Automatisiertes Fahren Türkis – Die neue Farbe im Straßenverkehr

Von sp-x 3 min Lesedauer

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Wie zeigt man, dass sich ein Fahrzeug im automatisierten Modus befindet? Anfänglichen Ideen von animierten Gesichtern wurden von pragmatischen Konzepten abgelöst. Die Farbe Türkis spielt dabei eine wichtige Rolle.

Mercedes-Benz testet in den USA türkise Leuchten. Sie sollen signalisieren, dass das Fahrzeug gerade eigenständig fährt.(Bild:  Mercedes-Benz)
Mercedes-Benz testet in den USA türkise Leuchten. Sie sollen signalisieren, dass das Fahrzeug gerade eigenständig fährt.
(Bild: Mercedes-Benz)

Schon die nonverbale Kommunikation zwischen zwei menschlichen Autofahrern ist nicht selten kompliziert. Unter Verkehrsteilnehmern wird es noch schwieriger, denn Mimik, Gestik und Stimme entfallen für den Austausch. Damit das autonome Auto nicht zum Sicherheitsrisiko an Kreuzungen und Fußgängerüberwegen wird, muss es eine verständliche Sprache nutzen. Dabei könnte die Farbe Türkis eine besondere Rolle spielen.

Dass Roboterautos mit ihrer Umwelt kommunizieren müssen, ist für Entwickler und Hersteller schon lange klar. Entsprechend zahlreich sind die Ansätze, mit denen Fahrzeugbauer und Zulieferer bisher experimentiert haben. Audi etwa hat bereits vor Jahren Projektionen erprobt – Licht-Symbole, die das Auto mittels der Scheinwerfer auf die Straße wirft und die von anderen Verkehrsteilnehmern gelesen werden.

Animierte Gesichter

Doch das funktioniert nur bei passenden Lichtverhältnissen zuverlässig. Der schwedische Zulieferer Semcom setzte stattdessen auf ein Bildschirmgesicht auf dem Kühlergrill, das Passanten freundlich zulächelt, wenn diese die Straße überqueren sollten. Ähnlich menschelnd: die riesigen Elektro-Augen von Jaguar. Inklusive Lid, Iris und Pupille sollten sie Blickkontakt zu anderen Verkehrsteilnehmern aufnehmen.

Das Problem: Richtig zu sehen sind Gesichter und Augen nur von vorne. Zudem könnten sie bei ungünstigen Verkehrs-, Licht- und Wetterverhältnissen schlecht erkennbar sein. Dazu kommt: Die Signale des Autos müssen eindeutig sein und darüber hinaus mit dem sonstigen Verhalten des Fahrzeugs übereinstimmen. Zeigt das Auto einem anderen Verkehrsteilnehmer an, dass es an einer Kreuzung wartet, darf es danach nicht noch kurz bis zur Haltelinie beschleunigen. Der fragliche Passant würde erschrecken und autonomen Autos anschließend nicht mehr vertrauen.

Mercedes testet türkise Leuchten

Solche oder ähnliche Situationen am Fußgängerüberweg oder Zebrastreifen, dürften aber erst in fernerer Zukunft wichtig werden. Zunächst bleibt das hochautomatisierte Fahren wohl auf Autobahnen beschränkt. „Wann das vollständig fahrerlose Fahren auf allen Strecken und in allen Szenarien kommen wird, lässt sich aktuell nicht vorhersagen. Neben technischen Fragen kommt es auch darauf an, dass regulatorische Rahmenbedingungen geschaffen werden – und Menschen der Technologie vertrauen“, so Sven Lanwer, der beim Zulieferer Bosch als Bereichsleiter für die Themen Fahrerassistenz und automatisiertes Fahren zuständig ist.

Eine vertrauensbildende Maßnahme hat nun Mercedes in den USA eingeführt: die türkisen Markierungslichter für automatisiert fahrende Autos. Fahrzeuge der S- und EQS-Klasse dürfen in Kalifornien und Nevada entsprechende Zusatzleuchten in den Scheinwerfern, den Heckleuchten und den Außenspiegeln verwenden. Sie werden aktiviert, sobald die Fahrzeuge in den hochautomatisierten Fahrmodus schalten. Auf diesem sogenannten Level 3 übernimmt der Computer dauerhaft sowohl das Steuer als auch die Verantwortung.

ISO-Standard für Kommunikation

Die türkisen Lichter sollen anderen Verkehrsteilnehmern anzeigen, dass aktuell kein Mensch am Steuer sitzt. Der türkise Farbton wurde gewählt, weil die Farbe anders als blaues oder gelbes Blinklicht im Verkehr noch nicht belegt ist. Und weil er keine Instruktion impliziert – wie etwa rotes Stopplicht oder ein Grün, das freie Fahrt suggeriert. Mercedes arbeitet seit mehr als fünf Jahren mit diesem Farbton.

Die Mercedes-Beleuchtung ist allerdings nur ein erster Schritt. Mehr als anzuzeigen, dass das Auto aktuell autonom fährt, tut sie nicht. Das Signal dürfte eher der Eitelkeit der Insassen des Fahrzeugs schmeicheln, als dass es eine gehaltvolle Information an die Umgebung leitet. Allerdings ist die Technik ausbaufähig, wenn es nach Stephan Cieler geht. Der Entwickler beim Zulieferer Continental arbeitet unter anderem in den ISO-Normungsgremien an der Standardisierung sogenannte externer und dynamischer Mensch-Maschine-Schnittstellen („Human Machine Interface“). Cieler hat eine „Roboterauto-Sprache“ mit gerade einmal zwei Botschaften entwickelt: „Autonomes Fahren aktiv“ und „Ich gewähre dir Priorität“. Das grünblaue Lichtband um das Fahrzeug herum zeigt dabei an, dass es sich im autonomen Modus befindet. Wenn es blinkt, teilt es mit, anzuhalten und dem anderen Vortritt oder Vorfahrt zu lassen.

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Ob sich der Ansatz bei Industrie, Wissenschaft und Politik durchsetzt bleibt abzuwarten. Einen mindestens europa-, wenn nicht weltweiten Standard wird es wohl in diesem Jahrzehnt nicht mehr geben. Allerdings dürfte auch das autonom fahrende Auto noch länger auf sich warten lassen.

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