Mit dem E-Tron GT will Audi der Marke neuen Glanz verleihen und wieder technischen Vorsprung zeigen. Kann das gelingen? Wir haben das E-Auto getestet.
Der Audi E-Tron GT startet bei 99.800 Euro.
(Bild: Audi)
Schon wenn er um die Ecke biegt, fängt er die Blicke der Passanten ein. Ein Gran Turismo, wie er klassischer und eleganter kaum geht. Audi hat einen neuen Eye-Catcher. Und nicht nur das: Der E-Tron GT zeigt ebenso, zu welch unglaublicher Fahrdynamik ein elektrischer Antrieb führen kann. Selbst hartgesottene „Petrol Heads“ dürften hier ins Grübeln kommen.
Kenner der Szene werden jetzt sicher einwenden: Es gibt ja bereits den Porsche Taycan, ebenfalls ein elektrischer Überflieger. Und der teilt sich die Technik mit dem E-Tron GT. Stimmt. Doch den Audi-Ingenieuren ist es gelungen, ihrem GT mehr Ruhe und Geschmeidigkeit, eben die typischen Reise-Qualitäten eines Gran Turismo, mit auf den Weg zu geben. Dennoch bleibt die Sportlichkeit, die sich zwangsläufig aus den hohen Leistungswerten ergibt, nicht auf der Strecke.
Das Fahrverhalten hat Suchtcharakter.
Nackte Zahlen dürften hier dennoch ihre Wirkung verfehlen. 530 PS und 630 Newtonmeter sind zwar eine Menge Holz, das erreichen aber auch manch andere Sportwagen. Ebenso können diese den Sprint von null auf 100 km/h in vier Sekunden auf den Asphalt legen. Doch es ist die Art und Weise, wie das passiert. Im E-Tron GT läuft das alles ungemein dynamisch, dennoch gleichmäßig und ruhig ab. Man meint, einen halben Meter über der Straße zu schweben und bei der Beschleunigung von einem riesigen Gummiband losgelassen zu werden. Das Fahrverhalten hat Suchtcharakter.
Ihren Anteil daran haben zweifellos auch die Sitzposition und das hochwertige Ambiente im Innenraum, eine Paradedisziplin von Audi. Der E-Tron GT passt wie ein Maßanzug, ohne dabei eng zu wirken. Erstaunlich, dass selbst hinten Erwachsene noch bequem untergebracht sind. Um jedem Millimeter müssen die Designer gekämpft haben, galt es doch, die elegant abfallende Dachlinie auf keinen Fall zu opfern. Das ging sogar so weit, dass der E-Tron GT keine Heckklappe wie der A7 Sportback erhielt, sondern „nur“ einen Kofferraumdeckel. Dennoch bleibt darunter genügend Platz fürs Gepäck. Wird mehr Stauraum benötigt, können die Rücksitzlehnen geteilt umgelegt werden.
„Flach ist das neue Premium bei den Elektroautos“
Die gedrungene Silhouette des Fahrzeugs – er ist flacher als ein A7 Sportback – stellte die Ingenieure vor enorme Herausforderungen, schließlich musste das große Batterie-Paket in der Bodengruppe untergebracht werden. „Flach ist das neue Premium bei den Elektroautos“, heißt es bei Audi, was wohl auch als kleiner Wink in Richtung Tesla zu verstehen ist. Der E-Tron GT zielt direkt auf das Model S. Und mit 99.800 Euro platziert sich der elektrische Gran Turismo auch preislich in der Gegend des kalifornischen Autoherstellers.
Bis zu 488 Kilometer weit soll der Audi mit einer Akku-Füllung fahren, theoretisch. Auch wenn es im Alltag 100 und im Winter vielleicht 150 Kilometer weniger sein sollten, selbst diese Reichweite macht den Gran Turismo nicht zum Luxus-Zweitwagen im Haushalt.
Zumal sich unterwegs die Zellen extrem schnell wieder aufladen lassen. Aus diesem Grund verfügt der Audi über ein 800-Volt-System, die doppelte Spannung als gemeinhin üblich. So können bestenfalls bis zu 270 kW an Ladeleistung (Gleichstrom) in die Batterie fließen. Innerhalb von fünf Minuten wären 100 Kilometer Fahrstrecke „nachgetankt“. Die passenden HPC-Säulen (High Performance Charging) stellt europaweit meist Inonity auf. Das Ziel: alle 120 Kilometer eine Station. Audi hat mit Ionity einen Rahmenvertrag abgeschlossen, wodurch der E-Tron-Fahrer in den Genuss eines deutlich reduzierten Strompreises kommen soll.
Viele gelungene Details
Nach wie vor faszinierend bleibt bei Audi das Infotainment. Elf Antennen, allesamt unsichtbar integriert, verbinden das Auto mit der Außenwelt. Dargestellt wird diese Welt auf dem Zentralbildschirm, über Google Earth, in höchster Brillanz. Und wer sich mit dem E-Tron GT ein wenig länger vertraut macht, wird nicht nur sein besonderes Fahrgefühl lieben lernen, sondern auch die vielen kleinen Annehmlichkeiten im täglichen Umgang mit dem Auto schätzen.
Selbst über das kabellose Laden des Smartphones hat man sich in Ingolstadt ein paar mehr Gedanken gemacht als üblich. Es liegt nicht waagerecht irgendwo in einer flachen Schale, um in der nächsten Kurve in den Fußraum zu fliegen, sondern steckt hochkant unter einer Abdeckung in der Mittelkonsole. Damit man es dort aber nicht vergisst, ertönt eine Stimme, sobald die Tür geöffnet wird: „Ihr Smartphone befindet sich noch im Fahrzeug.“
Stand: 08.12.2025
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