Große Stückzahlen wird Genesis vom S-Klasse-Konkurrenten G90 in Deutschland nicht verkaufen. Doch die Koreaner wollen im Mutterland des Autos ein Zeichen setzen. Das ist gelungen.
Der Genesis G90 soll der Mercedes S-Klasse oder dem Audi A8 Konkurrenz machen – jetzt auch in Deutschland.
(Bild: Genesis)
In Korea ist die 2016 ins Leben gerufene Marke Genesis auf den Straßen bereits recht präsent. In Deutschland dagegen sind über alle sechs erhältlichen Modelle hinweg lediglich etwas mehr als 1.000 Autos auf der Straße. Jetzt kommt mit dem G90 das Flaggschiff auf den Markt, das in Korea bereits seit 2021 erhältlich ist.
Die F-Segment-Limousine tritt dabei gegen die Top-Modelle der etablierten einheimischen Premiumhersteller an. Rein optisch muss sich der Koreaner hinter der Konkurrenz nicht verstecken. Das 5,28 Meter lange Auto kommt trotz der auffälligen Doppelscheinwerfer und des recht großen Kühlergrills sehr elegant daher.
Lange Optionslisten und komplizierte Kombinationen von Features wie bei anderen Anbietern gibt es bei Genesis nicht. Der G90 ist nur in einer Ausstattungsvariante erhältlich. Die heißt „Luxury Plus“ und umfasst für 115.000 Euro zuzüglich Überführung alles, was es gibt. Der Kunde kann aus zehn Lackierungen und fünf Innenausstattungen wählen oder gegen 10.000 Euro Aufpreis die Langversion bestellen.
Ideal für Hinterbänkler
Unsere Testfahrt in eben dieser, um 19 Zentimeter gestreckten Variante des G90 beginnt hinten rechts. Das ist der Platz, auf dem man für gewöhnlich sitzt, wenn man sich zu dem nicht ganz günstigen Auto auch einen Chauffeur leisten kann. Dort lässt es sich auf dem Relaxsitz mit Lüft-, Heiz- und Massagefunktion wunderbar entspannen. Auf Knopfdruck fährt der Beifahrersitz nach vorne, Beinauflage und Fußstütze fahren aus und man kann mal kurz die Augen schließen.
Beide hinteren Sitze sind individuell verstellbar. Vor beiden befindet sich jeweils ein 10,2-Zoll-Touchscreen-Monitor, auf denen die Fond-Passagiere mit Bluetooth-Kopfhörern unabhängig voneinander Filme schauen oder Musik auswählen können. Über den acht Zoll großen Touchscreen in der Mittelarmlehne lassen sich außerdem die Klimaregelung, die Sitzposition, die Massagefunktionen, der Sonnenschutz sowie die Ambientebeleuchtung bedienen.
Das funktioniert auf Wunsch auch mithilfe von vier Presets. Der sogenannte Mood-Curator fasst verschiedene Einstellungen je nach Stimmungslage zusammen. Auf allen Plätzen spielt die Musikanlage von Bang & Olufsen mit 23 Lautsprechern ihre Trümpfe aus. Es kann die Akustik berühmter Veranstaltungsorte aus aller Welt nachgebildet werden.
Klassisches Interieur mit Holzoptik
Wir nehmen vorne Platz und blicken auf zwei 12,3 Zoll-Displays für Instrumente und Infotainment. Die Bedienung erfolgt per Touch, Sprachsteuerung oder einen runden Drehschalter, der sich neben dem ebenfalls runden und ähnlich großen Gangwahlhebel befindet. Das sorgt leider manchmal für Fehlgriffe.
Zudem lassen sich im G90 viele Funktionen per klassischer Schalterleiste steuern. Konservative Autofahrer werden das schätzen. Insgesamt wirkt alles sehr hochwertig, sowohl optisch als auch haptisch. Ein schönes Detail sind die Einsätze in Holzoptik an der Mittelkonsole, den Rückenlehnen der Vordersitze und den Türverkleidungen. Sie sind aus recyceltem Zeitungspapier hergestellt.
Und wie fährt sich das Genesis-Flaggschiff? Einzige Motorisierung in Europa ist ein 3,5 Liter großer V6-Benziner, der von einem elektrischen 48-Volt-Kompressor unterstützt wird. Er leistet 305 kW/415 PS, stellt ein maximales Drehmoment von 549 Nm bereit und treibt alle vier Räder an.
Damit ist die leer fast 2,5 Tonnen schwere Limousine gut unterwegs, auch wenn einem als Motorjournalist die 415 Verbrenner-PS in Zeiten von zahlreichen hochgezüchteten Elektro-Limousinen erst mal ungewohnt schwerfällig vorkommen. Sobald man sich aber daran gewöhnt hat, freut man sich über die klassische, gleichmäßige Leistungsentfaltung, die wunderbar zur optisch recht klassisch gehaltenen Luxuslimousine passt.
Komfortabel dank variabler Luftfederung
Die vorausschauende elektronische Fahrwerksregelung schafft es in Verbindung mit den adaptiven Dämpfern problemlos, Fahrbahnunebenheiten wegzubügeln. Die Mehrkammer-Luftfederung des G90 passt den Luftdruck in den Federn und damit die Fahrhöhe an die jeweiligen Fahrbedingungen an: Bei hohen Geschwindigkeiten senkt sich das Fahrzeug ab, um den Luftwiderstand zu verringern und ein stabileres Fahrgefühl zu vermitteln. Auf rauem oder unebenem Untergrund hebt sich das Auto, um das Fahrwerk zu schützen und die von der Straße ausgehenden Vibrationen zu verringern.
Stand: 08.12.2025
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Das alles funktioniert unabhängig von der Anzahl der Passagiere oder der Menge des Gepäcks. Dank Hinterradlenkung lässt sich auch die Langversion problemlos durch enge Gassen steuern.
Der G90 erreicht aus dem Stand in 5,2 Sekunden Tempo 100, die Langversion braucht dafür 0,2 Sekunden länger. Maximal sind 250 km/h möglich. Laut Datenblatt braucht die Limousine nach WLTP 11 Liter Super auf 100 Kilometer. Bei unserer Testfahrt genehmigte sich der G90 in der Langversion laut Anzeige zwischen 13 und 14 Liter.
Keine Elektrovariante geplant
Eine Elektrovariante, wie es sie für das kleinere Schwestermodell G80 gibt, ist für den G90 nicht vorgesehen. Wer eine EQS-Alternative sucht, muss sich bis zur nächsten Modellgeneration gedulden.
Im Preis des G90 inbegriffen ist das von anderen Genesis-Modellen bekannte Rund-um-sorglos-Paket, das für den Zeitraum der fünfjährigen Garantie auch die planmäßigen Wartungen, eine Pannenhilfe, einen Hol- und Bringservice, inklusive Leihwagen bei einem Werkstatttermin, sowie Over-the-air-Updates umfasst. Exklusiv beim G90 legen die Koreaner noch eine Radreinigung bei jedem Radwechsel, sowie einmal jährlich eine Lederpflege und eine Ozonreinigung für den Innenraum oben drauf.
Vor allem fürs Image
Über Verkaufsziele spricht Genesis generell nicht – und für den G90 gilt das im Besonderen. Denn den Verantwortlichen ist durchaus klar, dass der Absatz einer asiatischen Luxuslimousine im Land von Mercedes-Benz S-Klasse und BMW 7er eher im homöopathischen Bereich bleiben dürfte. Aber für die Markenpositionierung ist das Auto eben doch wichtig.
Genesis möchte auch außerhalb Koreas als Hersteller von Luxusautos wahrgenommen werden – und speziell in der Heimat von Mercedes-Benz und BMW. Mit einer F-Segment-Limousine in Europa und vor allem in Deutschland vertreten zu sein, soll auf das Image in Korea, aber auch anderen globalen Märkten einzahlen.