Super E20 könnte Ende des Jahrzehnts Super E10 an der Tankstelle ablösen. Technisch gibt es dabei keine Probleme – und einige Vorteile.
Zugelassen für Super E20: Der Kraftstoff könnte an Tankstellen Ende des Jahrzehnts den bisherigen Super E10 ablösen.
(Bild: Wolfgang Kröger/Autoren-Union Mobilität)
Obwohl nahezu alle Benzinmotoren Super E10 vertragen, greift nur etwa jeder dritte Autofahrer zur günstigeren und klimafreundlicheren Variante. Mit der absehbaren Einführung von E20 könnte sich diese Zurückhaltung als noch kostspieliger erweisen — finanziell und ökologisch.
Auf dem Berliner Kongress „Kraftstoffe der Zukunft“ wurde deutlich: Automobil- und Energieindustrie treiben bereits die nächste Entwicklungsstufe voran. Benzin mit bis zu 20 Prozent Ethanolanteil soll ab Ende des Jahrzehnts an europäischen Tankstellen verfügbar sein. Volkswagen positioniert sich dabei früh.
Mehr Oktan, weniger CO2
E20 verspricht gleich mehrere Vorteile: eine höhere Oktanzahl, verbessertes Leistungsvermögen und eine spürbare Reduzierung der CO2-Emissionen. Dennoch halten sich Vorbehalte gegenüber Ethanol hartnäckig.
Fachleute aus der Automobilindustrie sehen das anders. Höhere Ethanolanteile gelten als kurzfristig realisierbarer Baustein zur Defossilierung des Verkehrs. Entsprechend zählte Ethanol zu den wichtigen Themen des Kongresses, an dem mehr als 600 Vertreter aus Industrie, Energiewirtschaft und Wissenschaft teilnahmen.
Freigaben der Hersteller zu E20
BMW und Mercedes-Benz haben bereits große Teile ihrer Modellpaletten für höhere Ethanolanteile freigegeben. Volkswagen geht nun einen Schritt weiter. Wie aus einem konzernintern abgestimmten Schreiben hervorgeht, sind alle Ottomotoren der Marken VW, Audi, Skoda, Seat, Cupra und VW Nutzfahrzeuge ab Modelljahr 2016 technisch für Super E20 ausgelegt. Mit der geplanten Markteinführung – derzeit für 2027 oder 2028 erwartet – sollen diese Fahrzeuge offiziell rückwirkend freigegeben werden.
Technische Ausnahme bei E20
Ausgenommen sind ausschließlich besonders leistungsstarke Zwei-Liter-Vierzylinder (EA888) mit mehr als 221 kW/300 PS. Diese Aggregate wurden für maximale Performance mit Super Plus ROZ 98 E5 ausgelegt. Technisch wäre eine Anpassung möglich – im Motorsport wird E20 sogar zur Leistungssteigerung genutzt. Für Serienfahrzeuge ist aber keine Umrüstung vorgesehen.
Alle übrigen Benzinmotoren der genannten Marken erfüllen die Voraussetzungen. Selbst Hochleistungsmodelle wie Audi RS 6 oder R 8 sind nicht betroffen, da die Einschränkung ausschließlich den 2,0-Liter-Hochleistungsmotor betrifft.
Praxistests mit E20 laufen bereits
Im Rahmen von Erprobungsprojekten wird E20 in Deutschland bereits getestet. Tankstellen in Mannheim und Gießen stellen den Kraftstoff derzeit Flottenkunden zur Verfügung. Der Preis liegt dabei bis zu fünf Cent unter dem von E10. Ein Grund: Der Ethanolanteil ist von der CO2-Abgabe befreit, da er aus Biomasse gewonnen wird, die während ihres Wachstums CO2 aus der Atmosphäre bindet.
Bedeutung von E20 für E-Fuels
Ethanol spielt bei synthetischen Kraftstoffen eine wichtige Rolle. Als Oktanzahlbooster ist es ein zentraler Bestandteil künftiger E-Fuel-Mischungen. Wie leistungsfähig solche Kraftstoffe sein können, demonstriert Volkswagen im Motorsport: Mit dem nachhaltigen Shell-Kraftstoff E20 R 60 erzielten Fahrzeuge des Rennteams Max Kruse Racing beim 24-Stunden-Rennen auf dem Nürburgring Klassensiege und Topplatzierungen.
Der VW Golf R Refuel fährt ausschließlich mit erneuerbaren Kraftstoffen. Damit zeichnet sich der Weg zum „Carbon Neutral Fuel Only“-Fahrzeug bereits ab.
E20 hat höhere Klopffestigkeit
E20 bietet nicht nur ökologische Vorteile. Durch die höhere Klopffestigkeit lassen sich Leistung und Wirkungsgrad steigern. Laut VW-Entwicklungschef Thomas Garbe konnte beim Refuel-Golf die Leistung gegenüber der Serie deutlich erhöht werden — Experten gehen von rund 380 PS aus. Serienmäßig leistet der Golf R 333 PS. Der höhere Ethanolanteil wirkt somit als Effizienz- und Performance-Booster.
Politik entscheidet über Markteinführung von E20
Technisch sind die Voraussetzungen geschaffen: Fahrzeuge sind freigegeben, Kraftstoff verfügbar, und mit DIN/CEN TS 18227 existiert bereits eine Spezifikation. Für die breite Einführung müssen EU und nationale Gesetzgeber lediglich regulatorische Grenzwerte anpassen.
Ob die politischen Prozesse ebenso schnell voranschreiten wie die technische Entwicklung, bleibt abzuwarten. Fest steht: Mit E20 könnte sich an der Zapfsäule ein weiterer Schritt in Richtung klimaverträglicher Individualmobilität vollziehen — ohne auf Leistung oder Alltagstauglichkeit zu verzichten.
Stand: 08.12.2025
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