Lange Zeit behandelten Europas E-Autohersteller die Batterie als simples Zuliefer-Teil. Nun wollen sie näher an die Produktion heran.
Die Batterieproduktion in Europa gewinnt an Bedeutung.
(Bild: Bosch)
Der allergrößte Teil der Batterien für Europas E-Autos kommt bislang aus Asien. Das ändert sich nun. Nicht zuletzt in Deutschland sollen in den kommenden Monaten zahlreiche neue Akku-Werke entstehen, teils von Autoherstellern, teils von Zulieferern. Die Fabriken könnten eine ganze Reihe geostrategischer und produktionspraktischer Probleme lösen.
Weltweit knapp jedes dritte E-Auto kommt heute aus einem Werk in Europa. Doch nur jede zehnte Batteriezelle wird hier gefertigt. Bei den sogenannten Aktivmaterialien – den Grundbestandteilen der Elektroden – liegt Europas Marktanteil sogar nur bei einem Prozent, wie zuletzt eine Studie der Unternehmensberatung PWC gewarnt hat. Und dabei ist das E-Auto gerade erst dabei, aus der Nische zu fahren. Die Nachfrage nach Batterien werde durch den Hochlauf der E-Mobilität in Europa bis 2030 jedes Jahr um 35 Prozent steigen, so die Unternehmensberater.
Viele Unternehmen kündigen Zellproduktion an
Die europäischen und deutschen Hersteller haben lange gezögert mit dem Aufbau einer eigenen Batterie- oder Zellfertigung. Statt viel Geld in eigene Werke zu investieren, wollte man die Stromspeicher lieber flexibel zukaufen. Eine Strategie, die spätestens mit dem langsamen, aber absehbaren Hochlauf der E-Mobilität gegen Ende des vergangenen Jahrzehnts offensichtlich an Grenzen stieß.
Batterien wurden zum knappen Gut, die Konkurrenz unter den Autoherstellern um die verfügbaren Mengen wuchs und Versorgungssicherheit wurde angesichts ehrgeiziger E-Auto-Produktionspläne zum Problem. Die Lieferkettenprobleme im Zuge von Corona und Ukraine-Krieg haben noch zusätzlich deutlich gemacht, wie verletzlich die Teileversorgung ist.
Bis 2021 kam so gut wie jede Batterie eines europäischen E-Autos aus dem asiatischen Ausland. Das ändert sich nun langsam, soll aber bald Fahrt aufnehmen. Zahlreiche Unternehmen haben bereits große Akku-Werke auf dem Kontinent angekündigt: Werden die Pläne realisiert, liegt die Jahresproduktion 2030 bei 1.300 Gigawattstunden, wie Wissenschaftler des Lehrstuhls „Production Engineering of E-Mobility components“ an der RWTH Aachen berechnet haben.
Vor allem Volkswagen will in Europa in großem Stil eine Batterie- und Zellfertigung aufziehen. Bis 2030 sollen gemeinsam mit Partnern sechs Produktionsanlagen mit einer jährlichen Kapazität von 240 Gigawattstunden in Betrieb genommen werden. Das erste neue Werk will der Automobilhersteller bis 2023 gemeinsam mit Northvolt in Schweden errichten und dort Zellen für Premiummodelle bauen. Die von Volkswagen selbst betriebene Gigafabrik in Salzgitter soll ab 2025 die Einheitszelle für das Volumensegment produzieren. Weitere Fabriken folgen.
Größter Batteriehersteller in Europa wird Deutschland, wo neben VW und Tesla auch Unternehmen wie CATL, Varta, Svolt, CALB, ACC, Blackstone Resources und Northvolt Werke planen. Wenn all die Ankündigungen umgesetzt werden, entstehen hier in den kommenden Jahren Werke mit einer Kapazität von 480 Gigawattstunden (GWh). Zum Vergleich: Die weltweite Batterieproduktion für E-Autos betrug 2021 geschätzte 290 GWh. Größter einzelner Hersteller war der chinesische Konzern CATL mit 88 GWh vor LG und Panasonic.
Nicht nur Logistik und Geostrategie sprechen für die Batterie- und Zellfertigung vor Ort. Auch viel konkretere und praktischere Überlegungen. So leiden die Autohersteller aktuell darunter, ihre Batterie-Lieferanten nicht wie fast alle anderen Zulieferbetriebe in örtlicher Nähe zu haben. Gemeinsame Entwicklungen oder kurzfristige Anpassungen lassen sich so nur schwer realisieren.
Lange mussten die Autohersteller bei den Asiaten daher von der Stange kaufen, was diese in ihrem breiten, auch von Unterhaltungselektronik geprägten Angebot hatten. „Eine Zelle für alle“, hieß dementsprechend das Motto der Batteriehersteller.
Künftig wollen die Autobauer jedoch lieber Maßanfertigungen haben. Vor allem die deutschen Premiumhersteller könnten sich beispielsweise mit Sonderformaten von der Volumenkonkurrenz abheben. Luxusautos wie der Porsche Taycan nutzen schon heute speziell zugeschnittene Batterie-Packs, die weniger auftragen als die Standard-Module und so eine besonders flache Karosserie erlauben.
Stand: 08.12.2025
Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit, dass wir verantwortungsvoll mit Ihren personenbezogenen Daten umgehen. Sofern wir personenbezogene Daten von Ihnen erheben, verarbeiten wir diese unter Beachtung der geltenden Datenschutzvorschriften. Detaillierte Informationen finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.
Einwilligung in die Verwendung von Daten zu Werbezwecken
Ich bin damit einverstanden, dass die Vogel Communications Group GmbH & Co. KG, Max-Planckstr. 7-9, 97082 Würzburg einschließlich aller mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen (im weiteren: Vogel Communications Group) meine E-Mail-Adresse für die Zusendung von redaktionellen Newslettern nutzt. Auflistungen der jeweils zugehörigen Unternehmen können hier abgerufen werden.
Der Newsletterinhalt erstreckt sich dabei auf Produkte und Dienstleistungen aller zuvor genannten Unternehmen, darunter beispielsweise Fachzeitschriften und Fachbücher, Veranstaltungen und Messen sowie veranstaltungsbezogene Produkte und Dienstleistungen, Print- und Digital-Mediaangebote und Services wie weitere (redaktionelle) Newsletter, Gewinnspiele, Lead-Kampagnen, Marktforschung im Online- und Offline-Bereich, fachspezifische Webportale und E-Learning-Angebote. Wenn auch meine persönliche Telefonnummer erhoben wurde, darf diese für die Unterbreitung von Angeboten der vorgenannten Produkte und Dienstleistungen der vorgenannten Unternehmen und Marktforschung genutzt werden.
Meine Einwilligung umfasst zudem die Verarbeitung meiner E-Mail-Adresse und Telefonnummer für den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern wie z.B. LinkedIN, Google und Meta. Hierfür darf die Vogel Communications Group die genannten Daten gehasht an Werbepartner übermitteln, die diese Daten dann nutzen, um feststellen zu können, ob ich ebenfalls Mitglied auf den besagten Werbepartnerportalen bin. Die Vogel Communications Group nutzt diese Funktion zu Zwecken des Retargeting (Upselling, Crossselling und Kundenbindung), der Generierung von sog. Lookalike Audiences zur Neukundengewinnung und als Ausschlussgrundlage für laufende Werbekampagnen. Weitere Informationen kann ich dem Abschnitt „Datenabgleich zu Marketingzwecken“ in der Datenschutzerklärung entnehmen.
Falls ich im Internet auf Portalen der Vogel Communications Group einschließlich deren mit ihr im Sinne der §§ 15 ff. AktG verbundenen Unternehmen geschützte Inhalte abrufe, muss ich mich mit weiteren Daten für den Zugang zu diesen Inhalten registrieren. Im Gegenzug für diesen gebührenlosen Zugang zu redaktionellen Inhalten dürfen meine Daten im Sinne dieser Einwilligung für die hier genannten Zwecke verwendet werden. Dies gilt nicht für den Datenabgleich zu Marketingzwecken.
Recht auf Widerruf
Mir ist bewusst, dass ich diese Einwilligung jederzeit für die Zukunft widerrufen kann. Durch meinen Widerruf wird die Rechtmäßigkeit der aufgrund meiner Einwilligung bis zum Widerruf erfolgten Verarbeitung nicht berührt. Um meinen Widerruf zu erklären, kann ich als eine Möglichkeit das unter https://contact.vogel.de abrufbare Kontaktformular nutzen. Sofern ich einzelne von mir abonnierte Newsletter nicht mehr erhalten möchte, kann ich darüber hinaus auch den am Ende eines Newsletters eingebundenen Abmeldelink anklicken. Weitere Informationen zu meinem Widerrufsrecht und dessen Ausübung sowie zu den Folgen meines Widerrufs finde ich in der Datenschutzerklärung, Abschnitt Redaktionelle Newsletter.
Europa fehlt Wissen zum Recycling
Profitieren würden wohl auch die Recyclingfähigkeiten in Europa. Bislang sind auch in dieser Hinsicht die Asiaten führend, da sie mit dem Ausschuss ihrer Zellwerke ausreichend Übungsmaterial haben, um an der Wiederverwertung zu tüfteln. Hierzulande fehlt dieses Know-how weitgehend, zumindest in industriellem Maßstab. Generell sind Grundlagenforschung und Entwicklung hierzulande zwar stark, das Übertragen in den großen Maßstab gilt aber vor allem in der Zellfertigung als sehr schwierig.
Angst vor zu hohen Produktionskosten jenseits asiatischer Niedriglohnländer müssen die Autobauer nicht haben. Rund 70 Prozent der Batteriekosten entfallen auf das Material, Personal wird im Wesentlichen nur für die Überwachung der Produktion benötigt, Löhne spielen also nur eine Nebenrolle in der Bilanz. Schwieriger dürfte es werden, die Herstellungsverfahren so zu verfeinern, dass der kostenintensive Materialausschuss möglichst gering ist.