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Jubiläum in Detroit 100 Jahre Autos am laufenden Band

| Autor / Redakteur: sp-x / Christian Otto

Anfangs waren Autos ein teurer Spaß für gut Betuchte. Das änderte sich erst, als Henry Ford vor 100 Jahren den Produktionsprozess revolutionierte und eine neue Kundengruppe erschloss.

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Vor 100 Jahren führte Ford das Fließband ein
Vor 100 Jahren führte Ford das Fließband ein
(Foto: Ford)

Nicht nur die wichtigste Auto Show Nord-Amerikas kann gerade ihr 25. Jubiläum feiern, auch die Grundsteinlegung für den einstigen Wohlstand der US-Autometropole jährt sich 2014. Und das zum 100. Mal. Am 12. Januar 1914 nahm Henry Ford das erste Fließband der Automobilproduktion in Detroit in Betrieb. Zwei Tage zuvor hatte er den lange geforderten Acht-Stunden-Tag für seine Arbeiter eingeführt, im gleichen Atemzug die Löhne seiner Belegschaft auf fünf Dollar angehoben und damit eben Mal verdoppelt.

Ein Gut-Mensch der Industrialisierung? Wohl kaum. Ford konnte rechnen. Das Model T, das mit leisem Spott Tin Lizzy (Blechliesel) getaufte Volumenmodell der Ford Werke, kostete 1910 noch 950 Dollar, der Gewinn je verkauftem Fahrzeug lag bei 220 Dollar. Mit der Einführung der Fließbandfertigung und der Anhebung der Tageslöhne sankt der Gewinn auf 99 Dollar, berichten die Quellen. Aber das Auto war für nur noch 290 Dollar zu haben, was 58 Tagelöhnen entsprach. Kurz zuvor musste ein Arbeiter noch mehr als 400 Tage arbeiten, um sich eine Tin Lizzy leisten zu können.

Henry Ford war einer der ersten Unternehmer, der auch seine Arbeiter als potenzielle Kunden erkannt hat. Wenn man die Belegschaft ordentlich bezahlt, dann könnten sie sich auch die von ihnen hergestellten Produkte leisten. Und ein Auto war in damaligen Zeiten trotz der erheblichen Preisreduzierung immer noch ein Luxusprodukt. Die Ausweitung der Produktion, die mit der Fließfertigung und dem jetzt auf Dreischichtbetrieb umgestellten Arbeitstag führte zu einer bedeutenden Aufstockung der Belegschaft und damit zu vielen gut verdienenden Kaufwilligen, die vom eigenen Automobil träumten.

Die Idee der Fließbandfertigung war jedoch nicht die Erfindung Henry Fords. Er hatte die getaktete Arbeit im Produktionsprozess in den Schlachthöfen in New York und Chicago studiert, wo Rinder und Schweinehälften stationsweise und mit hohem Tempo verarbeitet wurden. Doch bereits im chinesischen Kaiserreich und den Arsenalen der Venezianer machte man sich das wirtschaftliche Arbeitsverfahren zu nutze. Porzellan und Waffen wurden auf diese Weise hergestellt. Das Volumen der Ford Fertigung erreichten sie allerdings nicht. Bis zu 9.000 Fahrzeuge wurden in den Werkshallen täglich produziert. Tin Lizzy konnte bis 1972 den Titel des meistverkauften Automobils der Welt führen, dann erst löste der Käfer das Model-T ab.

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