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Wiederaufstieg durch die „Neue Klasse“
Denn die Münchner übernahmen den insolventen Konkurrenten Glas im Jahr 1966 und als 1,2-Liter-Modell hätte die Baureihe mit dem Code E114 ohnehin keine Maßstäbe setzen können in jenen PS-hungrigen Jahren. So sparte sich BMW die Entwicklungskosten für neue Motoren und einen Viertürer. Stattdessen spendierte der BMW-Vorstand dem Zweitürer das 63 kW/85 PS freisetzende 1,6-Liter-Triebwerk aus dem bisherigen viertürigen BMW 1600 der sogenannten Neuen Klasse. Die „Neue Klasse“ (Typen 1500 bis 2000) hatte gerade das Geld für BMWs Wiederaufstieg zu beachtlicher Größe erwirtschaftet, entsprechend sinnvoll war es, den Modellbaukasten kostengünstig durch eine Gleichteilestrategie zu erweitern.
Deshalb übernahm der BMW 1600-2 auch das aufwändige Fahrwerkskonzept mit Einzelradaufhängung vorn und hinten sowie die vorderen Scheibenbremsen. Dazu passte die Vmax von 166 km/h und 12,3 Sekunden für den Sprint auf Tempo 100, denn damit ermöglichte der billigste BMW Freude am Fahren wie in einer höheren Klasse. Konnten sich doch auf der Autobahn nicht einmal Oberklasse-Sechszylinder wie der Opel Admiral von dem bayerischen Temperamentsbolzen absetzen. Der übrigens auch Renngeschichte schrieb. BMW-Ingenieur Ludwig Apfelbeck kreierte aus dem Vierzylinder schon 1966 einen über 200 PS starken Vierventil-Treibsatz für die Formel 2, der wiederum noch 1980 als Basis für einen 1.300 PS starken Formel-1-Motor im Brabham-BMW diente. Damit erkämpfte Nelson Piquet den Weltmeistertitel. Vor allem aber brillierten die 02er in Rundstreckenrennen. Ob als Tourenwagen-Europameister oder als Kundenfahrzeug für private Rennställe, der BMW 2002 war ein Dominator. Unter Jean Todt und Achim Warmbold übrigens auch bei Läufen zur Rallye-Europa- und Weltmeisterschaft.
Der BMW 2002 turbo kommt in Serie
Im Straßenprogramm lauteten die nächsten Zündstufen BMW 1600 ti (77 kW/105 PS aus Doppelvergaseranlage, ab 1967), im Folgejahr BMW 2002 mit 74 kW/100 PS und BMW 2002 ti mit 88 kW/120 PS sowie ab 1971 der legendäre BMW 2002 tii (Einspritzer mit 96 kW/130 PS). Schließlich der Überflieger der Superlative mit 125 kW/170 PS, der auf der IAA 1973 für Aufregung sorgte: 2002 turbo nannte sich die erste europäische Serienlimousine mit Abgasturbolader, die ihren Namen provozierend in Spiegelschrift auf dem Frontspoiler trug. Ein Attribut, auf das der 210 km/h schnelle Autobahnfeger in Serienversion verzichten musste, schließlich bestimmten Ölkrise und Tempolimit-Diskussionen damals den Autoalltag. Und so wurde der mit Preisen von über 20.000 Mark astronomisch teure 2002 turbo nach nur zehn Monaten Bauzeit und gerade einmal 1.672 Einheiten wieder eingestellt.
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