Gefahren Citroën C3 – günstig statt billig

Von sp-x 4 min Lesedauer

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E-Autos können auch günstig sein, ohne dem Käufer zu viele Kompromisse abzuverlangen. Das beweist Citroën mit seinem neuen Kleinwagen.

Mit dem wahlweise elektrisch oder konventionell angetriebenen Kleinwagen bringt Citroen Ende Juli gleich einen doppelten Preisbrecher auf die Straße.(Bild:  Adrien Cortesi)
Mit dem wahlweise elektrisch oder konventionell angetriebenen Kleinwagen bringt Citroen Ende Juli gleich einen doppelten Preisbrecher auf die Straße.
(Bild: Adrien Cortesi)

Citroën schärft sein Profil als Budget-Marke im Stellantis-Konzern: Mit dem wahlweise elektrisch oder konventionell angetriebenen Kleinwagen C3 bringen die Franzosen Ende Juli gleich einen doppelten Preisbrecher auf die Straße. Der Basispreis liegt bei 15.000 Euro. Und auch das E-Modell bleibt mit 23.300 Euro unterhalb fast aller Wettbewerber.

Die Einstiegsvarianten sind dabei keine Lockangebote, sondern funktional bereits durchaus ordentlich ausgestattet, müssen aber ohne Touchscreen-Infotainment auskommen. Stattdessen gibt es eine Halterung und eine Konnektivitäts-App für das Handy.

Wer etwas Schick in Form von Zweifarblackierung, Leichtmetallfelgen oder Lederlenkrad will, muss allerdings zur mehr als 4.000 Euro teureren „Max“-Variante greifen. Kaufbare Extras gibt es in beiden Fällen kaum, denn die geringe Komplexität der Preisliste (und damit auch der Produktion) ist einer der Gründe für das niedrige Preisniveau des optisch mit Crossover-Elementen aufgewerteten Kleinwagens.

Ein anderer ist eine gewisse Sparsamkeit bei der Technik. Das Elektromodell nutzt einen Akku mit der vergleichsweise günstigen Lithium-Eisenphosphat-(LFP)-Zellchemie und begnügt sich serienmäßig mit einem einphasigen Bordlader, der in Deutschland nur 4,6 kW aus dem Netz zieht. Bis der 44 kW große Akku geladen ist, dauert es im Zweifel die ganze Nacht.

Drei Phasen kosten extra

Wem das zu langsam ist, zahlt 400 Euro extra für das dreiphasige Modell mit elf kW. Noch deutlich flotter geht es mit bis zu 100 kW am Schnelllader, der gut eine halbe Stunde für den Energietransfer braucht. Das reicht dann nach Norm für bis zu 326 Kilometer Fahrt, für den Stadtverkehr verspricht der Hersteller mehr als 450 Kilometer.

Nicht gespart hat Citroën bei Ambiente und Fahrkomfort. Das Cockpit wirkt eher modern und praktisch als puristisch, die Bedienung ist mit ausreichend physischer Knöpfe und Schalter jedoch simpel und eingängig. Die Sitze sind zumindest im „Max“-Modell besser als in dieser Fahrzeug- und Preisklasse üblich.

Ungewöhnlich ist das serienmäßige Head-up-Display, das seine Infos auf eine „Leinwand“ unterhalb einer kleinen Hutze auf dem hinteren Ende des Armaturenbretts spielt. Das Ganze wirkt eher wie ein klassischer Bildschirm, ist aber dank der geringen Bautiefe viel weiter entfernt vom Volant und liegt daher besser im Blickfeld des Fahrers.

Gemacht für die Stadt

Das Platzangebot geht dank des recht großen Radstands auch im Fond in Ordnung, vor allem die Kniefreiheit passt, wenn man erst einmal die engen Türausschnitte passiert hat. Zu dritt mag man sich angesichts der geringen Fahrzeugbreite aber nur im Notfall auf die Bank quetschen. Für Gepäck stehen 310 Liter zur Verfügung, was wohl für die meisten stadtnahen Anwendungsfälle reichen dürfte. Allerdings müssen die Einkäufe über eine erhebliche Ladekante gewuchtet werden. Die Rücksitzlehnen lassen sich klappen (geteilt nur in „Max“), eine ebene Fläche ergibt sich dabei aber nicht.

Auf der Straße wirkt der kleinste Citroën erwachsener als er aussieht. Das Fahrwerk ist in beiden Antriebsvarianten komfortabel abgestimmt, ohne schwammig zu sein. Citroën nutzt dabei die aus höheren Ausstattungsvarianten bekannte Technik mit hydraulischen Stoßdämpferanschlägen. Und auch Pedalerie und Getriebewählhebel wirken verbindlich, was für die etwas gefühlsarme Lenkung nur eingeschränkt gilt. Der entspannte Gesamtcharakter ist aber stimmig, wobei die Elektrovariante (83 kW) dank des leisen und vibrationsarmen Antriebs noch etwas harmonischer wirkt. Vielleicht auch deshalb, weil die für den C3 genutzte „Smart-Car“-Plattform in erster Linie für frontgetriebene E-Mobile entwickelt wurde und der alternativ nutzbare Verbrenner ursprünglich vor allem für Schwellenländer gedacht war.

Der 74 kW/101 PS starke Dreizylinder macht aber auch hierzulande einen ordentlichen Job, bietet mehr Durchzug als der E-Motor, was in Kombination mit dem niedrigeren Gewicht für subjektiv und objektiv bessere Fahrleistungen sorgt. Eine Automatik ist nicht zu haben, immerhin aber gibt es sechs statt fünf manuelle Gänge.

Keine Elektro-Revolution

In Sachen Preis-Leistung zählt der C3 zur Spitzengruppe auf dem deutschen Neuwagenmarkt. Vor allem die Elektrovariante, die sich zwar nicht für den Titel des günstigsten E-Autos qualifiziert, aber Konkurrenten wie den Dacia Spring (ab 17.000 Euro) bei Alltagstauglichkeit, Platzangebot, Komfort und Ambiente klar hinter sich lässt. Eine Revolution auf dem Stromer-Markt ist der kleine Franzose aber trotzdem nicht – dafür sind Reichweite und Ladeleistung dann doch zu bescheiden. Als Zweitwagen, Stadtauto oder vorwiegend auf Kurzstrecken genutzt, können beide Antriebsvarianten überzeugen.

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Citroën will das Angebot in den kommenden Monaten ausbauen: Im Herbst startet eine mit Automatikgetriebe kombinierte Mildhybridausführung des Benziners, die ebenfalls unterhalb der 20.000-Euro-Schwelle bleiben soll, nächstes Jahr folgt dann eine weitere E-Variante mit kleinerer Batterie. Auch dort soll das Preisschild mit einer „1“ starten.

Die Smart-Car-Plattform ist damit noch nicht ausgereizt: Citroën baut auf ihr noch den größeren Crossover C3 Aircross, Opel den ähnlich positionierten Frontera und Fiat wohl den Nachfolger des Panda. Bei der europäischen Konkurrenz lassen ähnlich günstig eingepreiste Modelle weiterhin auf sich warten.

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