Nachhaltige Kraftstoffe Bio-Flüssiggas für Lkw verdrängt fossiles Gas

Von Thomas Günnel 2 min Lesedauer

Flüssiges Bio-Gas hat im ersten Halbjahr 2025 fossiles LNG fast vollständig aus den Tanks von Lkws verdrängt. Das muss sich in der Bewertung der Antriebe niederschlagen, fordert der Verband Gas-und Wasserstoffwirtschaft.

Bio-LNG hat im ersten Quartal dieses Jahres 98 Prozent des gesamten LNG-Absatzes an deutschen Tankstellen ausgemacht.(Bild:  Swen Gottschall)
Bio-LNG hat im ersten Quartal dieses Jahres 98 Prozent des gesamten LNG-Absatzes an deutschen Tankstellen ausgemacht.
(Bild: Swen Gottschall)

Verflüssigtes Biogas, Bio-LNG, hat fossiles LNG im Schwerlastverkehr nahezu vollständig verdrängt: 98 Prozent des gesamten LNG-Absatzes an deutschen Tankstellen stammen im ersten Halbjahr 2025 aus erneuerbaren Quellen. Das hat der Verband Gas- und Wasserstoffwirtschaft ermittelt. Die Infrastruktur zieht demnach mit: Mit über 190 Tankstellen ist Bio-LNG inzwischen flächendeckend in Deutschland verfügbar. Trotz wachsender Infrastruktur und beachtlicher THG-Einsparungen bezeichnet der Verband die politischen Rahmenbedingungen als unzureichend.

Die Absatzentwicklung bleibe hinter den Möglichkeiten zurück. Im ersten Halbjahr dieses Jahres wurden 85.917 Tonnen LNG verkauft – im ersten Halbjahr 2024 lag der LNG-Absatz noch bei gut 90.000 Tonnen. Das heißt: Mehr als 230.000 Tonnen CO2-Äquivalente wurden durch den Einsatz von Bio-LNG im Vergleich zum Einsatz von Diesel in den ersten sechs Monaten des Jahres gespart.

„Die Speditionsbranche ist bereit, in nachhaltige Antriebe zu investieren – doch sie braucht Planungssicherheit und endlich Gleichbehandlung mit anderen klimaneutralen Antrieben“, sagt Timm Kehler, Vorstand des Verbandes Die Gas- und Wasserstoffwirtschaft. „Die Politik darf nicht länger tatenlos zusehen, wie funktionierende, klimafreundliche Lösungen mit lokaler Wertschöpfung ausgebremst werden.“

Mautregeln unterscheiden nicht zwischen Diesel und Bio-LNG

Der Branchenverband kritisiert insbesondere die aktuelle Mautregelung. Laut Kehler ist „es kaum vermittelbar, dass Bio-LNG-Lkw trotz nahezu emissionsfreiem Betrieb die gleiche Maut zahlen wie fossile Diesel-Fahrzeuge. Wer den klimafreundlichen Wandel im Schwerlastverkehr ernst meint, muss endlich faire Bedingungen schaffen.“ Eine gezielte Mautermäßigung oder -befreiung für emissionsarme Antriebe wäre laut Kehler ein effektives Instrument, um den Hochlauf zu beschleunigen. Steuerliche Erleichterungen für Biokraftstoffe wie bei batterieelektrischen Fahrzeugen fehlten bislang vollständig – für Timm Kehler ein Hauptgrund für fehlende Investitionen in der Logistikbranche.

Auf europäischer Ebene sieht der Verband dringenden Handlungsbedarf. Die Regulierung der CO2-Flottengrenzwerte setze einseitig auf batterie- und wasserstoffelektrische Antriebe. Der Beitrag erneuerbarer gasförmiger Kraftstoffen zur Emissionsminderung wird in den Vorgaben bisher nicht angemessen berücksichtigt. Laut des Verbands ist eine technologieoffene Gestaltung notwendig, um den tatsächlichen CO2-Fußabdruck in der Fahrzeugbewertung abzubilden.

Verband fordert ambitioniertere THG-Quote

Zudem fordert der Verband, die Treibhausgasminderungsquote, THG, ambitionierter weiterzuentwickeln – mit einer klaren politischen Perspektive für Biokraftstoffe. „Wir reden hier nicht von synthetischen Kraftstoffen, deren Energiebilanz immer wieder diskutiert wird – wir reden von tausenden Tonnen real existierender Produkte deutscher Landwirte und einer klaren Wertschöpfung im ländlichen Raum“, sagte Kehler laut Mitteilung. Für die deutschen Produzenten würde eine ambitioniertere THG-Quote über 2030 hinaus, gekoppelt mit einem langfristigen moderaten Förderrahmen, Investitionen sichern und den Markthochlauf unterstützen.

„Wer Bio-LNG ignoriert, lässt eine funktionierende Klimaschutzlösung für den Transportsektor einfach links liegen. Dazu kommt, das Bio-LNG fast ausnahmslos von deutschen Erzeugern im ländlichen Raum produziert wird – angesichts der ambitionierten Klimaziele und dem klaren Wunsch nach mehr Energieunabhängigkeit sollten wir diese Lösung für den Schwerlastverkehr nicht ignorieren“, fordert Kehler.

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