Anfang Mai verließ Cosimo De Carlo die EDAG Group. Sein Nachfolger als CEO, Harald Keller, kommt aus dem Unternehmen. Er analysiert die starke Umsatzentwicklung des Dienstleisters, nennt die wichtigsten Projekte 2024 und erklärt die Bedeutung des CityBots.
Im Rahmen des Förderprojekts „Campus FreeCity“ untersucht EDAG gemeinsam mit einem Konsortium aus Wissenschaft und Wirtschaft, wie Städte durch hochautomatisierte Roboterfahrzeuge entlastet werden können.
(Bild: EDAG)
Herr Keller, EDAG hat im Jahr 2023 einen neuerlichen Rekordumsatz erzielt. Worauf ist diese positive Entwicklung zurückzuführen?
Harald Keller: Treiber der positiven Entwicklung unseres Geschäfts sind vor allem unser breit aufgestelltes Portfolio sowie unsere zunehmend internationalen Aktivitäten. Alle drei Segmente haben zum Wachstum beigetragen: Electrics & Electronics mit einem Plus von 14,9 Prozent, gefolgt von Production Solutions mit 3,7 Prozent und Vehicle Engineering mit 1,9 Prozent.
Das von Ihnen verantwortete Segment Vehicle Engineering wuchs 2023 trotz eines schwierigen Umfelds um 1,9 Prozent. Mit welchen Marktentwicklungen hatten Sie besonders zu kämpfen?
Wir sind uns bewusst, dass sich viele unserer Kunden aktuell in einem Spannungsfeld von steigendem Investitionsbedarf in Zukunftsthemen bei gleichzeitig notwendigen Einsparanstrengungen befinden. Hinzu kommen vielzählige Herausforderungen, die sich aus der Transformation der gesamten Branche ergeben. Mit unserer hohen Qualität sowie Expertise im Bereich Prozess- und Projektmanagement stehen wir unseren Kunden bei der Realisierung ihrer Projekte zur Seite.
Stark nachgefragt sind weiterhin Dienstleistungen rund um die Themen Software & Digitalisierung. Mit welchen Angeboten und Know-how kann EDAG hier punkten?
Wir sind in diesem Bereich marktkonform gewachsen und stark aufgestellt. Der Fokus lag 2023 mit unserem Portfolio „Mobility & Connected Services“ auf der Embedded Software und im Bereich Tool-Development. Hinzu kommen Angebote aus den Bereichen Simultaneous Engineering, Automated Engineering, Smart Factory sowie Smart City. Im Bereich Smart City konnten wir unter anderem mit unserem Ökosystem EDAG CityBot überzeugen. Als Engineering-Dienstleister mit großem Know-how im Prozess- und Projektmanagement gelingt es uns, Automotive-Expertise zu bündeln, mit ausgeprägten Software Skills zu verbinden und so den entscheidenden Mehrwert für unsere Kunden zu liefern.
Auch das Segment Production Solutions konnte 2023 um knapp vier Prozent zulegen. Welche Leistungen wurden hier besonders nachgefragt, und aus welchen Branchen kommt das Wachstum?
Der Trend geht hin zu immer komplexer werdenden Projekten im Umfeld von smarten Fabriken und Produktionsanlagen. Wir kennen die Herausforderungen und gesetzlichen Rahmenbedingungen, um unsere Kunden beim Neuaufbau oder der Optimierung in diesen Bereichen zu unterstützen.
Seit der Corona-Pandemie sind zudem der Bedarf und die Produktion von Chips enorm gestiegen, bedingt durch ein Wachstum bei Produkten der Informations- und Telekommunikationstechnik. Hier haben wir passende Lösungsansätze parat und profitieren von diesen Marktentwicklungen.
Mitte Februar haben EDAG und Bosch Engineering eine Absichtserklärung über die projektbezogene Zusammenarbeit bei der Gesamtfahrzeugentwicklung unterzeichnet. Welche Grundüberlegungen liegen dieser Entscheidung zugrunde?
Die Zusammenarbeit bündelt unsere Kompetenzen. Somit können wir unsere Leistungen gemeinsam am Markt anbieten, um das jeweils vorhandene Know-how bestmöglich zu ergänzen. Kunden erhalten eine auf ihre Bedürfnisse abgestimmte Gesamtfahrzeugentwicklung aus einer Hand. Diese Synergien führen für alle Stakeholder zu mehr Erfolg, und neue Fahrzeuge können noch schneller und effizienter auf den Markt gebracht werden.
Die EDAG CityBots wurden im Deutsche Bank Park in Frankfurt am Main erprobt. Inwieweit profitieren Sie im klassischen Entwicklungsgeschäft von Erfahrungen aus diesem Projekt?
Die weitreichenden Praxisstudien auf dem Gelände des Deutsche Bank Parks haben gezeigt: Es gibt für die EDAG CityBots eine Vielzahl von Einsatzmöglichkeiten in der realen Praxis. Eine Technik, die sich „live“ unter realen Bedingungen bewährt, ist adaptierbar auf unterschiedlichste Fahrzeugtypen und offen für viele weitere Einsatzoptionen, zum Beispiel auf Flughäfen oder Containerterminals. Insbesondere in den Bereichen der Softwareentwicklung konnten wir im Projektverlauf eine Vielzahl von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern qualifizieren. Gerade bei den Tests zum automatisierten Fahren sind wir somit für die Herausforderungen unserer Kunden gut gerüstet.
Die E-Mobilität tritt – in Deutschland – momentan auf der Stelle. Manche OEMs korrigieren sogar ihre Elektrifizierungsstrategie. Wie wirkt sich diese Entwicklung auf das Geschäft von EDAG aus?
Ich glaube fest daran, dass wir zu einem CO2-neutralen Fahren kommen müssen. Ob damit ein Verbrennerverbot einhergeht, wird die Zukunft zeigen. Sicherlich haben die Streichungen der Zuschüsse oder der noch andauernde Ausbau der Infrastruktur zu der Stagnation beigetragen. Wir sehen allerdings vor allem international eine starke Entwicklung der Projektnachfragen und des Expertenwissens in diesem Bereich.
Welche Projekte und Themen haben für EDAG im Jahr 2024 die höchste Priorität?
EDAG ist jährlich an zahlreichen innovativen Projekten und Entwicklungen beteiligt – auch in diesem Jahr. Besonders hervorheben möchte ich die Inbetriebnahme unseres EMV-Zentrums in Fulda. Ab Anfang Juli besteht die Möglichkeit, verschiedenste Produkte hinsichtlich ihrer elektromagnetischen Eigenschaften zu untersuchen. Die zunehmende Komplexität vieler Fahrzeuge sorgt für immer mehr elektrische Komponenten. Darauf bereiten wir uns vor. Auch Unternehmen aus anderen Branchen können Komponenten, Baugruppen und Produkte in den Absorberhallen nach geltenden Normen messen lassen. Auf einer Fläche von 2.500 Quadratmetern unterstützt unser Expertenteam bei der Erstellung der Testpläne und der korrekten Auswahl der relevanten Prüfnormen. Mit dem EMV-Zentrum folgen wir unserem strategischen Ziel, weitere Branchen mit unseren Dienstleistungen zu erschließen.
Außerdem investieren wir in Wolfsburg in unser neues EDAG Zero Prototype Lab. Dabei handelt es sich um unser Fahrdynamiksimulationszentrum, in dem Fahrzeuge, ihre Funktionen und ihre Fahrdynamik bereits in realistischen Fahrsituationen umfassend getestet werden können, bevor das physische Fahrzeug entsteht. Dadurch können wir für unsere Kunden nicht nur Kosten reduzieren, die beim Bau von kostenintensiven Prototypen entstehen, sondern auch Entwicklungszyklen verkürzen.
Wie ist Ihr Ausblick auf das restliche Jahr 2024 und darüber hinaus? An welchen Stellen wollen Sie neue Akzente setzen?
Neben dem Automobil- und Softwarebereich stellen wir uns, wie erwähnt, in weiteren Branchen dedizierter auf und bieten unsere Expertise an. Wir sehen zum Beispiel auch verstärktes Wachstumspotenzial in der Halbleiter- und Chemieindustrie und dem allgemeinen Maschinenbau. Die Automobilindustrie ist prädestiniert für effiziente Planung und Konstruktion sowie Optimierung. Kunden aus anderen Branchen profitieren und schätzen unsere jahrelange Erfahrung. So freuen wir uns, dass die EDAG Group vor Kurzem von Wacker als bester Servicepartner des Jahres 2024 ausgezeichnet wurde.
Zum Abschluss ein Blick auf die EDL-Branche als Ganzes: Was sind hier aktuell die großen Themen mit Blick auf Kompetenzen, Akquisitionen, Diversifizierung etc.?
Der Markt ist im Wandel. Wir nutzen diese Chance und investieren in technologischen Fortschritt und Innovationen. Auch die Zusammenarbeit mit starken Partnern führt dazu, dass wir stärker auftreten können und uns mit gebündelten Kompetenzen auf dem Markt positionieren. Deutschland bleibt wichtiger Standort für die EDL-Branche – auch für uns. Nichtsdestotrotz werden wir uns auf die Stärkung und den Ausbau unserer internationalen Aktivitäten konzentrieren.
Harald Keller
Harald Keller, CEO EDAG Engineering
(Bildquelle: EDAG)
Harald Keller arbeitete bereits zu Beginn der 2000er Jahre für EDAG, damals als Fachbereichsleiter. Es folgten Stellen als Geschäftsführer bei Frimo und Fehrer Automotive. Von Anfang 2013 bis Ende 2016 führte Keller den Entwicklungsdienstleister MBTech als CEO. Zum Januar 2017 wechselte er zurück zu EDAG, wo er die Leitung des Segments Fahrzeugentwicklung übernahm. Ab Mitte 2019 war er COO und ab Juli 2024 ist er CEO der EDAG Group.
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