Elektrotrucker Eine Spedition stellt um auf Elektro-Trucks

Von Thomas Günnel 3 min Lesedauer

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Die Spedition Nanno Janssen aus dem niedersächsischen Leer will künftig ausschließlich Elektro-Lkw nutzen. Die ersten 27 E-Trucks rollen schon. Wie gut klappt das?

Die Spedition Nanno Janssen will künftig ausschließlich Elektro-Lkw nutzen.(Bild:  Daimler Truck)
Die Spedition Nanno Janssen will künftig ausschließlich Elektro-Lkw nutzen.
(Bild: Daimler Truck)

Ganz oder gar nicht: Die Spedition Nanno Janssen  aus Leer in Niedersachsen will nur noch Elektro-Lkw nutzen. Die Verantwortlichen dort schließen laut einer Meldung von Daimler Trucks aus, weitere Diesel-Trucks in ihre Flotte aufzunehmen. Einzige Einschränkung: Das Unternehmen transportiert auch Pyrotechnik der Gefahrgutklasse 1 – das ist bisher mit einem Elektro-Lkw größtenteils nicht erlaubt. Bereits 27 der insgesamt 75 firmeneigenen Lkw sind heute mit Strom unterwegs. Bis Jahresende sollen es 50 sein.

Mitte Juni übernahm das Familienunternehmen die ersten fünf von zehn bestellten Mercedes-Benz E-Actros 600 im Werk Wörth am Rhein. Wenige Tage nach der Übernahme  eröffnete die Spedition laut Daimler Truck ihren eigenen Ladepark mit einer Netzleistung von vier Megawatt und insgesamt 20 Ladepunkten. „Wir haben gesagt: Wir machen es nicht halbherzig, sondern richtig und nehmen gleich unsere gesamte Flotte in den Blick. Mein Einstieg ins Unternehmen vor drei Jahren bildete die Initialzündung, um sich intensiv mit der Elektromobilität auseinanderzusetzen“, beschreibt Nanno Janssen, Assistent der Geschäftsführung. „Aufgrund der attraktiven Fördermöglichkeiten durch das damalige KsNI-Programm haben wir uns entschieden, 20 Elektro-Lkw auf einmal zu beantragen. Danach kamen weitere hinzu. Es war die richtige Entscheidung, diese Investitionen zu tätigen“, sagt Janssen.

Ladestopp für einen Youtube Clip

Die Spedition kann so laut Janssen frühzeitig Erfahrungen mit Elektro-Lkw zu sammeln – auf den gleichen Einsatzprofilen wie Diesel-Lkw im bundesweiten Fernverkehr. „Unsere Fahrer, darunter der in der Branche als Elektrotrucker bekannte Youtuber Tobias Wagner, haben die Trucks im Werk Wörth selbst abgeholt“, sagt Nanno Janssen. Die Jungfernfahrt zum Firmensitz in Leer traten die Fahrer ohne Auflieger an. „Wir hatten einen Verbrauch von lediglich 60 kWh auf 100 Kilometern und das Display zeigte 1.000 Kilometer Restreichweite an“, erzählt Janssen. Den Ladestopp am Ladepark Seed & Greet am Autobahnkreuz Hilden in Nordrhein-Westfalen hätte sich das fünfköpfige Fahrerteam sparen können – doch es gab einen Termin einzuhalten: Elektrotrucker Tobias Wagner hatte in den sozialen Netzwerken einen Stresstest der dortigen Ladeinfrastruktur angekündigt, den die eigentlich auf Pkw ausgelegte Einrichtung des Stromanbieters Fastned mit ihren 400 Kilowatt-Ladesäulen laut Daimler Truck problemlos bewältigte.

Ihre Elektro-Trucks laden die Fahrer überwiegend an öffentlichen Ladesäulen. Dabei gibt es noch etwas organisatorischen Aufwand: „Wir geben unseren Fahrern mehrere Apps an die Hand, um selbst nach einer Ladesäule mit einem günstigen Tarif zu suchen“, berichtet Janssen. Die Fahrer laden die Trucks nachts voll auf, die Pausen reichen zum Zwischenladen. Die Fahrer seien größtenteils sehr schnell von ihrem Elektrofahrzeug begeistert, heißt es von der Geschäftsführung. Elektrotrucker Wagner bestätigt das: „Ich genieße jede Sekunde in dem neuen Lkw“, sagte er seiner Community auf Youtube, die inzwischen knapp 60.000 Abonnenten umfasst. Wer einmal neugierig auf einen Elektro-Lkw sei, der wollte dabei bleiben: „Nach spätestens zwei Wochen will keiner mehr zurück. Der Komfort ist angenehmer, die Beschleunigung besser. Fahrer schätzen die Ruhe im Fahrerhaus und machen sich beim Laden nicht die Hände schmutzig – anders als beim Tanken, wo man ölige Hände bekommt“, berichtet Tobias Wagner.

Eigener Ladepark mit Solaranlage und Energiespeicher

Wirtschaftlich gehe die Rechnung auch auf. Ohne Förderung verhielten sich die Gesamtbetriebskosten ähnlich wie beim Diesel. „Wir haben zwar deutlich höhere Anschaffungskosten, profitieren aber von niedrigeren variablen Kosten“, erklärt  Unternehmer Janssen. So kämen über die Gesamtlebensdauer etwa gleiche Kilometerkosten zusammen. Den Strom auf dem eigenen Betriebshof erzeugt die Spedition teilweise selbst. Eine Solaranlage mit 800 kWp kombiniert mit einem Batteriespeicher mit 1,3 Kilowattstunden Kapazität speist  den Ladepark. Die zehn Ladesäulen mit jeweils 300 Kilowatt Ladeleistung sind seit mehreren Monaten in Betrieb – seit Kurzem mit einem Transformator, der vier Megawatt leistet.

Über die Spedition Nanno Janssen

Die Spedition ist seit 1896 am Markt. In in vierter und fünfter Generation leiten sie Nanno Janssen als Geschäftsführer und sein gleichnamiger Sohn als Assistent der Geschäftsführung. Rund 120 Menschen sind in der Zentrale in Leer beschäftigt. Weitere rund 20 arbeiten bei der vor drei Jahren übernommenen Gesellschaft Sievers Logistics in Fulda. Der Schwerpunkt der Spedition liegt auf besonderen Transporten: etwa von Maschinen, Windkraft- und Solaranlagen oder von Langgütern mit Mitnahmestapler zu Privatkunden.

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