Automobilzulieferer „Es herrscht sehr viel Unsicherheit im Markt“

Von Claus-Peter Köth 5 min Lesedauer

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Was bereitet europäischen Zulieferern die größten Sorgen? „Automobil Industrie“ sprach mit Jan Dannenberg und Alexander Timmer von Berylls by AlixPartners im Zuge der Studie „Global Top 100 Automotive Suppliers“.

Getriebemontage am ZF-Standort Friedrichshafen: Erst am vergangenen Freitag verkündete der Zulieferer in Deutschland bis zu 14.000 Stellen abbauen zu wollen. Das Nutzfahrzeuggeschäft ist davon weniger stark betroffen.(Bild:  ZF)
Getriebemontage am ZF-Standort Friedrichshafen: Erst am vergangenen Freitag verkündete der Zulieferer in Deutschland bis zu 14.000 Stellen abbauen zu wollen. Das Nutzfahrzeuggeschäft ist davon weniger stark betroffen.
(Bild: ZF)

Herr Dannenberg, was bereitet den europäischen Zulieferern aktuell die größten Schmerzen?

Jan Dannenberg: Den einen großen Schmerzpunkt gibt es nicht, es ist vielmehr ein Bündel an Schmerzen. Zum einen haben wir in Europa eine hohe Unterauslastung der Automobilwerke, was direkt auf die Zulieferer durchschlägt. Es werden deutlich weniger E-Fahrzeuge gebaut als von den Herstellern ursprünglich angenommen und die Zulieferer bekommen ihre Vorleistungen in neue Produktlinien nicht wie geplant zurückerstattet. Das Nichteinhalten der Abrufe und die Verschiebung von Neuanläufen macht eine sichere Planung und Vorbereitung auf neue Programme nahezu unmöglich. Hinzu kommen stark gestiegene Personalkosten in Deutschland und vor allem auch in den osteuropäischen Ländern sowie die hohen Energiepreise in Europa. Außerdem beklagen viele Zulieferer den massiv gestiegenen Finanzierungsaufwand – manche KMUs bekommen von deutschen Banken gar kein Geld mehr. Zusammengefasst sind die Schmerzen an allen Ecken und Enden für viele Zulieferer eine existenzielle Bedrohung.