Bei Lapp ist Nachhaltigkeit ein Vorstandsthema. Jan Ciliax, CFO der Unternehmensgruppe, sieht viele Ansätze im Familienunternehmen, die er nun stärker strukturieren will. Der größte Hebel ist das Kabel als Produkt und größter Treiber das Engagement der Mitarbeitenden.
Nachhaltigkeit ist ein allgegenwärtiger Begriff. Was verstehen Sie darunter im industriellen Umfeld?
Ich benutze gerne ESG als zusammenfassendes Akronym. Es steht für die drei Komponenten Umwelt, Soziales und Unternehmensführung und deckt den Nachhaltigkeitsbegriff vor allem in Bezug auf die Industrie sehr gut ab. Ich habe zuvor bei einem börsennotierten amerikanischen Unternehmen gearbeitet. Da gibt es große Unterschiede: Nachhaltigkeit wurde dort ebenfalls immer wieder thematisiert. Aber es ging eben auch um den Aktienkurs. In einem familiengeführten Unternehmen wie Lapp ist zwar noch nicht alles zum Thema Nachhaltigkeit aufgeschrieben, aber die ESG-Werte sind in der DNA des Unternehmens verankert. Andreas Lapp spricht oft von „enkelfähig“. Das heißt, wir denken nicht in Quartalen, sondern in Generationen.
Wie intensiv rollen Sie das Thema international im Unternehmen aus, und wie wird es in den verschiedenen Regionen aufgenommen?
Jan Ciliax, CFO der Unternehmensgruppe, sieht viele Ansätze im Familienunternehmen, die er nun stärker strukturieren will.
(Bild: Lapp)
International sind noch nicht alle Gesellschaften auf dem gleichen Level. Die Gesellschaft in Nordamerika hat gerade erst begonnen, sich intensiver mit Nachhaltigkeitsaspekten zu beschäftigen. In der Region Asia-Pacific sind wir schon etwas weiter. Vor allem in Indien ist das Mindset der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beim Thema Nachhaltigkeit sehr stark ausgeprägt. Dort kommt der Impuls aus der Gesellschaft. In China gibt die Regierung Maßnahmen vor, da die Bevölkerung vor allem unter der Luftverschmutzung leidet und Handeln dringend notwendig ist. Wir merken das auch bei unseren digitalen Workshops zum Thema: Das Interesse aus Asien und insbesondere aus Indien ist sehr groß.
Warum liegt das Thema ESG bei Ihnen als CFO?
Wir haben gemeinsam im Vorstand beschlossen, das Thema Nachhaltigkeit beim CFO anzusiedeln. Der Hintergrund war, dass der Druck von externen Shareholdern wie Banken und Wirtschaftsprüfern zugenommen hat. Das Thema ESG ist in meiner Verantwortung, weil ich für diese Gruppen der erste Ansprechpartner bin. In einigen Jahren kann sich das aber auch wieder ändern.
Und wie sind Sie das Thema angegangen?
Wir haben Kassensturz gemacht und unseren Lagebericht um einen nichtfinanziellen Teil ergänzt. In diesem Bericht haben wir zusammengeschrieben, was wir in Sachen Umwelt, Soziales und Unternehmensführung machen und ihn mit unseren Banken und Wirtschaftsprüfern geteilt. Diese waren angetan. Im Branchenvergleich sehen sie uns bereits als gut aufgestellt an. Aber wir waren aus meiner Sicht noch zu unstrukturiert. Wir hatten zwar viel getan, aber sind noch nicht strategisch vorgegangen.
Doch der Stellenwert des Themas ist hoch?
Wir haben für die Lapp-Gruppe die Strategie 2027 aufgesetzt und fünf Durchbruchsziele formuliert. Eines davon bezieht sich auf Nachhaltigkeit. Aktuell arbeiten wir daran das Ziel noch weiter zu konkretisieren und mit KPI’s zu unterlegen. Es kann nicht ausreichen, nur einen CSR-Report zu liefern und sich auditieren zu lassen.
Wie wollen Sie konkreter werden?
Unser Vorstand und unser Nachhaltigkeitsgremium wollen sich in Kürze zusammensetzen und unsere Nachhaltigkeitsstrategie verfeinern. Es gibt zwar schon eine projektgetriebene Agenda, aber wir wollen darüber hinaus formulieren, womit man Lapp beim Thema Nachhaltigkeit verbinden soll. Wir brauchen also noch die Vision.
Wo steht das Unternehmen derzeit konkret bei den drei ESG-Themen?
Der Punkt „Unternehmensführung“ ist bei Lapp sehr familiengetrieben. Hier wird, wie gesagt, in Generationen gedacht. Zudem handeln wir nach der Überzeugung: in der Region für die Region. In Asien, Europa und Nordamerika soll das Geschäft lokal gesteuert werden. Zum Beispiel wollen wir in China nicht für Europa produzieren, sondern für die Kunden dort bzw. in Asien. Einer der Gründe hierfür ist, auch zugunsten der Umwelt lange Transportwege und damit Abhängigkeiten zu vermeiden.
Für soziale Projekte haben wir im vergangenen Jahr knapp 1 Million Euro weltweit ausgegeben. In diesem Bereich haben sich die Firma und die Familie schon immer sehr engagiert. Aber das Engagement läuft noch etwas unstrukturiert. Auch hier müssen wir klar umreißen: Wofür steht die Gruppe? Unterstützen wir beispielsweise die Themen Medizin, Bildung und Kultur an den jeweiligen Standorten mit Projekten? Und haben dann die Regionen die Freiheiten, individuell in diesen Kategorien aktiv zu werden?
Im Bereich Umwelt sind wir laut externen Einschätzungen auch schon gut aufgestellt. Aber hier sind wir in Bezug auf die Strategie noch nicht so weit. Den größten Einfluss auf das Thema Umwelt hat bei Lapp das Produkt Kabel und damit insbesondere der Rohstoff Kupfer. Wir führen derzeit Gespräche mit unseren Kupferlieferanten, um uns einen Überblick zu den CO2-Emissionen der verschiedenen Ausgangsstoffe zu verschaffen. Darüber hinaus haben wir begonnen unseren Product-Carbon-Footprint zu berechnen. Auch hier sind wir von unseren Lieferanten bezüglich der Datenbereitstellung abhängig.
Wie viel Zeit investieren Sie in das Thema ESG?
Wir führen bereits seit einigen Jahren wieder den Dialog mit unseren Hausbanken. Sie sind interessiert, was Lapp unternimmt und erwarten gleichzeitig, dass in Zukunft geliefert wird. Schon unsere damaligen Bemühungen konnten überzeugen. Mit unserer CSR-Managerin haben wir eine personelle Kraft, die sich zu 100 Prozent auf ESG fokussiert. Wieviel Zeit ich dafür konkret aufbringe, kann ich nicht sagen. Aber es ist gut investierte Zeit.
Werden Ihre Nachhaltigkeitsbemühungen von den Kunden goutiert?
Sie goutieren es, aber aus meiner Sicht nicht unabhängig vom Preis. Umgekehrt verschwindet man künftig aus der Lieferantenliste der Kunden, wenn man als Unternehmen nicht nachhaltig aktiv ist. Wir setzen diesen Maßstab zukünftig auch verstärkt bei unseren Lieferanten an.
Die Corporate Sustainability Reporting Directive der EU wird ab dem Geschäftsjahr 2024 die Nachhaltigkeitsberichterstattungsrichtlinie (Non-financial Reporting Directive, NFRD) ablösen. Wie weit sind Sie hier?
Wir haben mit den Vorbereitungen zur Erfüllung der Corporate Sustainability Reporting Directive begonnen und tauschen uns auch mit Unternehmen aus, die bereits einen Nachhaltigkeitsbericht veröffentlichen. Von diesen Erfahrungen können wir profitieren. Herausfordernd ist, dass die Standards der CSRD noch nicht final vom Gesetzgeber verabschiedet wurden. Wir führen derzeit eine eigene Software zur Datenerfassung ein, die uns bei der Berichterstattung hilfreich sein wird.
Die Ausrichtung auf nachhaltige Industrien ist Teil der ESG-Ansätze von Lapp. Sie ist aber auch Chance und Risiko zugleich. Wie haben Sie die Auswahl getroffen? Denn nachhaltig heißt auch wirtschaftlich sinnvoll.
Insbesondere das Thema der Lapp Mobility ist im Ansatz sehr gut. Wir haben für unsere Ladekabel jüngst bedeutende OEM-Kunden gewonnen und werden darauf aufbauend dieses noch sehr kompetitive Geschäft weiter ausbauen. Außerdem sind wir mit Produkten im Bereich der alternativen Energien, sprich Solar- und Windkraft, sehr aktiv und außerordentlich erfolgreich. Hier werden wir unsere Kapazitäten noch vergrößern, um an dem, gerade in Zeiten von Gasknappheit boomenden Geschäft weiter zu partizipieren. Persönlich würde ich auch den Bereich der Industriellen Automatisierung als nachhaltig definieren. Schließlich geht es hier um effizientere und abgestimmte Produktionsprozesse und damit einer Reduzierung von Ressourcen. Auch dies ist ein Fokusthema bei Lapp in dem wir erfreuliche Ergebnisse erzielen
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Stand: 08.12.2025
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