Energie Energiewende kann Wirtschaft Milliarden-Nutzen bringen

Von Thomas Günnel 4 min Lesedauer

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Bidirektionales Laden, Smart Meter, Solarausbau: Die Energiewende könnte Deutschlands Wirtschaft einen Milliarden-Nutzen bringen. Mehrere Unternehmen haben Berechnungen vorgelegt – darunter Volkswagen Group Charging.

Bidirektionales Laden ist ein Bestandteil der Energiewende 0 mit großem Potenzial.(Bild:  BMW)
Bidirektionales Laden ist ein Bestandteil der Energiewende 0 mit großem Potenzial.
(Bild: BMW)

Volkswagen Group Charging, auch bekannt als „Elli“, hat gemeinsam mit Energieunternehmen eine Studie zur Energieversorgung in Deutschland vorgestellt. Der Kern: Dezentrale Energielösungen wie Elektrofahrzeuge, Photovoltaikanlagen, Heimspeicher und Wärmepumpen können das deutsche Energiesystem bis zum Jahr 2045 um bis zu 255 Milliarden Euro entlasten. Elli spricht in einer Mitteilung von rund 13 Milliarden Euro möglicher jährlicher Wertschöpfung.

Studienergebnisse in Zahlen

Die Studie zeigt ein Sparpotenzial bei Energiekosten von 50 Prozent für Haushalte und Klein- und Mittelständischen Unternehmen. Konkret können Privathaushalte jährlich rund 900 bis 1.200 Euro sparen; bei einem durchschnittlichen Verbrauch von 4.000 kWh/Jahr und Kosten von circa 40 Cent pro Kilowattstunde. Für Klein- und Mittelständische Unternehmen ergibt sich demnach ein Sparpotential von rund 1.500 bis 2.500 Euro jährlich. Zugrunde liegt der Rechnung ein durchschnittlicher Verbrauch von 15.000 kWh/Jahr und Kosten von circa 18 Cent pro Kilowattstunde.

Bis zum Jahr 2045 sehen die Studienautoren außerdem 100.000 neue Arbeitsplätze bei dezentralen Energielösungen. Und: Die Investitionen in den Netzausbau auf Niederspannungsebene könnten um 40 bis 50 Prozent sinken, wenn die Netze entsprechend flexibel gesteuert werden können.

Konkret beziffern die Autoren das Energie-Sparpotenzial beim Einsatz dezentraler Systeme für Endverbraucher auf bis zu 14 bis 18 Milliarden Euro. Davon entfallen rund 11 bis 15 Milliarden Euro auf private Haushalte und etwa drei Milliarden Euro auf Klein- und Mittelständische Unternehmen. Die Einsparung resultiert vor allem aus geringerem Strombezug und Einspeiseerträgen – bei gleichzeitiger Entkopplung vom Marktpreis. Verbraucher können damit flexibel auf Preise reagieren.

Dezentrale und zentrale Energie kombinieren

Die von der Unternehmensberatung Roland Berger durchgeführte Analyse zeigt außerdem, dass nur die Kombination aus zentralen Großkraftwerken und dezentraler Technologien Deutschlands Versorgungssicherheit und Gesamtkosteneffizienz sichert.

Das Handelsblatt zitiert eine kürzlich erschienene Studie der Beratung Arthur D. Little, wonach die flexible Energieversorgung in Wohngebäuden in Europa ein jährliches wirtschaftliches Potenzial von 24 bis 58 Milliarden Euro bietet. Ein durchschnittlicher deutscher Haushalt könnte demnach monatlich mit intelligenten Stromtarifen und gesteuerter Stromnutzung zwischen 22 und 53 Euro sparen. Wer einem Vermarkter erlaubt, auf den Akku des eigenen E-Autos zuzugreifen, könnte zusätzlich 9 bis 21 Euro monatlich einnehmen, schreibt das Handelsblatt. Der Akku wird dabei einfach bei niedrigem Strompreis geladen und bei höherem Strompreis entladen.

Bundesnetzagentur will E-Autos an den Strommarkt bringen

Die Bundesnetzagentur hat im September Entwürfe veröffentlicht, um E-Auto-Batterien und stationäre Speicher einfacher am Strommarkt zu beteiligen. Laut des Energieversorgers „E.ON“ erfüllten Anfang des Jahres in Deutschland mehr als 225.000 der zugelassenen E-Autos die technischen Voraussetzungen für bidirektionales Laden. „Das Potenzial der verbauten Akkus als Stromspeicher ist riesig: Würden 60 Prozent der Batteriekapazitäten nachts flexibel zur Verfügung stehen, hätten wir fast 8.000 Megawattstunden Energie, die kurzfristig und dezentral nutzbar wären. Das ist genug Strom, um zweieinhalb Millionen Haushalte von 17:30 Uhr abends bis 5:30 Uhr am Morgen zu versorgen“, beschreibt Filip Thon, Chef von Eon Energie Deutschland. „Diese Leistung entspricht der von knapp zweieinhalb großen Gaskraftwerken, die in dieser Zeit stillstehen könnten.“

Smart Meter und flexible Tarife

Um die Möglichkeiten dezentraler Speicher zu nutzen muss die Infrastruktur stimmen – und die ist in Deutschland noch dürftig. Die Tagesschau meldete im Juli, dass Schweden, Norwegen und Finnland eine nahezu vollständige Abdeckung erreicht haben. Frankreich oder Spanien meldeten demnach Installationsraten von 90 bis 99 Prozent. Im europäischen Durchschnitt nutzten Ende 2024 rund 63 Prozent aller Stromkunden einen Smart Meter. In Deutschland waren Anfang des Jahres zwei Prozent der Haushalte mit einem intelligenten Messsystem mit Gateway ausgestattet.

Flexible Tarife von Autoherstellern und Energieanbietern

Bewegung in die Entwicklung bringen kann vielleicht die Tatsache, dass Autohersteller inzwischen mit Energieanbietern kooperieren und Tarife für bidirektionales Laden bewerben: BMW und der Energieversorger Eon zum Beispiel. Privatkunden können am kommerziellen Vehicle-to-Grid-Laden teilnehmen, wenn ihr Fahrzeug die Technik beherrscht.

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Elli sucht ab Dezember Testkunden für bidirektionales Laden. Nutzerinnen und Nutzer sollen heimische Elektrogeräte künftig mit Strom aus der Fahrzeugbatterie und der heimischen PV-Anlage betreiben. Mit bidirektionalem Heimladen können die Ladekosten teils um bis zu 75 Prozent senken, rechnet Volkswagen vor.

Akkus halten V2G-Laden problemlos aus

Ein Problem für den Fahrzeugakku ist bidirektionales Laden kaum. Das haben die RWTH Aachen und The Mobility House Energy ermittelt. Nach zehn Jahren verloren die Akkus durch Vehicle-to-Grid-Laden 0,9 bis 3,1 Kilowattstunden oder 5,8 bis 19,2 Kilometer Reichweite nach WLTP. Diese Kapazität kostet demnach aktuell circa 100 bis 300 Euro Investition – bringt aber über 600 Euro pro Jahr. In den Tests simulierten die Forscher eine Batterie mit 52 Kilowattstunden Kapazität. Der jährliche zusätzliche Energiedurchsatz lag bei 4,70 Megawattstunden.

„Die E-Mobilität ist mehr als eine klimafreundliche Fortbewegung. Sie wird zur aktiven Energiequelle für Millionen Haushalte in Deutschland“, erklärt Elli-Chef Giovanni Palazzo. „Smarte und bidirektionale Ladelösungen bringen enormes Potenzial für unser Energiesystem, senken Kosten für unsere Kundinnen und Kunden und stärken die Volkswirtschaft. Wir sollten die Kraft dieser dezentralen Ansätze vollständig nutzen, bevor Milliarden in neue fossile Backup-Kapazitäten fließen.“

Das Potenzial Unternehmensbündnis „New Energy Alliance“ fordert entsprechend klare Rahmenbedingungen. Dezentrale Flexibilitäten sollen gleichberechtigt mit erneuerbaren Großprojekten und Backup-Kapazitäten berücksichtigt werden. Außerdem fordern sie die Stärkung dezentraler Flexibilität mittels Marktmechanismen, einen schnelleren Rollout von Smart Meters und digitalen Netzbetreiber-Prozessen, eine faire Gestaltung der Netzentgelte für alle Speicherarten – und Maßnahmen beim Rechtsrahmen des bidirektionalen Ladens.

Diese Unternehmen gehören zur New Energy Alliance

Der Initiative gehören über 20 Unternehmen an, die dezentrale Energielösungen anbieten: „1KOMMA5°“, Enpal, „LichtBlick“, Octopus Energy, Thermondo und Volkswagen Group Charging (Elli), Bosch, E3DC, Enercity, Energy Partners, „gridX“, Maxx Solar, Metiundo, Ostrom, Polarstern, Rabot Energy, Solar Manager, Sonnen, „SPiNE, Techem, The Mobility House Energy, Tibber und Vonovia.

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