Harman Becker Kurzarbeit und Stellenabbau

Redakteur: Bernd Otterbach

Nach der angekündigten Streichung von bundesweit 950 Stellen bei Harman Becker erwägt die Geschäftsführung des Radio- und Kommunikationssystem-Herstellers jetzt auch Kurzarbeit.

Wie das Unternehmen am Freitag in Karlsbad bei Karlsruhe mitteilte, werde mit dem Betriebsrat über Kurzarbeit als „temporär ergänzende Maßnahme“ verhandelt. Um dauerhafte Umsatzrückgänge zu kompensieren und Kosten einzusparen, reiche dies jedoch nicht aus. „Kurzarbeit bringt nicht die benötigten nachhaltigen Kosteneffekte, verursacht weitere Kosten und kann als temporär ergänzende Maßnahme dauerhaft zukunftssichernde Maßnahmen nicht kompensieren“, sagte der Chef von Harman Becker Automotive Systems, Klaus Blickle.

Welche der insgesamt 3.800 Arbeitsplätze in Deutschland gestrichen werden, wurde auch am Freitag nicht bekanntgegeben. Eine Unternehmenssprecherin ging davon aus, dass die Entscheidung erst Ende März getroffen wird. Derzeit wird noch mit dem Betriebsrat verhandelt.

Aus für externe Dienstsleister

Die Stellenstreichungen sollen alle Standorte in Deutschland betreffen. Das Unternehmen will bis zum Ende des Geschäftsjahres 2010 die Verträge „mit nahezu allen externen Dienstleistern“ beenden. Daneben sei Harman Becker aber auch gezwungen, die Belegschaft um rund 20 Prozent zu reduzieren. Harman Becker hat bundesweit zehn Standorte, allein am Firmensitz in Karlsbad arbeiten 1.500 Beschäftigte. Die Gewerkschaft IG Metall schließt größere Protestaktionen gegen den Stellenabbau nicht aus.

Umsatzeinbruch und Verluste

Das Unternehmen hat den geplanten Abbau mit einem massiven Umsatzeinbruch begründet. 550 Stellen sollen bis Ende Juni diese Jahres abgebaut werden, weitere 400 im Jahr 2010. Im ersten Halbjahr des Geschäftsjahres 2008/09 (Juli 2008 - Juni 2009) musste das Unternehmen nach eigenen Angaben einen Umsatzeinbruch „im dreistelligen Millionenbereich“ hinnehmen. Nach einem positiven Betriebsergebnis im ersten Quartal habe das Unternehmen im zweiten Quartal einen operativen Verlust von 23 Millionen Dollar (rund 18 Millionen Euro) verzeichnet.

10 Standorte in Deutschland

Becker war 1995 vom US-Konzern Harman International übernommen worden. Unter dem Namen Harman Becker ist die Automobilsparte des US-Unternehmens gebündelt mit einem Jahresumsatz von 2,9 Milliarden Dollar. Die weltweit 8.000 Beschäftigten dieser Sparte - in Deutschland: Karlsbad, Filderstadt, Hamburg, Hechingen, Hildesheim, München, Schaidt, Straubing, Ulm und Villingen-Schwenningen - stellen Radio- und Kommunikationssysteme für Autos her.

dpa

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