Correctiv-Recherche Ex-Siemens-Chef warnt vor Folgen für die Wirtschaft

Von Thomas Günnel 2 min Lesedauer

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Der frühere Siemens-Chef Joe Kaeser warnt im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland vor den Gefahren rechtsradikaler Parteien an der Macht – und ruft Unternehmen dazu auf, Stellung zu beziehen.

Joe Kaeser, Vorstand von Siemens Energy, warnt vor den Folgen für die deutsche Wirtschaft, wenn rechte Parteien an die Macht kommen.(Bild:  Siemens AG)
Joe Kaeser, Vorstand von Siemens Energy, warnt vor den Folgen für die deutsche Wirtschaft, wenn rechte Parteien an die Macht kommen.
(Bild: Siemens AG)

Der ehemalige Siemens-Vorstand Joe Kaeser hat im Interview mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) vor rechtsradikalem Gedankengut gewarnt, und vor den Folgen für die Wirtschaft und damit den Wohlstand Deutschlands. Gefragt nach einem drohenden Wohlstandsverlust sagte Kaeser: „Er wäre bedeutend und gefährdet genau die Jobs, die die Radikalen vorgeben schützen zu wollen, nämlich die im Inland.“

Kaeser begründet das mit dem Kippen des Exportmodells. „Die Erfolgsformel unseres Wohlstands ist aber der Export“, sagte Kaeser. Unternehmen müssten ohne dieses Modell stärker in Wachstumsmärkten investieren. Das aber könnte der Mittelstand nur schwer leisten. Generell sieht Kaeser Investoren und Fachkräfte abgeschreckt, „Ohne Kunden, Partner und Investoren im und aus dem Ausland gibt es keinen Wohlstand in Deutschland“.

EU-Austritt bedeutet Verlust des Wohlstands

Manager anderer Unternehmen nimmt Joe Kaser in die Pflicht: „Führende Manager großer und global agierender Unternehmen haben meines Erachtens die Pflicht, auf die Zusammenhänge zwischen Wohlstand, Wirtschaft, Wachstum, Arbeitsplätzen und internationaler Zusammenarbeit hinzuweisen und sie den Menschen verständlich zu erklären“, sagte er dem RND.

Vor einem Austritt Deutschlands aus der EU – ein Szenario, das AfD und auch die Wagenknecht-Partei immer wieder ansprechen – warnt Kaeser: „Das hätte verheerende Folgen vor allem auch für Landwirte. Über ein Drittel der EU-Subventionen gehen in die Landwirtschaft. Ein Abschneiden dieser Quellen katapultiert deutsche Bauern ins Nirgendwo. Wer solche Parteien wählt, entscheidet sich für den Verlust des Wohlstands unseres Landes und seiner Bürger.“

„Wir dürfen nicht müde werden, auf die Konsequenzen hinzuweisen“

Mit Blick auf die Demonstrationen, bei denen in den vergangenen Tagen in etlichen Städten und Gemeinden in Deutschland Menschen gegen rechte Parteien auf die Straße gingen, sagte Kaeser: „Wir dürfen nicht müde werden, darauf hinzuweisen, welche Konsequenzen die Wahl von nationalpopulistischen Parteien haben kann. Und damit meine ich für unser gesellschaftliches Miteinander und ganz besonders auch, dass unser Wohlstand bedroht ist. Das gilt für alle extremen politischen Spektren, egal, ob von links oder rechts.“

Kaeser rief dazu auf, jetzt aktiv zu werden und fordert von deutschen Unternehmen klare Bekenntnisse gegen rechts: „Nach 1933 gab es eine Zeit, in der die wirtschaftliche und gesellschaftliche Elite noch Position gegen den Kurs des Nazi-Regimes hätte beziehen können“, sagte der Topmanager der Nachrichtenagentur Reuters. Damals hätten aber die meisten geschwiegen. „Diesen Fehler dürfen wir nicht wiederholen. Ich mache mir wirklich Sorgen um unsere Demokratie.“

Das vollständige Interview mit Joe Kaeser ist beim Redaktionsnetzwerk Deutschland verfügbar.

Hintergrund

Die Rechercheplattform Correctiv hatte einen Bericht zu einem Geheimtreffen von AfD-Politikern, Neonazis und Unternehmern veröffentlicht. Deren Ziel laut der Recherche: Einen Plan erarbeiten, um Millionen Menschen, vor allem solche mit Migrationshintergrund, aus Deutschland zu vertreiben. Seitdem demonstrierten deutschlandweit hunderttausende Menschen gegen rechtspopulistische Parteien.

Über Joe Kaeser

Joe Kaeser ist Diplom-Betriebswirt und seit 1980 bei Siemens. Nach Stationen als Kaufmännischer Leiter wurde Kaeser 2006 als Finanzchef in den Vorstand berufen. Diese Position behielt er bis zum Jahr 2013. Anschließend war Joe Kaeser bis 2021 Vorsitzender des Vorstands der Siemens AG. Seit dem Jahr 2021 ist Kaeser Aufsichtsratsvorsitzender von Siemens Energy und Daimler Truck, außerdem Mitglied im Board of Directors von NXP Semiconductors und Linde.

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