gesponsertEDAG Group Harald Keller: „Das Mindset muss sich verändern“

6 min Lesedauer

Gesponsert von

Harald Keller, CEO der EDAG Group, über die Neuaufstellung des Engineering-Dienstleisters, die Diversifizierung des Geschäfts sowie die Verknüpfung von Produktentwicklungs- und Produktionsplanungsprozess.

Interview mit: Harald Keller, CEO der EDAG Group(Bild:  EDAG)
Interview mit: Harald Keller, CEO der EDAG Group
(Bild: EDAG)

Herr Keller, im Jahr 2024 ist EDAG in die Verlustzone gerutscht. Welche Erwartungen haben Sie an das laufende Jahr?

Harald Keller: Wir haben das Geschäftsjahr 2024 mit einem bereinigten EBIT von 31,1 Millionen Euro abgeschlossen – durch Restrukturierungsmaßnahmen in Höhe von 34,5 Millionen Euro mussten wir einen niedrig einstelligen Verlust ausweisen. Im ersten Quartal des laufenden Jahres wurde unsere Prognose bestätigt, mit Rückgängen bei Umsatz und EBIT. Wir rechnen erst in der zweiten Jahreshälfte mit einer zunehmenden Erholung des Marktes.

Neu sind seit Jahresbeginn Mobility Solutions, Industry Solutions und Public Solutions. Welche Aufgaben bündeln Sie in diesen Feldern?

Mobility Solutions ist das größte Geschäftsfeld der EDAG Group. Hier liegt der Fokus auf Dienstleistungen entlang des automobilen Entwicklungsprozesses, der Elektronikentwicklung sowie der Verantwortung von Modulen, Derivaten und Gesamtfahrzeugen. Außerdem begleiten wir unsere Kunden bei der Realisierung von Trendthemen wie autonomes Fahren, innovative Antriebstechnologien und Nachhaltigkeit. Ganzheitliche und branchenspezifische Lösungen rund um die Entwicklung von Smart Products und Smart Factories finden sich unter Industry Solutions wieder. Abgerundet wird das Portfolio durch die Entwicklung ergänzender digitaler und KI-gestützter Ökosysteme und die Integration der einzelnen Elemente in das sogenannte Industrial Metaverse. Innerhalb Public Solutions unterstützen wir Städte, Landkreise, Bundesländer sowie kommunale IT-Dienstleister bei der Prozessoptimierung, Datenvernetzung und der digitalen Infrastruktur.

Welche Grundüberlegungen stehen hinter dieser Neuaufstellung?

Wir wollen mit dem neuen Portfolio den Fortschritt in Mobilität, Industrie und öffentlichem Sektor vorantreiben und gleichzeitig unser Geschäft diversifizieren. Zu den neu identifizierten Zielbranchen gehören unter anderem Defence, Medizinprodukte, erneuerbare Energien, Schienenverkehr und die Halbleiterindustrie.

Die Diversifizierung erscheint alternativlos aufgrund des schwächelnden Automotive-Geschäfts.

Um zu wachsen, wollen und müssen wir uns künftig breiter aufstellen. Daher haben wir bereits vor einigen Jahren damit begonnen unser Geschäftsmodell zu diversifizieren. „Automotive only“ wird meiner Meinung nach aus unternehmerischer Sicht kein tragfähiges Konzept mehr sein. Auf der anderen Seite gibt es sehr viel Knowhow der EDAG, das man auch außerhalb der Automobilindustrie gewinnbringend einsetzen kann – schließlich war Automotive lange Jahre Vorreiter für andere Branchen, allen voran in der Digitalisierung von Entwicklungs- und Produktionsprozessen.

Wie weit ist die Diversifizierung bei der EDAG bereits fortgeschritten?

Wir haben vielversprechende Aufträge, etwa aus den Bereichen Medizintechnik oder Defence, wo höchste Ansprüche an Qualität und Sicherheit erforderlich sind. Mit diesen Aufträgen können wir Arbeitsplätze in Deutschland absichern. Außerhalb der Automobilindustrie wird aktuell deutlich stärker auf den Mehrwert einer Entwicklung vor Ort geschaut, und somit ist nicht mehr nur der Preis entscheidend für den Auftragszuschlag.

Bildergalerie

Wie sieht dieser Mehrwert aus?

Mit den hierzulande über viele Jahre erprobten und optimierten Prozessen ist vor allem eine schnellere Time-to-Market möglich.

Das sollte bei den etablierten Automobilherstellern im Wettbewerb mit China auf großes Interesse stoßen.

Ja und nein. Das Interesse ist groß, aber die Entscheidungsprozesse in den Konzernen sind langwierig. Außerdem ist in den aktuellen Ausschreibungen ein niedriger Stundensatz wichtiger als eine Verkürzung von Time-to-Market.

Aber alle OEMs reden doch vom notwendigen China-Speed.

Ja, aber der Innovationstopf in China kocht ganz anders. Auf der Auto Shanghai wurden jüngst mehr als 100 neue Modelle vorgestellt. Die Innovationstreiber der Branche kommen dabei längst nicht mehr nur aus dem klassischen Fahrzeugbau.

Inwieweit profitiert EDAG China von dieser Dynamik?

EDAG ist in China zuletzt sehr gut gewachsen. Wir beschäftigen vor Ort bereits rund 600 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und haben alle Hände voll zu tun. Mehr als ein Drittel des Geschäfts kommt bereits von lokalen Automobilherstellern – Tendenz steigend.

EDAG entwickelt derzeit an weltweit 80 Standorten. In welchen Regionen rechnen Sie mit einem überdurchschnittlichen Wachstum, welche Standorte werden an Bedeutung verlieren?

Indien hat sich in den letzten Jahren als globales Zentrum für Softwareentwicklung, Embedded Systems und digitale Services etabliert. Die dort verfügbaren Talente, kombiniert mit einer ausgeprägten Ingenieurkultur und einer wachstumsfreundlichen Politik, machen die Region attraktiv. Gerade in den Bereichen Software-Defined Vehicle, KI, Cloud-Integration und Simulationstechnologie wächst die Nachfrage nach Engineering-Services rapide – sowohl für den lokalen Markt als auch für international agierende OEMs, die Entwicklungsressourcen auslagern. Auch China bleibt ein relevanter Markt. Viele westliche OEMs müssen Entwicklungsanteile lokalisieren, um regulatorischen Anforderungen zu genügen und marktfähig zu bleiben.

Auf der Hannover Messe haben Sie die Verknüpfung des Produktentwicklungsprozesses mit dem Produktionsplanungsprozess präsentiert. Was sind die entscheidenden Vorteile dieses Ansatzes?

Mit der durchgängigen Digitalisierung und Verknüpfung beider Prozesse kann zum Beispiel eine Änderung in der Produktentwicklung unmittelbar die Konsequenzen in der Produktion aufzeigen. Das schafft Transparenz und Geschwindigkeit. Das von uns gezeigte Industrial Metaverse verbindet die Elemente Smart Product, Smart Factory, Smart People und Smart Ecosystem. Es ist für uns die Heimat der digitalen Zwillinge, der Platz, wo der digitale Zwilling des Produktes und der digitale Zwilling der Produktion zusammenkommen und miteinander interagieren. Dadurch lassen sich Produktionsanlagen effizienter steuern und gestalten.

Wie war die Resonanz?

Durchweg positiv. Wir haben vielversprechende Gespräche mit Entscheidungsträgern geführt – auf Augenhöhe und mit ganz konkretem Projektfokus. Unsere Industriekunden sind sehr daran interessiert, wie sie ihre eigenen Prozesse optimieren können. EDAG ist prädestiniert für Design for Manufacturing. Das belegt auch unsere Auszeichnung mit dem Factory Innovation Award in der Kategorie „Plattformen für die vernetzte Fabrik“ die wir im Rahmen der Messe erhalten haben. Darüber hinaus sind wir von Nvidia mit dem Industry Innovation Award ausgezeichnet worden, der herausragende Bemühungen und den innovativen Geist bei der Nutzung von Nvidia Omniverse und KI-Technologien belegt.

Was muss sich Ihrer Meinung nach bei der Verknüpfung von Produktentwicklungs- und Produktionsplanungsprozess verändern?

Das Mindset muss sich verändern. Um das „Design for Manufacturing“ zur Perfektion zu treiben, gilt es die Produktionsverantwortlichen zu einem frühen Stadium der Produktentwicklung einzubinden.

Welche Potenziale bietet der KI-Einsatz in der (Automobil)Entwicklung?

Künstliche Intelligenz in der Automobilentwicklung eröffnet enorme Potenziale entlang der gesamten Wertschöpfungskette. In der frühen Entwicklungsphase ermöglicht KI etwa eine schnellere Analyse großer Datenmengen aus Simulationen. Ein weiteres konkretes Beispiel ist die KI-gestützte Optimierung von Fahrzeugarchitekturen – sei es hinsichtlich Gewicht, Materialeinsatz oder Energieeffizienz. In der Softwareentwicklung, insbesondere beim autonomen Fahren, ist KI ohnehin ein Schlüsselfaktor: Ohne maschinelles Lernen wären viele sicherheitsrelevante Systeme und Assistenzfunktionen, wie wir sie heute kennen, nicht realisierbar. Wir haben in der Vergangenheit viele unterschiedliche Use Cases untersucht und bringen das Potential von KI in der Entwicklung heute schon mit messbarem Mehrwert in Kundenprojekte ein. Die Vorteile reichen von mehr Agilität in der Anforderungsphase bis hin zu Kosteneinsparungen in der Validierungsphase – bei insgesamt höherer Qualität und kürzerer Time-to-Market.

Welche generellen Trends sehen Sie in der EDL-Branche, wohin entwickeln sich die Engineering-Dienstleister?

Engineering-Dienstleister stehen derzeit an einem strategischen Wendepunkt. Früher waren sie primär als verlängerte Werkbank für OEMs und Tier-1-Zulieferer tätig. Heute wandelt sich ihre Rolle: Der Trend geht klar in Richtung mehr Eigenverantwortung, Systemkompetenz und End-to-End-Lösungen. Ein zentraler Treiber ist die zunehmende Komplexität der Fahrzeuge – insbesondere durch Elektrifizierung, Software und automatisiertes Fahren. Das erfordert tiefgreifende interdisziplinäre Expertise. EDLs entwickeln sich dadurch zu Innovationspartnern, die nicht nur umsetzen, sondern gerade in der Entwicklungsmethodik neue Impulse und Maßstäbe setzen.

Harald Keller

ist seit 1. Juli 2024 CEO der EDAG Group und seit 1. Juni 2019 Geschäftsführer der EDAG Engineering GmbH. Zwischen 1995 und 2007 war er bei EDAG bereits in verschiedenen Funktionen tätig. Von 2007 bis 2010 war Keller Geschäftsführer bei der Frimo Group, von 2011 bis 2013 Geschäftsführer bei F.S. Fehrer und von 2013 bis 2016 Geschäftsführer (CEO) der MBtech Group, sowie Akka Deutschland. 2017 übernahm er die Segmentleitung Vehicle Engineering bei EDAG.

(ID:50454132)

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung