Effiziente Produktion So nutzt Audi Künstliche Intelligenz in der Fertigung

Von Thomas Günnel 3 min Lesedauer

Mit Künstlicher Intelligenz will Audi effizienter fertigen. Dafür nutzt der Autohersteller eine eigene Cloud-Plattform – und Tools aus anderen Branchen.

Mit der KI-gestützten Trocknersteuerung testet Audi in der Lackiererei am Standort Neckarsulm die erste Anwendung aus einer IPAI-Kooperation im Serienbetrieb.(Bild:  Audi)
Mit der KI-gestützten Trocknersteuerung testet Audi in der Lackiererei am Standort Neckarsulm die erste Anwendung aus einer IPAI-Kooperation im Serienbetrieb.
(Bild: Audi)

Audi nimmt „Edge Cloud 4 Production“, EC4P, in der Großserie in Betrieb. Die Anwendung verbindet klassische Automatisierungstechnik mit der Flexibilität und Rechenleistung der Cloud. Das heißt: einfachere Abläufe, weniger notwendige Hardware vor Ort, neue Funktionen lassen sich schneller einführen.

Ein Beispiel. In den Fahrzeugmontagen der deutschen Werke steuert der Automobilhersteller laut einer Mitteilung die Werkerführung zunehmend zentral aus der Cloud. Die Menschen an der Fertigungslinie erhalten Informationen zu den Autos, zum Beispiel Hinweise zu Individualisierungen oder Länderspezifikationen. Mit dem Umzug des Systems in die Cloud hat Audi nach eigenen Angaben bereits mehr als 1.000 Industrie-PCs gespart.

Virtuelle SPS statt Hardware

Im Neckarsulmer Karosseriebau der Baureihen A5 und A6 setzt Audi die EC4P erstmals im Umfeld hochautomatisierter Fertigungsanlagen in der Großserie ein. Virtuelle speicherprogrammierbare Steuerungen, vSPS, ersetzen dabei lokale Hardware-Steuerungen an den Fertigungslinien. Industriegeräte, darunter rund 100 Roboter, sind mittels EC4P vernetzt und arbeiten auf die Millisekunde genau zusammen.

Netzwerk-Event zum Thema

Roboter Apollo bei Mercedes-Benz in Berlin-Marienfelde.
(Bild: Mercedes-Benz)

Wie entwickelt Mercedes-Benz Software und Prozesse für die Produktion? Und wie entsteht der neue Axialflussmotor? Wir schauen uns beides an: In einer individuellen Werksführung im Digital Factory Campus in Berlin-Marienfelde. Wann? Am 10. und 11. Juni beim Smart Factory Day.

Wir diskutieren außerdem darüber, welche neuen Aufgaben Beschäftigte benötigen, um mit humanoiden Robotern und Künstlicher Intelligenz zu arbeiten. Zusätzlich: Automatisierte Kabelsatzproduktion und -montage, digitale Zwillinge, Automation in der Produktion von Batterien und E-Motoren, eine Startup-Session, eine Ausstellung mit Produkten zum Anfassen; Neues zu Datenanalyse und maschinellem Lernen und Künstlicher Intelligenz. 

Smart Factory Day – das Event mit Expertenwissen aus der Automobilindustrie für die Automobilindustrie.
 

Die sogenannte „Weld Splatter Detection“, WSD, also das Erkennen von Schweißspritzern, will Audi perspektivisch in das System einbinden. Am Standort Neckarsulm erkennt die WSD schon heute Schweißspritzer am Unterboden einer Karosserie und markiert sie mittels Licht. In einer weiteren Ausbaustufe übernimmt neuerdings ein Roboterarm das Schleifen – die körperlich anstrengende Aufgabe entfällt so für die Menschen an der Linie. Die konzernweit erste KI-gestützte Schweißspritzerkennung nutzt Audi in Kürze an sechs Anlagen in Ingolstadt in Serie.

KI überwacht Fertigungsprozesse

„ProcessGuardAIn“ pilotiert Audi in Neckarsulm die Anomalieerkennung an der Kathodischen Tauchlackierung.(Bild:  Audi)
„ProcessGuardAIn“ pilotiert Audi in Neckarsulm die Anomalieerkennung an der Kathodischen Tauchlackierung.
(Bild: Audi)

Mit „ProcessGuardAIn“ überwacht eine Künstliche Intelligenz Fertigungsprozesse. Die Anwendung bündelt dafür laut Audi Expertenwissen, Anlagen- und Prozessdaten in einem standardisierten, konzernweit skalierbaren Baukasten. Basierend auf Maschinen- und Sensordaten überwacht das Tool bereits heute Produktionsschritte in Echtzeit, erkennt Anomalien und informiert darüber.

In der Lackiererei Neckarsulm pilotiert Audi die Anwendung in zwei Prozessen: in der Dosierungsoptimierung in der Vorbehandlung und in der Anomalieerkennung in der kathodischen Tauchlackierung. In Serie gehen soll die Anwendung im zweiten Quartal 2026. In den nächsten Entwicklungsstufen soll die Software datenbasiert Handlungsempfehlungen geben und die Beschäftigten per App Schritt für Schritt begleiten.

Erste IPAI-Kooperation

Mit der KI-gestützten Trocknersteuerung testet Audi am Standort Neckarsulm die erste Anwendung aus einer IPAI-Kooperation im Serienbetrieb. IPAI, der „Innovationspark Künstliche Intelligenz“ ist ein Forschungs- und Entwicklungscampus. Beteiligt daran sind Akteure aus Forschung, Industrie, Politik und Gesellschaft. Industriepartner sind unter anderem Aleph Alpha, die Telekom Deutschland, Porsche, Mercedes-Benz und die Würth-Gruppe.

zwei Beschäftigte an einem Industrie-PC vor einer Scheibe, hinter der Scheibe wird eine Rohkarosse in den Trockner befördert
Bis zum Sommer 2026 testet Audi, wie viel Energie die KI-gestützte Trocknersteuerung in der Lackiererei in Neckarsulm spart.
(Bild: Audi)

Das zugrundeliegende KI-Modell im Trockner stammt aus einer anderen Branche. Im Test steuert eine KI die Regler, die die Temperatur und Luftmenge im Längstrockner steuern. Das Ziel ist es, schneller auf kleinste Änderungen in der Fahrweise zu reagieren – um für das Trocknen möglichst wenige Ressourcen zu benötigen. Bis zum Sommer 2026 will Audi das Energiesparpotenzial der Anwendung testen. Die KI-gestützte Trocknersteuerung hat Audi gemeinsam entwickelt mit der „appliedAI Initiative“ und der CVET GmbH.

Ideen aus dem Production Lab

Im Unternehmen betreibt Audi das Production Lab und die P-Data Factory. Hier entwickeln 60 Menschen neue Technologien – von der ersten Idee bis zur Anwendung in der Großserie. Zusätzlich ist der Autohersteller seit dem Jahr 2023 Partner im IPAI in Heilbronn.

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