Continental Conti will auch Reifenwerk in Schweden schließen
Die Continental AG will nach ihrem Werk in Österreich auch die Reifenproduktion im schwedischen Gislaved schließen.
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Der Reifenhersteller Continental ill nach seinem Werk in Österreich auch die Reifenproduktion im schwedischen Gislaved schließen. Der Vorstand bestätigte am Montag nach einer Sitzung des Conti-Aufsichtsrates die seit längerem andauernden Spekulationen um das Ende für das kleinste Reifenwerk im Conti-Konzern. Es würden umgehend Verhandlungen mit den schwedischen Gewerkschaften aufgenommen werden. Betroffen seien bis zu 774 Beschäftigte.
Als möglicher Zeitpunkt für die Schließung wird Juli 2002 genannt. Lediglich rund 40 Mitarbeiter könnten möglicherweise für das Reifenlager und die Ausrüstung von Winterreifen mit den in Schweden noch zulässigen Spikes in Gislaved weiter beschäftigt werden. Als Grund nannte Continental Überkapazitäten in der Pkw-Reifenproduktion.
Der Chef des weltweit viertgrößten Reifenproduzenten und Autozulieferers, Manfred Wennemer, hatte bereits vorige Woche angekündigt, dass neben dem Werk im österreichischen Traiskirchen ein zweiter Standort in Europa aufgegeben werden müsse. Offiziell spricht Continental zunächst von einer "Überprüfung" des Standortes in Schweden. Allerdings gingen Aufsichtsratsmitglieder am Montag nach der Sitzung davon aus, dass das Ziel der Schließung ohne Alternative sei. Möglicherweise müssten auch in Nordamerika noch Konsequenzen aus der schlechten Konjunktur gezogen werden. Dort stand bislang in Konzernkreisen eines der beiden mexikanischen Werke zur Diskussion.
Das Werk in Gislaved verfügt den Angaben zufolge über eine Jahreskapazität von vier Millionen Pkw-Reifen. Unabhängig von der aktuellen Überkapazität bei Conti von rund fünf Millionen Pkw-Reifen sei der Standort in Schweden auch wegen seiner geringen Größe langfristig problematisch, hieß es weiter. Der Konzern strebe für sämtliche Produktionsstandorte aus Gründen der Rentabilität eine durchschnittliche Jahresmenge von acht Millionen Reifen an. Wennemer hatte vorige Woche zudem erklärt, angesichts der Überkapazitäten habe die Auslastung der preisgünstigeren osteuropäischen Werke Vorrang.
Auf Grund der Belastungen aus den Schließungen wird Conti nach seinen Worten in diesem Jahr erstmals seit zehn Jahren in die roten Zahlen rutschen. Nach den Rückstellungen für die in Traiskirchen betroffenen 950 Mitarbeiter, die Wennemer mit 70 Millionen Euro beziffert hatte, kommen für Gislaved nach Schätzungen im Aufsichtsrat weitere bis zu 50 Millionen Euro hinzu. Diese sollten nach den Vorstellungen des Vorstandes noch in diesem Jahr in die ohnehin bereits belastete Conti-Bilanz einfließen, hieß es nach der Sitzung.
Zusammen mit den Kosten für die bereits in der ersten Jahreshälfte beschlossenen Maßnahmen wie die Schließung der Reifenproduktion im belgischen Herstal und im hessischen Bad Nauheim, summieren sich die Belastungen damit auf bis zu 220 Millionen Euro. Für 2002 hatte Wennemer bereits wieder schwarze Zahlen auf dem Niveau des Jahres 2000 angekündigt.