Alternative Kraftstoffe Preissprung an der Wasserstoff-Zapfsäule

Von Holger Holzer/SP-X 3 min Lesedauer

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Einige E-Auto-Skeptiker hoffen auf das Brennstoffzellenauto. Die Absatzzahlen sind jedoch stark rückläufig und die Kraftstoffkosten deutlich gestiegen.

Pistole einer Wasserstoff-Tanksäule.(Bild:  James Cannon/Shell)
Pistole einer Wasserstoff-Tanksäule.
(Bild: James Cannon/Shell)

Wasserstoff wird gerne als „Champagner der Energiewende“ bezeichnet. Förderer des Energieträgers wollen damit seinen herausragenden Wert für den Umbau des Energiesystems unterstreichen, Spötter betonen eher die Analogie beim Preis. Fahrer von Brennstoffzellenautos können darüber zurzeit wohl nicht so recht lachen.

Jahrelang gab es das Kilogramm Wasserstoff an den etwa 80 deutschen Tankstellen zum Einheitspreis von zehn Euro. Grob gerechnet reicht ein Kilo des Gases für circa 100 Kilometer, was die das Brennstoffzellenauto im Vergleich zu einem Benziner oder Diesel wettbewerbsfähig – in vielen Fällen sogar günstiger – gemacht hat. Zumindest, was die Kraftstoffkosten angeht.

Wasserstoff: Dynamisches Preismodell

Das ist seit Ende 2023 deutlich komplizierter geworden: Im Oktober hatte der Tankstellenbetreiber „H2 Mobility“ das statische Preismodell durch ein dynamisches ersetzt. Tankkunden zahlen nun nicht mehr an allen Zapfsäulen den Einheitspreis, sondern an jeder Tankstelle einen individuellen. Wie hoch der ist, richtet sich vor allem nach der Größe der Tankstelle, dem Druckniveau und dem regionalen Wasserstoffangebot. Zudem wird nach der CO2-Bilanz des Wasserstoffs unterschieden: Grauer Wasserstoff, vornehmlich aus Erdgas gewonnen, ist 20 bis 40 Prozent teurer als grüner Wasserstoff aus erneuerbaren Energien.

Das neue Preismodell soll Anreize für die Nutzung von umweltfreundlichem, grünem Wasserstoff schaffen. Mangels Verfügbarkeit des sauberen Gases sorgt er zunächst aber vor allem für eine Verteuerung. Einer Stichprobe auf der Online-Karte von H2 Mobility zufolge verlangen die Tankstellen im Rheinland zwischen 16 Euro und 17 Euro. Ähnlich sind die Preise in Berlin, Frankfurt am Main, Hamburg, München und Stuttgart. In Regionen mit dünnem Tankstellennetz, etwa in Hannover und Braunschweig geht der Preis auch mal Richtung 18 Euro. Den günstigsten Preis hatte eine Tankstelle in Hof (Bayern) mit gut elf Euro (100% grüner Wasserstoff). In Österreich (5 H2-Mobility-Tankstellen) werden sogar 24 Euro fällig.

E-Auto mit den niedrigsten Energiekosten

Betrachtet man die reinen Kraftstoffkosten, lohnt ein Brennstoffzellenauto für Pkw-Fahrer nicht. Während 100 Kilometer mit dem Wasserstoffmobil nur in Einzelfällen für weniger als 16 Euro machbar sind, kostet die gleiche Distanz im Diesel aktuell gut zwölf Euro und im Benziner knapp 15 Euro. Am günstigsten fährt man mit dem zuhause geladenen Elektroauto, das auf Beträge zwischen fünf und sechs Euro kommt.

Deutlich verbessern wird sich der Kostennachteil für das Brennstoffzellenauto gegenüber dem E-Auto auf absehbare Zeit eher nicht. Auch nicht, wenn grüner Wasserstoff irgendwann einmal tatsächlich in ausreichender Menge für den Individualverkehr zur Verfügung stehen sollte. Denn der Effizienznachteil gegenüber dem direkten Nutzen von elektrischer Energie für den Antrieb dürfte nur schwer aufzuholen sein. Benziner und Diesel hingegen werden das Wasserstoffauto wohl in den kommenden Monaten und Jahren bei den Kosten überholen.

Brennstoffzellen-Autos: Globaler Absatz stark rückläufig

Betroffen vom aktuellen Preissprung sind nur relativ wenige Fahrzeughalter. Seit 2022 sind gerade einmal 900 entsprechende Pkw in Deutschland zugelassen worden. Die Zahl dürfte sich mangels Angebot zunächst auch nicht groß erhöhen. Im globalen Maßstab sieht das nicht besser aus: Laut Daten der koreanischen Unternehmensberatung SNE Research kamen dieses Jahr in den ersten sechs Monaten weltweit gut 5.600 Wasserstofffahrzeuge neu auf die Straße, was einem Rückgang von 34 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht.

Sollte Wasserstoff über den Umweg Lkw-Verkehr doch noch zu einem halbwegs günstigen und gut verfügbaren Kraftstoff entwickeln, könnte das langfristig noch einmal anders aussehen. Anzeichen dafür gibt es aktuell allerdings kaum.

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