Die Lage der Autozulieferer bleibt angespannt. Sie beklagen unstete Abrufe sowie massive Preissteigerungen bei Rohmaterialien, Frachten und Energie. Auch Conti schreibt tief rote Zahlen und hofft nun auf eine Kostenbeteiligung.
Conti-Finanzchefin Katja Dürrfeld berichtete von „guten Kundengesprächen“ mit Blick auf notwendige Preisanpassungen.
(Bild: Continental/Marcus Prell)
Continental musste am Dienstag (9.08.) einen Quartalsverlust in Höhe von 251 Millionen Euro präsentieren. Zwar trugen auch Buchhaltungseffekte zu den roten Zahlen bei. Aber das eigentliche Geschäft in der Autosparte läuft nicht rund, die profitable Reifensparte kann das nicht im Alleingang auffangen. Und Conti steht nicht allein da, auch bei anderen Zulieferern wie etwa Schaeffler schmelzen die Gewinne.
Autoproduktion müsste anziehen
Die Niedersachsen setzen auf Besserung. Dazu muss die Produktion von Pkw und Nutzfahrzeugen aber wieder auf Touren kommen. Und die Autobauer müssen wohl auch bereit sein, mehr zu bezahlen.
In der Autobranche ist das Bild tief gespalten. Volkswagen samt den Töchtern Audi und Porsche profitiert vom starken Preisauftrieb bei Neu- und Gebrauchtwagen. Ebenso Mercedes-Benz und BMW, die zwar im zweiten Quartal allesamt deutlich weniger Fahrzeuge verkauften, aber dennoch blendend verdienten. Von hohen Autopreisen haben die Zulieferer kaum etwas, denn Preisanpassungen in den Lieferverträgen kommen entweder spät oder reichen nicht aus, während die Beschaffungskosten in die Höhe schnellen.
Immense Mehrkosten
Die Frachtkosten für einen Standardüberseecontainer hätten sich in der Spitze teilweise verachtfacht, heißt es bei Conti. Auch wenn bei einigen Rohstoffen die Preise wieder etwas sinken, rechnet das Management um Vorstandschef Nikolai Setzer im laufenden Jahr weiter mit einer Mehrkostenbelastung im Einkauf und der Logistik gegenüber dem Vorjahr von rund 3,5 Milliarden Euro.
Angesichts der hohen Gewinne der Autobauer entstehen so Begehrlichkeiten. Michael Frick, Interimschef des Stuttgarter Kolbenspezialisten Mahle, beschwor im Frühjahr „eine faire Lastenverteilung“ zwischen Herstellern und Zulieferern. In den vergangenen zwei Jahren seien die Belastungen der Pandemie großteils an seinem Unternehmen hängen geblieben, monierte er.
Aufhorchen ließ vorige Woche, dass der weltgrößte Autobauer Toyota trotz einigermaßen rund laufender Geschäfte bei vorsichtigen Aussichten für das Gesamtjahr blieb – und das ausdrücklich damit begründete, dass er seinen Zulieferern in der aktuellen Situation unter die Arme greifen wolle. Das Verhältnis zwischen Autobauern und Zulieferern in Japan ist traditionell enger, auch weil die Konzerne oft gegenseitig miteinander verflochten sind.
Von deutschen Autobauern hört man solche Töne kaum. Mercedes-Benz-Finanzchef Harald Wilhelm ließ im Frühjahr durchblicken, dass Mercedes zwar an stabilen Lieferketten gelegen sei – am Ende aber jedes Unternehmen für sich selbst verantwortlich ist.
Conti hatte von gewissen Erfolgen bei Gesprächen mit Herstellern berichtet – was genau dabei herauskommt, wird aber nicht öffentlich. Conti-Finanzchefin Katja Dürrfeld legt Wert darauf, dass es hinter den Kulissen nicht konfrontativ zugeht. „Wir sind auf einem guten Weg, das partnerschaftlich zu meistern“, sagt sie im Gespräch mit der Finanz-Nachrichtenagentur DPA-AFX. Als Zulieferer freue man sich auch, wenn die Kunden hohe Margen hätten.
Reifenpreise erhöht
Doch Conti muss und will die Preise für die Kunden erhöhen. Das gelingt vor allem im Reifengeschäft. Dort legten die Umsätze im zweiten Quartal trotz geringerer Mengen um 11 Prozent zu – ohne Preiserhöhungen wäre es nur ein Plus von einem Prozent gewesen.
Auch im Autozulieferergeschäft gelang es, in Verhandlungen mit den Kunden höhere Preise durchzusetzen, wie Dürrfeld sagt. Ohne die Preisaufschläge hätte die Marge im Zuliefergeschäft noch tiefer im roten Bereich gelegen als ohnehin schon. Um am Ende des Gesamtjahres eine nur leicht negative oder sogar etwas im grünen Bereich liegende Umsatzrendite der Sparte zu präsentieren – wie den Aktionären in Aussicht gestellt –, ist noch viel Arbeit nötig.
Fraglicher Aufschwung
Maßnahmen zur Verbesserung des Ergebnisses griffen, heißt es von der Managerin. Der lang angelegte Großumbau, bei dem viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen und der für deutliche Kostenentlastung sorgen soll, läuft weiter. Ob es in näherer Zukunft wieder für einen Aufschwung reicht, wird sich angesichts der drohenden Energiekrise noch zeigen müssen. Gas macht bei Conti einen bedeutenden Anteil der Energieversorgung in Deutschland aus.
Nicht zuletzt stehen am Ende der Kette Privatkunden und Firmen, denen angesichts hoher Inflation und steigender Zinsen womöglich bald die Kauflaune vergeht. BMW wurde zuletzt schon vorsichtiger – das Umfeld werde die derzeit noch so hohe Nachfrage dämpfen. Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer rechnet in einer Studie jedenfalls auch dieses Jahr mit einem Rückgang des weltweiten Automarkts um gut drei Prozent auf 69 Millionen Einheiten. Gerade im wieder anziehenden Wachstumsmarkt China verlören die deutschen Hersteller zudem Marktanteile – daher sei Vorsicht geboten.
Stand: 08.12.2025
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