellern immer populärer.  

Die Niederspannungstechnik macht Schutzmaßnahmen gegen Stromschläge unnötig. Die Batterie und der zum Hilfsmotor ausgebaute Startergenerator sind klein ausgelegt und entsprechend billig. Die meisten Hersteller betreiben ihren Mildhybrid mit 48 Volt Arbeitsspannung, es gibt aber auch Varianten mit 24 Volt, 16 Volt oder 118 Volt. Ab einer Spannung von 48 Volt ist theoretisch rein elektrisches Fahren über einige Meter möglich, die Hauptaufgabe des E-Motors ist aber, den Verbrenner beim Anfahren und Beschleunigen zu unterstützen. Danach dient er als Generator, um Bremskraft in elektrische Energie zu wandeln – was er deutlich effizienter macht als die üblichen Zwölf-Volt-Lichtmaschinen.  

Die wichtigsten Funktionen eines Mildhybrid-Antriebs

  • Beim Anfahren und Beschleunigen liefert der Elektromotor zusätzliche Kraft, um den Spritverbrauch zu senken.
  • Beim Bremsen wandelt der Motor die kinetische Energie in elektrischen Energie um. Ein kompakter Akku speichert diese Rekuperationsenergie und stellt sie später wieder zur Verfügung.
  • Das 48-Volt-Bordnetz übernimmt das Stand-by-Laden der 12-Volt-Batterie, wodurch der Verbrennungsmotor häufiger abgeschaltet werden kann.

Zehn Prozent Verbrauchsvorteil

Der Verbrauchsvorteil von Mildhybrid-Antrieben gegenüber reinen Verbrennern liegt zumindest in der Theorie bei etwa zehn Prozent. Ob das klappt, hängt stark von der Auslegung und vom Fahrprofil ab. Wer primär auf der Autobahn fährt, merkt wenig vom E-Motor, im Stadtverkehr liegt das Sparpotenzial hingegen höher. Vergleichbar mit den Effizienzgewinnen durch einen Vollhybrid sind sie aber bei Weitem nicht.   

Immerhin gibt es unter Umständen Vorteile bei der Fahrleistung. So können Anfahrschwächen und Turbolöcher vom E-Motor zumindest teilweise ausgeglichen werden. Auch hierbei kommt es stark auf die Auslegung des jeweiligen Autos an – bei einigen Modellen bemerkt man die Unterstützung stark, bei anderen fast gar nicht.  

Zum Start Ende der 2010er-Jahre war die Mildhybrid-Technik zunächst vor allem in teureren Fahrzeugen oder bei starken Motoren im Einsatz. Mittlerweile gibt es bei vielen Herstellern gar keine Benziner mehr, ohne die „milde Hybridisierung“. Auch in den wenigen verbliebenen Dieseln arbeitet oft ein 48-Volt-System – weil die Autobauer ihre verbrauchsmindernden Eigenschaften benötigen. Die Technik kann helfen, den CO2-Flottenverbrauch eines OEM zu senken. Einige Marken machen aus der Not eine Tugend und bewerben ihre Mildhybride mit leichter Übertreibung als „Hybride“, um so den Aufpreis für die Zusatztechnik zu rechtfertigen.  

Die möglichen Mildhybrid-Varianten

Im Jahr 2017 veröffentlichte Schaeffler eine Übersicht1, in welchen Konfigurationen ein Mildhybrid aufgebaut werden kann. Der Zulieferer unterscheidet fünf Varianten für eine Bordspannung von 48 Volt:

  • P0: E-Motor in den Riementrieb integriert. In Richtung der Kraftübertragung liegt dieses System vor dem Motor. Preiswerter Einstieg in die 48-Volt-Hybridisierung. Vor allem Vorteile bei Wiederstart, aber auch beim „Boosten“.
  • P1: Hier vereint das E-Aggregat Starter und Generator und spart Bauraum. Vorteil: Einfache und kostengünstige Lösung. Nachteil: Verbrennungsmotor und Getriebe lassen sich nicht entkoppeln. Rekuperation ist daher nicht sehr effizient, rein elektrischer Betrieb nicht sinnvoll möglich.
  • P2: Hier ist der E-Motor zwischen Verbrennungsmotor (kann abgekoppelt werden) und Getriebe platziert. Preiswert, kompakt. Gut in Fahrzeugkonzepte integrierbar. Fahrmodi „Boost“ und „Segeln“ sowie rein elektrisches Fahren sind möglich. Verbrauch und Emissionen deutlich reduziert. 
  • P3: E-Motor im Getriebe oder am Getriebeausgang. Erhöhter Platzbedarf. Kann entkoppelt werden. Je nach Konfiguration auch rein elektrisches Kriechen oder Einparken möglich (2-Gang-Variante).
  • P4: Separate E-Achse, die nicht mit dem Verbrennungsmotor verbunden ist. Ermöglicht Aufrüstung zum Allrad.

Quelle

1: Schaeffler, file:///D:/Downloads/48_Volt_fact_sheet_xxl_de_de.pdf, abgerufen am 20.11.2024

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