Der größte Chipauftragsfertiger will seine Ausgaben für Produktionsanlagen drastisch kürzen. Das könnte auf einen Abschwung des Chipmarktes deuten. Gleichzeitig gibt es Informationen über eine mögliche TSMC-Fab in Deutschland.
Kaum oben, schon geht es wieder runter: Der Halbleitermarkt ist seit jeher extrem volatil. Ein Grund: Während der Aufbau der Chipproduktionskapazitäten lange dauert, ändert sich die Nachfrage nach manchen Chips oft sprunghaft.
Über das vergangene Jahr haben Chiphersteller so viel in Fertigungsanlagen investiert wie kaum zuvor – und vollmundig weitere astronomische Investitionen und Bauvorhaben angekündigt. In der Hoffnung, dass die enorme Chipnachfrage anhält oder sogar noch zunimmt. Doch nun mehren sich die Anzeichen, dass der Weltmarkt den Halbleiterherstellern in die Parade fährt – das Pendel schwingt zurück: Auf seiner Bilanzkonferenz vergangene Woche teilte der weltweit größte Auftragsfertiger Taiwan Semiconductor Manufacturing Co (TSMC) mit, dass er für das kommende Jahr „nur noch“ rund 36 statt zuvor geplant 40 Milliarden US-Dollar für Investitionsgüter ausgeben werde. Das gilt als Indikator dafür, dass das Unternehmen seine Wachstumserwartungen für integrierte Schaltkreise zum Beispiel für Smartphones, Server oder auch Elektrofahrzeuge in den kommenden Monaten gesenkt hat.
US-Restriktionen für Chinahandel sorgen für Ungewissheit
Neben der global schwächelnden Wirtschaften kämpft TSMC wie viele andere Halbleiterunternehmen mit den weitreichenden, zuletzt noch einmal verschärften Handelsrestriktionen, die die US-Administration Unternehmen auferlegt hat, die Geschäfte mit China machen: So hat etwa Applied Materials, neben ASML der wichtigste Hersteller von Anlagen für die Chipherstellung, seine Prognose für das vierte Quartal 2022 gesenkt.
Die Restriktionen erschweren es den Chipherstellern, in China flexibel zu agieren. Und sie treffen TSMC wohl härter als frühere US-Maßnahmen, ist Analyst Sherman Shang von Fubon Research überzeugt. Laut Mitteilung geht er davon aus, dass 5 bis 8 Prozent des TSMC-Umsatzes von den US-Restriktionen beeinträchtigt werden könnten. Bloomberg Intelligence schätzt, dass TSMC aufgrund der Beschränkungen mehr als 10 Prozent seines Jahresumsatzes verlieren könnte.
C.C. Wei, TSMCs Chief Executive Officer, will sich an den derlei Spekulationen nicht beteiligen: Bei einer Telefonkonferenz mit Analysten teilte er mit, dass es zu früh sei, für etwaige Beeinträchtigungen „eine konkrete Zahl zu nennen.“ Er geht allerdings davon aus, dass sich „die Bestandskorrektur wahrscheinlich irgendwann in der ersten Hälfte des Jahres 2023 am stärksten auswirken“ wird. Die Auswirkungen der US-Beschränkungen werden jedoch überschaubar sein, sagte er. Dem pflichtet Shum bei: „TSMCs Prognose eines Umsatzwachstums von mindestens 43 Prozent im Vergleich zum Vorjahr und einer Bruttomarge von 60 Prozent liegt über den Konsensschätzungen – und deutet auf sehr geringe unmittelbare Auswirkungen der neuen US-Restriktionen hin.“
Während der Bilanzkonferenz bekräftigte die TSMC-Unternehmensleitung erneut ihre langfristigen Umsatzziele: So soll das Jahr 2023 allen Widrigkeiten zum Trotz zum Wachstumsjahr werden. Bei ausreichend hoher Chipnachfrage fasst man demnach eine weltweite Expansion ins Auge. Dazu passt die erneut entflammte Diskussion in der Branche um eine mögliche TSMC-Fabrik in Deutschland. Spekulationen darüber gibt es bereits seit einigen Jahren. 2021 gab es tatsächlich erste Sondierungsgespräche zwischen dem Konzern und der Bundesregierung.
Nun gibt es neue Hinweise, dass der taiwanesische Chipriese sich in Europa engagieren könnte – möglicherweise in Dresden. So hatte das Finanzmagazin „Capital“ vergangene Woche berichtet, TSMC würde Pläne für eine eigene Chipfabrik im Großraum Dresden vorantreiben. In der Region sind bereits andere Chiphersteller ansässig, etwa Bosch und Infineon. Darüber hinaus plant Intel den Aufbau eines großen Chipzentrums in Magdeburg.
Mehr Chips aus Europa
Gedrängt von europäischen Automobilkonzernen, die in den vergangenen zwei Jahren massiv unter dem grassierenden Chipmangel zu leiden hatten, denkt TSMC laut taiwanesischen Medien über den Aufbau einer modernen Fertigung für 300-mm-Wafer in Deutschland nach. Sowohl TSMC als auch das Bundeswirtschaftsministerium halten sich diesbezüglich bedeckt. Klar ist: TSMC wird nur in Europa investieren, wenn üppige Zuschüsse fließen – genau wie bei Intel.
Die Bundesregierung ist offenbar bereit, die Ansiedlung von Halbleiterproduzenten im Land zu unterstützen. Auf europäischer Ebene gibt es seit diesem Jahr das „europäische Chipgesetz“ (EU CHIPS Act) für eben diesen Zweck. Gegenüber Capital sagte eine Ministeriumssprecherin: „Es ist das Ziel, die Forschungs- und Produktionskapazitäten in Deutschland und der EU zu erhöhen und die Industrie durch gute Rahmenbedingungen dabei zu unterstützen, ihre Lieferketten stärker zu diversifizieren.“ Nach Informationen von Capital soll eine TSMC-Delegation noch im Oktober nach Sachsen reisen, um die Möglichkeiten in Deutschland auszuloten.
Stand: 08.12.2025
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Eine Ansiedlung von TSMC – ob in Deutschland oder einem anderen europäischen Land – würde der Strategie der EU-Kommission in die Hände spielen, wieder deutlich mehr Halbleiter in der EU zu fertigen. Als Ziel wurde ursprünglich ein Weltmarktanteil von 20 Prozent ausgerufen. Das würde bedeuten, dass die Produktionskapazität in Europa um ein Vielfaches schneller zunehmen müsste als im Rest der Welt – was gelinde gesagt unrealistisch ist. Mittlerweile soll dieses Ziel zumindest noch für Hochtechnologieknoten unter 7 nm gelten. (me)