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Klassische Fahrzeuge

Ford 12M: 50 Jahre rauer Charme

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Konturfreie Sitze, keine Gurte

Also rein in die gute Stube und das kleine Kraftwerk anlassen. Dabei fällt auf, dass man recht geräumig unterkommt – von der Beschaffenheit des Mobiliars redet man besser nicht: Für Vorgaben wie Seitenhalt war damals kein Platz im Lastenheft. Diese früher üblichen Sitzbänke ohne jegliche Kontur versprühen heute ganz besonderen Charme. Auch Gurte sucht man in diesem 12M vergeblich. Mitte der Sechziger nahm man das mit der Sicherheit eben noch nicht so genau. Also entfällt das Anschnallen heute, und es kann sofort losgehen – ausnahmsweise mal ohne Reue. Dank kurzem ersten Gang legt der rau agierende Vierzylinder giftig los.

Dass der Kölner wirklich langsam ist, muss man schon der Tachonadel entnehmen; verlässt man sich allein auf die Geräuschkulisse, wirkt alles recht agil und straff. Erst Kehren, die der betagte Mittelklässler mit merklich Seitenneigung nimmt, erinnern an die Fahrwerk-Technik: Abgesehen von den Asphalttrennscheiben namens Reifen gibt es eine blattgefederte Starrachse; die Vorderachse besteht aus an der Motor-Getriebeeinheit befestigten Querlenkern sowie ebenfalls Blattfedern. Die späteren P4-Jahrgänge erfreuen sich immerhin Bremsscheiben an den Vorderrädern, was einen entscheidenden Sicherheitsfaktor darstellt.

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Exakte Lenkradschaltung

Eine kleine Überraschung gibt es bei der Lenkradschaltung. Die Gänge rasten leichtgängig und präzise ein – von Untersynchronisation keine Spur. Demnach kann man am Berg auch mal ohne Zwischengas zügig herunterschalten, eine Situation, in die Fahrer des Basis-12M früher oder später ganz sicher geraten werden. Denn bei Steigungen geht dem kleinen Triebwerk zwangsläufig die Puste aus. Das gilt nicht etwa für die Langzeit-Bilanz, denn der noch vor der Vorderachse sitzende Otto ist quasi unkaputtbar. Das grüne Kleid unseres Probekandidaten ist augenscheinlich frei von Korrosion – und auch mit den tragenden Teilen gibt es keinerlei Probleme, versichert der Besitzer. Immerhin ist die TÜV-Plakette neu.

Dass am Blech bereits Hand angelegt wurde, scheint angesichts fast 50 Jahren Einsatz fast unumgänglich, stört aber kaum: So wurden die Schweller vor einiger Zeit erneuert – Reparaturen bleiben bei einem alten Auto eben nicht aus. Ein aufwendiges Schrauberauto ist der P4 aber nicht, die Wartungsintensität hält sich in Grenzen. Günstige Ersatzteilpreise sowie überschaubare Unterhaltskosten tragen neben der bezahlbaren Anschaffung zur Erschwinglichkeit bei. Der Ford 12M ist ein volksnaher Oldtimer, der viel Fahrspaß bereitet. Man muss also tatsächlich nicht viel Geld ausgeben, um in der Oldie-Szene mitmischen zu können.

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