Nutzfahrzeuge Erste Tankstelle für flüssigen Wasserstoff für schwere Lkw eröffnet

Von Thomas Günnel 3 min Lesedauer

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Wasserstoff tanken wie Diesel – und damit ebenso weit fahren: Daimler Truck und Linde haben die erste öffentliche Pilot-Tankstelle für flüssigen Wasserstoff für schwere Lkw eröffnet.

Andreas Gorbach, im Vorstand der Daimler Truck AG verantwortlich für Truck Technologie, betankt den Mercedes-Benz GenH2-Lkw mit flüssigem Wasserstoff.(Bild:  © Daimler Truck AG)
Andreas Gorbach, im Vorstand der Daimler Truck AG verantwortlich für Truck Technologie, betankt den Mercedes-Benz GenH2-Lkw mit flüssigem Wasserstoff.
(Bild: © Daimler Truck AG)

Daimler Truck und Linde Engineering haben die erste öffentliche „sLH2“-Pilot-Tankstelle eröffnet. Am Produktionsstandort von Mercedes-Benz Trucks in Wörth am Rhein können schwere Lkw flüssigen Wasserstoff tanken. Nach etwa 10 bis 15 Minuten sind dann 80 Kilogramm des Kraftstoffes in den Tanks und der Truck kann „1.000 Kilometer und mehr“ fahren, erklärt Daimler Truck in einer Meldung. Linde wird den Wasserstoff nach Wörth liefern.

Voraussichtlich ab Mitte 2024 tanken dort fünf Unternehmen, die dann mit einer Serienversion des Mercedes-Benz GenH2-Sattelzug-Lkws innerhalb Deutschlands unterwegs sein werden: auf spezifischen Routen in verschiedenen Anwendungsfällen im Fernverkehr. Tanken sollen sie außerdem an einer weiteren Tankstelle im Raum Duisburg.

Wie funktioniert die „sLH2“-Technik?

Anders als beim Betanken mit flüssigem Wasserstoff (LH2) erhöht bei dem neuen Verfahren eine Pumpe den Druck des flüssigen Wasserstoffs geringfügig. So wird der Wasserstoff zu „subcooled liquid hydrogen“ (sLH2), unterkühlter Flüssigwasserstoff. Das Tanken sei so „sehr robust und stabil“ möglich, es gebe nur minimale Energieverluste.

Eine Datenübertragung zwischen Tankstelle und Fahrzeug ist nicht notwendig. Die eröffnete Tankstelle kann 400 Kilogramm flüssigen Wasserstoff pro Stunde abgeben. Eine Wasserstofftankstelle mit der sLH2-Technik kostet laut Daimler Trucks etwa die Hälfte oder ein Drittel dessen einer Tankstelle für gasförmigen Wasserstoff. Die Betriebskosten liegen demnach bei einem Fünftel oder Sechstel. Flüssigwasserstoff sei europaweit zuverlässig lieferbar.

ISO-Norm für Betankungsstandard

Daimler Truck und Linde Engineering wollen sLH2 als führendes Verfahren für das Betanken von schweren Lkw etablieren. Die Technologie ist in einem offenen ISO-Prozess standardisiert und frei zugänglich. „Wir rufen jetzt andere Lkw-Hersteller und Infrastrukturunternehmen dazu auf, unserem Ansatz zu folgen und diese Technologie gemeinsam zum Industriestandard zu machen!“, sagte Andreas Gorbach, im Vorstand der Daimler Truck AG verantwortlich für Truck Technologie.

Technische Daten der sLH2-Tankstelle

Den Energieverbrauch der Wasserstoff-Tankstelle beziffert Daimler Truck auf 0,05 Kilowattstunden pro Kilogramm. Das konventionelle Betanken mit gasförmigem Wasserstoff benötigt demnach etwa 30 Mal mehr Energie. Rund 50 Quadratmeter Fläche belegt die Tankstelle ohne Zapfsäule. Möglich sind laut Daimler Truck Konfigurationen, bei denen an mehreren Zapfsäulen Lkw parallel oder nacheinander tanken können.

In den Flüssigwasserstoff-Speicher passen vier Tonnen Wasserstoff – genug für etwa zehn Stunden kontinuierliches Betanken. Möglich sind über acht Tonnen pro Tag, wenn zwischenzeitlich nachgefüllt wird.

Wasserstoff tanken wie Diesel

Die Schutzmaßnahmen beim Tanken des unterkühlten Flüssigwasserstoffs vergleicht Daimler Truck mit denen beim Tanken von Diesel. „Während des Betankungsvorgangs kann flüssiger Wasserstoff bei minus 253 Grad Celsius in zwei angeschlossene 40-Kilogramm-Tanks auf beiden Seiten des Lkw-Chassis eingefüllt werden, ohne dass eine spezielle Sicherheitsausrüstung erforderlich ist“, beschreibt der Lkw-Hersteller.

Der Platzbedarf der „sLH2“-Tankstelle ist überschaubar.(Bild:  Daimler Truck AG)
Der Platzbedarf der „sLH2“-Tankstelle ist überschaubar.
(Bild: Daimler Truck AG)

Den sogenannten Boil-off-Effekt gibt es beim sLh2-Verfahren nicht. Boil-off heißt: Beim konventionellen Tanken von flüssigem Wasserstoff wird ein Teil des Wasserstoffs gasförmig und muss mit einer zweiten Leitung abgesaugt werden.

Wieso flüssiger Wasserstoff?

Flüssiger Wasserstoff hat eine deutlich höhere Energiedichte im Verhältnis zum Volumen, verglichen mit gasförmigem Wasserstoff. Die Tanks eines Brennstoffzellen-Lkw mit flüssigem Wasserstoff sind deshalb im Vergleich zu Kohlenstofftanks für gasförmigen Wasserstoff günstiger. Weil sie weniger druckstabil sein müssen, sind sie zudem leichter. Flüssiger Wasserstoff wird bei maximal 16,5 bar gespeichert, gasförmiger bei 350 bis 700 bar.

Im September 2023 war Daimler Truck mit einem für öffentliche Straßen zugelassenen Prototypen des Mercedes-Benz „GenH2“-Truck mit 80 Kilogramm flüssigem Wasserstoff 1.047 Kilometer gefahren. In der zweiten Hälfte des Jahrzehnts soll die Serienversion des Brennstoffzellen-Lkw folgen.

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