ZF Sachs Hybridmodule aus Schweinfurt
Hybridmodule für Autos, Lastwagen und Busse kommen künftig aus dem ZF-Sachs-Werk in Schweinfurt. ZF ist damit der erste europäische Zulieferer, der Hybridmodule in Serie produziert.
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Der ZF-Vorstandsvorsitzende Hans-Georg Härter und Wirtschaftsminister Michael Glos haben am Mittwoch in Schweinfurt die erste industrielle Produktionsstätte Deutschlands für Hybridantriebsmodulen offiziell eröffnet. Ab dem vierten Quartal 2008 will ZF Sachs die Serienproduktion aufnehmen und Hersteller von Pkw, Bussen und Lieferfahrzeugen beliefern. ZF ist damit der erste europäische Automobilzulieferer, der Hybridmodule in Serie produziert.In der neuen Produktionshalle werden mit einer Produktionsfläche von 1.200 Quadratmetern werden im Moment Freigabemuster produziert. Erster Kunde wird Mercedes-Benz sein, das die Hybridmodule in der neuen Mercedes-S-Klasse einsetzt. Die Serienprodukte sollen unter dem Namen Dynastart ausgeliefert werden.
Mittelrückfluss noch nicht garantiert
Derzeit gebe es insgesamt acht Serienentwicklungsprojekte für vier Fahrzeughersteller, die zwischen 2008 und 2012 ihren Produktionsstart haben werden, teilte ZF mit. Das Unternehmen plant den Serienanlauf zunächst mit einer Kapazität von insgesamt 35.000 Einheiten pro Jahr. Das Produktionsvolumen könne bis zu 200.000 Einheiten jährlich erweitert werden. Wobei Dr. Michael Paul, ZF-Technik-Vorstand und Leiter des Unternehmensbereichs Pkw-Antriebstechnik, gegenüber »Automobil Industrie« einräumte, dass „der Mittelrückfluss heute noch nicht eindeutig gerantiert werden kann.“
„Hybrid wird sich durchsetzen“
„Wir sind überzeugt davon, dass sich die Hybridtechnologie in den kommenden Jahren stärker durchsetzen wird, weil sie sich nicht nur für die Umwelt, sondern auch für die Autofahrer rechnet“, so Hans-Georg Härter. Bundeswirtschaftsminister Michael Glos würdigte in seiner Rede die Bedeutung der Hybridtechnologie als Zukunftsindustrie, die einen wichtigen Beitrag zur notwendigen CO2-Reduzierung leisten kann. Es sei erfreulich, dass ein deutsches Technologieunternehmen mit einem ausgereiften Produkt eine wichtige Position in diesem Zukunftsmarkt besetzt. Der ZF-Konzern will im laufenden Jahr nach eigenen Angaben mehr als 58 Millionen Euro in die Entwicklung der Hybridtechnologie investieren.
Einsparungen bis 30 Prozent
Die von ZF Sachs, dem Unternehmensbereich Antriebs- und Fahrwerkkomponenten der ZF Friedrichshafen AG, in Schweinfurt gefertigten Elektromotoren seien speziell für die Integration in den Antriebsstrang entwickelt und seien für Parallelhybridantriebe besonders geeignet. Mit diesem Konzept ließen sich Kraftstoffeinsparungen und Emissionssenkungen von bis zu 30 Prozent erzielen, je nachdem, ob das Fahrzeug mit einem Mild-Hybrid oder einem Voll-Hybridsystem ausgestattet werde.
„Dynastart“ mit klassischen Hybrid-Funktionalitäten
Verantwortlich dafür sind die klassischen Hybrid-Funktionalitäten, die sich mit dem Dynastart von ZF Sachs umsetzen lassen: Bei der Start-Stopp-Funktion wird der Verbrennungsmotor im Stillstand ausgeschaltet, der Elektromotor fährt den Wagen an und schaltet den Verbrennungsmotor erst bei einer optimalen Drehzahl wieder zu. Der von ZF Sachs entwickelte Elektromotor kann das Fahrzeug auch bremsen, dabei wandelt er als Generator Bewegungsenergie in Strom um, der in der Batterie gespeichert werden kann („Rekuperation“). Außerdem unterstützt das drehmomentstarke Modul unter Nutzung der zwischengespeicherten Energie beim Beschleunigen den Verbrennungsmotor, so dass auch die Fahrfreude nicht zu kurz kommt („Boost“).
Parallelhybrid günstiger
Da beim Parallelhybrid – anders als bei den komplexeren Konzepten des seriellen und des leistungsverzweigten Hybrids – nur ein Elektromotor Leistung in den Antriebsstrang einspeist, und da dies parallel zum Verbrennungsmotor geschieht, könne der Motor bei gleichem Einsparpotenzial kleiner dimensioniert und das System insgesamt günstiger, so ZF weiter.
Leistungsdichte und Schwingungsdämpfung
Je nach Einsatzzweck und Kundenwunsch will ZF Hybridmodule mit einer Leistung zwischen 10 und 100 kW sowie einem maximalen Drehmoment von 100 bis 1000 Nm herstellen. In der Mild-Hybrid-Variante soll der Dynastart den Start-Stopp-Betrieb sowie Rekuperation ermöglichen.
Da die Elektromotoren zwischen Motor und Getriebe auf der Kurbel- oder Getriebeeingangswelle angebracht sind, war bei der Entwicklung des Dynastart das Know-how bei der Schwingungsdämpfung wesentlich. Das Hybridmodul ist auf bestehende Bauraumverhältnisse und auf die Schwingungs- und Taumelbewegungen angepasst, wie sie im Antriebsstrang von Diesel- und Benzinmotoren entstehen.
Hausinterne Kunden
Neben internationalen Herstellern wollen auch andere Unternehmensbereiche des ZF-Konzerns auf die Kernkomponente aus Schweinfurt zurückgreifen, um Getriebe für Pkw und für Nutzfahrzeuge mit Hybridtechnologie anzubieten.
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