Fahrbericht Alpine A390 GT: Unbekannter Sportler

Von Michael Specht/SP-X 3 min Lesedauer

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Alpine schickt sein größtes und erstes eigenständiges Elektromodell an den Start. Die A390 soll als Fastback-Allradlimousine neue Kunden erobern.

Alpine nennt sein jüngstes vollelektrisches Modell A390, „Sport Fastback Limousine“.(Bild:  Thomas Cortesi)
Alpine nennt sein jüngstes vollelektrisches Modell A390, „Sport Fastback Limousine“.
(Bild: Thomas Cortesi)

Mit dem Namen Alpine dürften viele Autofahrer hadern. Jene, die etwas tiefer in der Szene stecken, denken natürlich augenblicklich an die legendären Renault-Sportwagen aus den 70er-Jahren. Die Alpine A110 galt damals als gefürchtetes Rallye-Auto und in der Straßenversion als coole Alternative zu den Elfer-Modellen von Porsche.

Vom Rallye-Klassiker zur E-Marke

Mittlerweile ist Alpine als eigene Marke unter dem Dach von Renault positioniert. Im Jahr 2017 hat der Hersteller die A110 im Retro-Design neu aufgelegt und damit eine Fangemeinde beglückt. Der Sportwagen zählt zu den größten Spaßgeräten und wertstabilsten Autos im Segment. Kürzlich erweiterte Renault ihr Portfolio um das elektrische Kompaktmodell A290, eine Hommage an die damalige Knallkiste Renault 5 Alpine.

A390: Sport Fastback statt SUV

Dass diese zwei, wenngleich sehr emotionalen Modelle, kaum den Fortbestand einer Sportwagenmarke sichern können, wissen auch die Verantwortlichen in den Büros von Alpine nur zu gut. Ebenso, dass der Tisch mit der eigenen Markenhistorie abgefrühstückt ist. Neuen Schub soll daher die A390 bringen, deren Einordung allerdings nicht leichtfällt: etwas höher als ein Coupé, aber zu flach für ein SUV. Alpine nennt seine jüngste, vollelektrische Schöpfung daher mutig „Sport Fastback Limousine“. Der Preis startet bei 67.500 Euro.

Design erinnert an A110

Einige Ähnlichkeiten zum A110 sind durchaus auszumachen, besonders die hintere Flanke (C-Säule) und das gewölbte Heckfenster. Die A390 – 4,62 Meter lang – steht insgesamt gutproportioniert auf ihren großen Rädern und zeigt schon optisch, dass es unterm Blech ziemlich dynamisch zur Sache gehen dürfte.

Direkte, agile Fahrdynamik

Letzteres bestätigt sich schon nach wenigen Kilometern auf den Bergstraßen nördlich von Màlaga, wo wir die A390 erstmals Probe fahren konnten. Lenkung und das eigens entwickelte Fahrwerk arbeiten perfekt zusammen. Sportlich direkt – manchem vielleicht ein wenig zu direkt – und äußerst agil lässt sich das Auto um die Kurven treiben, wirkt dabei nie nervös oder unsicher, eher solide und fest. Hinzu kommt eine sehr angenehme Sitzposition mit gutem Seitenhalt und einer weit herausziehbaren Lenksäule. Kurzum: Fahrspaß garantiert.

Drei E-Motoren und Allrad

Natürlich trägt auch der Allradantrieb, erstmals in der Geschichte von Alpine, seinen Teil dazu bei. Immerhin verfügt die A390 über drei Elektromotoren, die in der GT-Version zusammen 295 kW zu den Rädern schicken. Hinten sind es gar zwei E-Maschinen, die jeweils ein Rad bedienen und ihr Drehmoment feinfühlig und in Millisekunden mittels aktivem Torque Vectoring verteilen. So gut kriegt das kein Sperrdifferenzial hin.

GT und GTS: Leistungsdaten mit Sportwagen-Niveau

Bei der GTS-Variante, sie kommt nächstes Jahr, sind es sogar 345 kW. Power genug, um die A390 in nur 3,9 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 zu beschleunigen.

Alltagstaugliche Reichweite

Dass sportliches Fahren dem Verbrauch nicht gerade zuträglich ist, ist auch in Alpines Fastback-Limousine zu merken. Bei Testende standen 26 kWh/100 km auf dem Display. , nach WLTP-Norm sollen es 20,7 bis 18,9 km sein. Gut, dass die Batterie mit 89 kWh Kapazität eine gesunde Alltagsgröße hat und im Bestfall 551 Kilometer mit einer Stromfüllung drin sind.

Laden und Batterie

Geht es unterwegs an den Schnelllader, verdaut der Akku maximal 150 kW – 190 kW beim GTS –, was den Aufenthalt an der Säule auf eine halbe Stunde begrenzt, wenn das Ziel 80 Prozent Füllgrad sind.

Cockpit mit Renault-Anleihen und Alpine-Details

Renault-Scenic- und Mégane-Fahrer werden sich im A390 sofort heimisch fühlen, das komplette Armaturenbrett mit den über Eck verbundenen Displays haben die Designer übernommen. Lediglich die spezifischen Anzeigen und Grafiken wurden der sportlicher ausgelegten Alpine angepasst. Weggefallen ist zudem der Gangwahlschalter hinter dem Lenkrad. Ihn ersetzen die markentypischen runden Taster auf der Mittelkonsole.

Bildergalerie

Ein weiteres Gleichteil ist das Sportlenkrad. Es stammt aus der Alpine A290 und verfügt damit ebenso über die drei Satelliten-Knöpfe für Drive-Mode, Überholen und Rekuperation. Die Verzögerung ist vierstufig und reicht bis zum One-Pedal-Drive.

Digital, vernetzt und überraschend nutzerfreundlich

Was Digitalisierung und Konnektivität betrifft, fährt die Alpine A390 ganz vorne mit. Google-Dienste sind an Bord, die Reise inklusive Ladestopps lässt sich mittels Google-Maps planen, der Sprachassistent hilft in den meisten Angelegenheiten. In Sachen Sicherheit sind zahlreiche in der Klasse übliche Assistenzfunktionen an Bord. Bis zu fünf davon lassen sich mit einem Knopfdruck deaktivieren. Man muss also nicht lange im Menü herumsuchen, nur um den nervtötenden Tempoüberschreitungswarner auszuschalten.

Große Aufgabe: Marke Alpine bekannter machen

So überzeugend der sportliche Auftritt, die gelungene Abstimmung und die guten Fahreigenschaften der A390 auch sind: Eine harte Aufgabe für Alpine bleibt, den Bekanntheitsgrad der Marke zu stärken. Damit die elektrische Fastback-Limousine überhaupt ins Bewusstsein der Kunden fährt.

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