Schaeffler positioniert sich mit innovativen Produkten in den Bereichen Software, Elektronik, Antriebsstrang, Fahrwerk und Karosserie als wichtiger Partner bei der Entwicklung künftiger Mobilitätslösungen. Durch den Zusammenschluss mit Vitesco Technologies ist nicht nur das Produktportfolio gewachsen, sondern auch die Systemkompetenz und Integrationstiefe.
Schaeffler entwickelt und produziert jetzt für die Hinterachslenkung die Sensorik unternehmensintern und integriert ab sofort eine eigenentwickelte Powerpack-Lösung.
(Bild: Schaeffler)
Schaeffler hat sich als Automobilzulieferer ähnlich stringent wie die Medienmarke »Automobil Industrie« entwickelt. Zwei Meilensteine mögen dies illustrieren: Vor knapp 80 Jahren, im Frühjahr 1946, gründeten die Schaeffler-Brüder in Herzogenaurach die Industrie GmbH und legten damit den Grundstein der heutigen Schaeffler Gruppe. Zudem feiert der Schaeffler-Standort Bühl, das Herz des Schaeffler-Automotive-Geschäfts, in diesem Jahr sein 60-jähriges Bestehen (April 1965 als LuK GmbH & Co. KG gegründet).
2025 ist Schaeffler nach dem Zusammenschluss mit Vitesco Technologies mehr denn je ein wichtiger Partner der Automobilindustrie auf dem Weg hin zu einer elektrifizierten, automatisierten, intelligenten und vernetzten Zukunft. Denn durch die Einbindung des Know-hows von Vitesco Technologies in den Bereichen Elektronik und Software hat Schaeffler seine Kompetenzen in der Elektromobilität erweitert und kann nun vollständige Systemlösungen aus einer Hand anbieten. Mit insgesamt acht Produktfamilien unterstützt Schaeffler seine Partner bei den Herausforderungen im globalen Wettbewerb; im Fokus des Automotive-Geschäfts stehen zum Beispiel folgende Produktfelder:
Elektrifizierung des Antriebsstrangs: Schaeffler kombiniert mechanische Subsysteme, Elektronik und intelligente Software zu effizienten, modularen Antriebsstranglösungen.
Fahrwerk und Karosserie: Hier bietet Schaeffler Lösungen, die Fahrdynamik, Sicherheit und Fahrkomfort für die automatisierte Mobilität der Zukunft optimieren.
Software Defined Vehicle (SDV): Schaeffler arbeitet an modernen Bordnetzen und Zonenarchitekturen, die das elektronische Rückgrat der SDV von morgen bilden.
Ein intelligentes Schaeffler-Produkt für die Mobilitätsanforderungen von morgen ist das Hinterachs-Lenksystem. Es wird seit Frühjahr 2025 für einen deutschen Automobilhersteller im Schaeffler-Werk in Kysuce (Slowakei) in Serie gefertigt. Insgesamt hat Schaeffler damit die Fertigung der Hinterachslenkung in Europa, China und Nordamerika für insgesamt sieben Fahrzeuge verschiedener Hersteller aufgenommen. Sechs weitere Fahrzeugnominierungen stehen bis 2027 an.
Schaeffler entwickelt und produziert jetzt für die Hinterachslenkung die Sensorik unternehmensintern und integriert ab sofort eine eigenentwickelte Powerpack-Lösung.
(Bild: Schaeffler)
Die Hinterachslenkung ist ein Paradebeispiel für die gestiegene vertikale Integration. „Die gewonnene Expertise bei Elektronik und Sensorik sowie die höhere Wertschöpfungstiefe durch zusätzliche Komponenten verkürzt Entwicklungszyklen und stärkt unsere Systemkompetenz“, sagt Clément Feltz, Leiter des Unternehmensbereichs Chassis Systems bei Schaeffler. Die kompakte Bauweise der Hinterachslenkung beruht auf der Präzisionsmechanik mit Planetenwälzgewindetrieb und dem Powerpack mit Elektronik, E-Motor und Software. Der Planetenwälzgewindetrieb wandelt die Drehbewegung des Elektromotors mit geringer Reibung und somit einem sehr hohen Wirkungsgrad in Lenkbewegungen der Schubstange um. Das ist laut Clément Feltz ein technologisches Alleinstellungsmerkmal gegenüber Wettbewerbssystemen.
Mit einer Bewegung offen
Eine weitere Frucht der Integration ist das Sensormodul zum berührungslosen Aktivieren des Kofferraumdeckels oder der Schiebetüren. „Schaeffler bietet mit dem Hands Free Access Sensor eine wichtige Komponente für Komfortsysteme zum intuitiven Zugang an“, sagt Leif Reinhold, Leiter des Unternehmensbereichs Powertrain Solutions bei Schaeffler und verantwortlich für das Sensor-Portfolio. „Wir produzieren den Hands Free Access Sensor bereits seit Ende 2024 in Serie – in Europa für große europäische Automobilhersteller.
Durch seine ausgeklügelte und sehr einfache Konstruktion ist der Sensor leicht zu installieren und kann an verschiedene Fahrzeuge und Plattformen angepasst werden, selbst in Kombination mit einer Anhängerkupplung. Der Sensor mit Doppler-Radartechnik ist im unteren Bereich des Heckstoßfängers angebracht und arbeitet im 24-GHz-Frequenzbereich. Das sorgt für eine hohe Robustheit und konstante Leistung – selbst bei Regen, Schnee oder hohen beziehungsweise niedrigen Temperaturen. Der Sensor analysiert sowohl die Geschwindigkeit als auch die Richtung der Bewegung und gewährleistet mithilfe von künstlicher Intelligenz eine zuverlässige Erkennung in einer Erfassungsbreite von 60 Zentimetern.
Modular und skalierbar
Bei seinen E-Achsen profitiert Schaeffler ebenfalls von den Synergieeffekten. Für den elektrischen Achsantrieb Electric Motor Reducer (EMR4) steuern die Unternehmensteile der ehemaligen Vitesco Technologies den E-Motor und den Inverter inklusive der Software bei. Das Gehäuse und das Getriebe inklusive Parksperreinheit sind traditionell Schaeffler-Komponenten. Beim Motor der EMR4-Achse kann der Kunde wählen: entweder er setzt auf einen permanentmagneterregten E-Motor, oder auf eine elektrisch erregte Synchronmaschine. Beide haben ihre bevorzugten Einsatzbereiche und Vorteile und sind nach dem Plug-and-Play-Prinzip in die restliche E-Achsen-Architektur integrierbar.
„Um weiterhin konsequent den Bedürfnissen des Marktes zu entsprechen, arbeiten wir an hochinteressanten Weiterentwicklungen für mehr Wirtschaftlichkeit, funktionale Integration und an neuen E-Antriebs-Topologien“, sagt André Metzner, Leiter des Unternehmensbereichs E-Drives bei Schaeffler. „Damit wollen wir unsere Position als bevorzugter Systemlieferant weiter stärken.“
Künftig wird das Fahrerlebnis durch vorrangig softwaregestützte Funktionen geprägt. Deshalb arbeitet Schaeffler an Bordnetzen und Zonenarchitekturen, die das elektronische Rückgrat der SDV von morgen bilden. Eine zentrale E/E-Architektur für Steuergeräte und Energieversorgung ist der entscheidende Enabler für SDV und ermöglicht erhebliche Kosteneinsparungen durch die Zentralisierung. Dank dieser Architektur können Software-Updates im Fahrzeug mit hoher Frequenz, etwa per Over-the-Air-Update, durchgeführt und Fahrzeugeigenschaften auf dem neuesten Stand gehalten werden.
„Die stetig steigende Komplexität der Software erfordert neue, virtuelle Entwicklungsmethoden, die eine deutlich kürzere Auslieferungszeit an den Kunden ermöglichen“, sagt Gerd Rösel, Leiter Innovation E-Mobility bei Schaeffler. „Dies geht Hand in Hand mit starken Partnerschaften sowie der Mitarbeit in Gremien zur Standardisierung – beispielsweise als Brücke zu Open-Source-Lösungen. Dadurch eröffnen sich neue Geschäftsmodelle, insbesondere im Bereich Service und Software.“
Interview mit Matthias Zink und Thomas Stierle
Welche Impulse hat die Integration von Vitesco Technologies für das Geschäftsfeld Powertrain & Chassis gegeben?
Herr Zink: Die gewonnene Expertise in den Bereichen Elektronik, Sensorik und Aktorik führt zu einer höheren Wertschöpfungstiefe. Dadurch erhöhen wir unsere Systemkompetenz und können Entwicklungszyklen verkürzen.
Welche Impulse hat die Integration für das Geschäftsfeld E-Mobility gegeben?
Herr Stierle: Durch die Verbindung unserer mechanischen und elektronischen Kompetenzen im E-Mobility-Bereich bündeln wir Schlüsseltechnologien unter einem Dach. Das vielseitigere Portfolio macht uns besonders flexibel und wettbewerbsfähig.
Was hat Schaeffler zum Einstieg in das Bordnetz-Segment bewogen?
Herr Stierle: Das Bordnetz entwickelt sich von einer mechanischen zu einer elektronischen Lösung mit höheren Anforderungen an Verfügbarkeit und Flexibilität. Dadurch wächst der Bedarf an elektronischen Komponenten und intelligentem Management. Durch unsere Elektronik- und Softwarekompetenz können wir diese neuen Lösungen anbieten.
Welche Innovationen werden den E-Antrieb mittelfristig weiter voranbringen?
Herr Stierle: Mittelfristig treiben neue Materialien, integrierte Powermodule und modulare Bauweisen den E-Antrieb voran.
Das Interview führte Hartmut Hammer
Matthias Zink | Vorstand Powertrain & Chassis
(Bild: Schaeffler)
Thomas Stierle | Vorstand E-Mobility
(Bild: Schaeffler)
(ID:50523107)
Stand: 08.12.2025
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