Studie Europäische Autoindustrie verliert viele Milliarden Euro durch Konkurrenz aus China

Von Andreas Wehner 2 min Lesedauer

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Chinas Autohersteller gewinnen in der Heimat Marktanteile. Gleichzeitig wagen sie den Sprung nach Europa. Beides verursacht laut einer Studie deutliche Verluste in der Wertschöpfung der europäischen Autoindustrie.

Chinesische Marken wie BYD legen nicht nur in der Heimat zu, sondern wollen auch in Europa Marktanteile gewinnen.(Bild:  BYD)
Chinesische Marken wie BYD legen nicht nur in der Heimat zu, sondern wollen auch in Europa Marktanteile gewinnen.
(Bild: BYD)

Die chinesischen Autohersteller laufen den westlichen Herstellern auf dem Heimatmarkt den Rang ab. Das wurde spätestens mit der jüngsten Automesse in Schanghai klar. Vor allem die deutsche Hersteller haben in den vergangenen Jahren deutlich Marktanteile im weltweit größten Automobilmarkt verloren.

Das liegt vor allem an der Stärke der Chinesen bei der Elektromobilität. Und eben mit Elektroautos schicken sich die Chinesen nun an, sich auf den europäischen Märkten ihre Stücke vom Kuchen zu holen. Eine Studie des Kreditversicherers Allianz Trade hat untersucht, was das für die europäische Autoindustrie bedeutet.

Verlust von sieben Milliarden Euro Nettogewinn möglich

Um mögliche finanzielle Auswirkungen für die europäischen Autobauer abzuschätzen, hat Allianz Trade analysiert, was passieren könnte, wenn chinesische Marken bis 2030 rund 75 Prozent des heimischen Marktes eroberten. Das sei ein realistisches Szenario, so die Experten.

„Die europäischen Automobilhersteller könnten bis 2030 mehr als sieben Milliarden Euro an jährlichen Nettogewinnen verlieren, allein durch den Verlust an Marktanteilen“, sagt Aurélien Duthoit, Branchenexperte bei Allianz Trade. „Die deutschen Autobauer wären aufgrund ihrer Marktposition davon besonders betroffen.“ In diesem Szenario würde der Gesamtabsatz der europäischen Automobilhersteller in China um 39 Prozent sinken, heißt es in der Analyse. Die lokale Produktion würde von derzeit schätzungsweise 4,4 Millionen Fahrzeugen auf 2,7 Millionen im Jahr 2030 zurückgehen.

In Europa könnte die Wertschöpfung um 24 Milliarden Euro sinken

„Hinzu kämen die Verluste, die sich aus zunehmenden Importen von Autos chinesischer Herkunft sowie einer stärkeren Marktdurchdringung dieser Fahrzeuge ergeben“, so Duthoit. Wenn die europäischen Importe von in China hergestellten Autos im Jahr 2030 1,5 Millionen Einheiten erreichen – das entspricht einem geschätzten Marktanteil von zehn Prozent – würde die Wertschöpfung der europäischen Automobilindustrie im Jahr 2030 um gut 24 Milliarden Euro niedriger liegen als jetzt.

Der europäische Automobilmarkt sei insgesamt wesentlich anfälliger für den Wettbewerbsdruck durch die chinesischen Konkurrenten als beispielsweise der Automobilmarkt in den USA. Grund hierfür sei, dass der europäische Markt für batterieelektrische Fahrzeuge im Vergleich viel offener ist – sowohl im Vergleich zu den USA als auch im Vergleich zu China. Dort seien die nationale oder regionale Montage eine Voraussetzung für den Erhalt von Kaufsubventionen, heißt es in der Analyse. Zudem seien die Einfuhrzölle auf ausländische Fahrzeuge wesentlich höher.

Allianz: „Europa sollte Wettbewerbsbedingungen ändern“

„Eine Anpassung der Wettbewerbsbedingungen an sowohl China als auch die USA wäre ein wichtiger Weg, um die Auswirkungen auf die Automobilbranche und damit auch die Wirtschaft abzumildern“, sagt Duthoit. „Aber auch die Stärkung der lokalen Produktion durch chinesische Hersteller könnte zu positiven Effekten führen. Wir haben das in der Vergangenheit umgekehrt in China gesehen: Wenn man sie nicht schlagen kann, ist es vielleicht eine Option, sich zusammenzutun.“

Darüber hinaus könnten Investitionen in neue Batterietechniken, eine Reduzierung bei der Abhängigkeit von Rohstoffen und importierten Komponenten für elektrische Antriebe sowie der Ausbau der Ladeinfrastruktur mögliche Stellschrauben sein, um die Negativeffekte zu kompensieren.

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