Automobilindustrie Kommentar: E-Autos als Wahlkampfthema

Von Claus-Peter Köth 2 min Lesedauer

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Die konservativen Parteien machen in Europa Wahlkampf mit der Rücknahme des Verbrenner-Verbots. In den USA poltert Donald Trump gegen die E-Mobilität. Die Industrie hält das für gefährlich.

Claus-Peter Köth ist Chefredakteur von »Automobil Industrie«. (Bild:  Stefan Bausewein)
Claus-Peter Köth ist Chefredakteur von »Automobil Industrie«.
(Bild: Stefan Bausewein)

Vergangene Woche flatterte Luca de Meos „Brief an Europa“ in mein Postfach. In diesem 20-seitigen Dokument wendet sich der Renault-CEO an alle Akteurinnen und Akteure des europäischen politischen Lebens. Wenige Wochen vor den Europawahlen ruft er zu einer europäischen Mobilisierung auf, um die Energiewende in der Automobilindustrie gemeinsam zu meistern.

Vor allem die Antriebsfrage spaltet die Gesellschaft. In Deutschland drängen CDU/CSU darauf, das umstrittene Verbrenner-Aus der EU ab 2035 rückgängig zu machen. Zeitweise hieß es sogar, die Kommissionspräsidentin und EVP-Spitzenkandidatin Ursula von der Leyen wolle das Verbrennerverbot kippen.

Tatsächlich gibt es auf EU-Ebene bisher keine Anzeichen für eine Planänderung: Die Gremien wollen wie vereinbart 2026 eine Bilanz ziehen und dann gegebenenfalls nachbessern.

Die Industrie will kein Comeback der Verbrenner

Die Autoindustrie will die (komplette) Zurücknahme des Verbrennerverbots ohnehin nicht – auch wenn die Nachfrage nach E-Autos gerade etwas schwächelt. Die Verschnaufpause – mit einem steigenden Absatz von Verbrennern und Hybridfahrzeugen – dürfte der Branche hierzulande allerdings helfen, dringend benötigtes Geld für die E-Transformation zu verdienen.

VW-Technikvorstand Thomas Schmall warnt heute ( 28. März) im „Manager Magazin“ sogar vor einem Comeback der Verbrenner. Man dürfe nicht beim ersten Gegenwind alles infrage stellen. Es bestehe die Gefahr, dass man dann den Anschluss an die chinesischen und amerikanischen Wettbewerber verliere.

Auch EU-Sanktionen für E-Autos aus China – sei es wegen handelsverzerrender Subventionen oder „Datenschutz-Bedenken“ – werden von der Industrie in der Mehrheit nicht befürwortet. Mercedes-Chef Ola Källenius hat hier jüngst die EU sogar aufgefordert, die Zölle auf importierte E-Autos aus China zu senken. Die starke Konkurrenz helfe den europäischen OEMs, bessere Autos zu produzieren, sagte er. Protektionismus führe generell nicht zu langfristigem Erfolg.

Auch Trump wird die E-Transformation nicht stoppen

Auf der anderen Seite des Atlantiks sieht das der republikanische Präsidentschaftskandidat Donald Trump wenig überraschend anders. Wenn er nicht gewählt werde, werde es ein wirtschaftliches Blutbad für die US-amerikanische Autoindustrie und ihre Arbeiter geben, sagte er kürzlich auf einer Wahlkampfveranstaltung in Ohio. Er werde jedes einzelne von China in Mexiko gebaute Auto mit einem 100-prozentigen Zoll belegen, polterte er.

Trump mag keine E-Autos. Doch auch er werde die E-Transformation in den USA nicht stoppen können, allenfalls einbremsen, sagte Henner Lehne, Marktanalyst bei S&P Global Mobility, gegenüber „Automobil Industrie“. Regulatorische Änderungen ließen sich nun einmal nicht im Handstreich vollziehen.

Auch in den USA ist die Zukunft der E-Mobilität längst eine politische Story. Mehr dazu nächste Woche – in der Titelgeschichte unserer neuen Print-Ausgabe und auf LinkedIn. Bis dahin: Frohe Ostern!

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