MVI Group Leichtbau-Kompetenz durch Motorsport
Mit einem Start beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 2010 am 12. und 13. Juni will das Münchner Entwicklungs- und Beratungshaus MVI Group seine Kompetenz im automobilen Leichtbau erweitern.
Anbieter zum Thema
Der Entwicklungsdienstleister für die internationale Automobilindustrie ist dazu eine Kooperation mit dem Siegburger Rennsport-Team Kruse-Schiller-Motorsport KSM eingegangen. Als „strategische Partnerschaft“ bezeichnet Rainer Kurek, Geschäftsführer der MVI Group, die kürzlich vereinbarte enge Zusammenarbeit. Dabei soll die industrielle Kompetenz der MVI Group mit ihren über 1.200 Ingenieuren mit dem Motorsport-Knowhow von KSM verschmelzen. Die Ziele: Den Erfolg von KSM im internationalen Wettbewerb der Le Mans-Serie ausbauen und der MVI Group wertvolle Knowhow-Vorteile im automobilen Leichtbau zu sichern.
Beim 24-Stunden-Rennen von Le Mans 2010 am 12. und 13. Juni werden beide Unternehmen bereits gemeinsam als Team KSM-MVI mit einem Lola Spyder in der LMP2-Klasse an den Start gehen.
Leichtbau als Weg aus der automobilen CO2-Krise
Während die Autoindustrie unter dem Druck von Politik, Öffentlichkeit und Kunden den Verbrauch und die CO2-Emission ihrer Fahrzeuge mit Hilfe von alternativen Antrieben in herkömmlichen Fahrzeugstrukturen zu drosseln versucht, setzt Kurek stattdessen auf konsequenten Leichtbau und damit weniger Gewicht. „Heutige Fahrzeuge sind viel zu schwer“, hält Kurek der Autoindustrie vor. Kurek sieht „30 Prozent weniger Gewicht als realistisches Ziel“, um Verbrauch und Emissionen heutiger Autos mit klassischem Antrieb in überschaubarer Zeit drastisch zu senken.
„Es ist eine Frage der geometrischen Strukturen und der Werkstoffe“, betont Kurek und fordert bei künftigen Fahrzeugkonzepten ein radikales Umdenken in den Entwicklungsabteilungen. Denn selbsttragende Karosserien sowie aufwendige und teure Space-Frame-Strukturen, wie sie bis heute im Pkw-Bau üblich sind, „ermöglichen eine drastische Reduzierung der Fahrzeugmasse keineswegs“, betont Kurek. Nur ganzheitliche Karosseriekonzepte mit einem fundierten und systemischen Verständnis für alle auftretenden Kräfte und Spannungen im Fahrbetrieb erlauben die geforderte drastische Verringerung der Fahrzeugmasse – selbst unter Verwendung konventioneller und bewährter Werkstoffe wie Stahl und Aluminium.
Was Leichtbau bedeutet, zeigt Kurek an einem Beispiel: Während die herkömmliche Domstrebe eines aktuellen Serienfahrzeugs satte 452 Gramm wiegt, kommt das von der MVI Group verbesserte Bauteil gleicher Funktion auf lediglich 95 Gramm, und das bei vergleichbaren Kosten.
Langstreckenrennen wie Le Mans „liefern für die Serienentwicklung von Automobilen und die Auslegung sämtlicher Komponenten beste Informationen“, begründet Kurek das neue Engagement des Entwicklungsdienstleisters. „Das ist eine Erprobung unter allerhärtesten Bedingungen“. Kurek betrachtet die Kooperation mit KSM daher nicht zuletzt unter gezielten Win/Win-Aspekten, um die „Expertise der MVI Group auf dem Zukunftsmarkt des automobilen Leichtbaus kontinuierlich zu verbessern und mit wertvollen Erfahrungen aus dem Rennsport zu ergänzen“.
Messtechnik von MVI
Aktuell übernimmt die MVI Group für das diesjährige Rennen in Le Mans Aufgaben im Data Engineering wie etwa der Realtime-Analyse von Telemetriedaten, die Überwachung der Betriebssicherheit von Sensoren an sämtlichen Messstellen sowie die Datensicherheit zwischen Fahrern und Renningenieuren. „Die MVI-Kompetenz in der Messtechnik erfährt hierdurch äußerst wertvolle Impulse“, betont Kurek den Nutzen für die Unternehmensbereiche Fahrerprobung und IT-Management. Auch übernehmen die MVI-Ingenieure in Le Mans Aufgaben im Tyre-Management mit komplexen Abhängigkeiten zwischen Luftdruck und Temperatur und den aktuellen Bedingungen auf der Rennstrecke.
Reichlich Potenzial für Optimierungsmaßnahmen nach dem Rennen haben beide Partner längst ausgemacht. Etwa in Bereichen wie beispielsweise Werkstofftechnik, Aerodynamik, computergestützter Optimierung von Bauteilen oder auch technisch-wissenschaftlicher Untersuchungen von thermo- und strömungsdynamischen Vorgängen.
Für Le Mans 2010 rechnen sich die beiden Partner gute Chancen für das diesjährige Rennen aus. In der Prototypen-Klasse 2 setzen Hardy Schiller von KSM und Kurek auf einen Platz unter den ersten Drei in der LMP2-Klasse.
(ID:349757)