Test Lucid Air Touring: Oberklasse für Individualisten

Von Peter Eck/SP-X 4 min Lesedauer

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Der Lucid Air Touring ist entgegen dem geläufigen Begriff kein Kombi. Wir haben die Limousine getestet – die gerne noch etwas länger in unserer Garage hätte stehen dürfen.

Der Lucid Air ist ein Auto für Individualisten. Wir haben es getestet.(Bild:  Lucid)
Der Lucid Air ist ein Auto für Individualisten. Wir haben es getestet.
(Bild: Lucid)

„Was habt ihr denn da schon wieder für einen China-Kracher?“ Ja, die Nachbarschaft sortiert längst jedes Auto einer unbekannten Markt als dem Reich der Mitte zugehörig. Aber das hier ist kein weiteres Fahrzeug aus der Welt von Geely, BYD oder MG. Dies ist ein Lucid, ein Elektroauto aus den USA, auch wenn der saudi-arabische Public Investment Fond inzwischen die Mehrheit am Unternehmen hält.

Der Lucid Air ist eine schicke Limousine der Elektro-Oberklasse. Ihren ansprechend modellierten, auf knapp fünf Meter Länge verteilten Formen sieht man nicht an, dass die Weltpremiere des Autos schon fast drei Jahre zurückliegt, das Design sogar noch etwas älter ist. Was auch damit zu tun haben könnte, dass Lucid in Deutschland erst seit einem Jahr auf dem Markt ist und bisher nur wenige Fahrzeuge zugelassen wurden.

Leistung zwischen rund 500 und über 1.000 PS

Inzwischen gibt es den Air mit Motorleistungen in der unglaublichen Bandbreite von 487 bis 1.251 PS. Wir ließen uns den Touring anliefern, mit 629 PS der „zweitschwächste“ im Elektrolimousinen-Sextett. Mit 1.000 Newtonmetern Drehmoment, 3,6 Sekunden Spurtzeit und 225 km/h Spitze ist das Modell aber weit mehr als ausreichend motorisiert.

Die Fahrleistungen sind so unspektakulär schnell, wie man es von hoch motorisierten Autos dieser Klasse gewöhnt ist. Das Auto liegt ruhig und souverän auf der Straße, auch mit sehr schnell gefahrenen Kurven kommt das immer 2,5 Tonnen schwere Fahrzeug gut zurecht. Der Allradantrieb leistet hier gute Dienste, zudem haben die Lucid-Ingenieure das Fahrgewicht gekonnt hälftig auf die Achsen verteilt. Die Bremsen sind gut, könnten aber noch eine Idee griffiger zupacken.

Amerikanische Maße auf europäischen Straßen

Zupacken muss man auch am Lenkrad, vor allem in Engstellen. Der Lucid misst mit Außenspiegeln 2,20 Meter – das macht die Fahrt in der Autobahnbaustelle nicht gerade zum Vergnügen. Hier wird spätestens deutlich, dass die Limousine aus dem Land der großen Autos und außerhalb der Metropolen meist großzügigen Parkplätzen kommt.

Das Abstellen, genauer gesagt der Ein- und Ausstieg, in einem normalen deutschen Parkhaus kann dagegen schon mal zum Problem werden. Hinzu kommt ein sicher auch dem Allradantrieb geschuldeter großer Wendekreis, der die Agilität in der Stadt weiter einschränkt.

Elegant designter Innenraum

Der Lucid sieht nicht nur von außen gut aus, von vorn sogar fast schon ein wenig futuristisch, er setzt dies zu unserer Überraschung auch im gänzlich unamerikanisch wirkenden Innenraum fort. Dort findet der Fahrer ein unaufgeregtes, aufgeräumtes Cockpit mit einem langgestreckten, zur Seite schmaler werdenden Bildschirm, der dadurch anders als bei Wettbewerbern nicht klotzig wirkt.

Der Preis dafür ist, dass viele Dinge, etwa die Außenspiegel, nur digital über den mittleren Screen einstellbar sind. Erstaunlich übrigens, dass das im Grundpreis 99.000 Euro teure Fahrzeug kein Head-up-Display hatte.

Geringer Verbrauch für die Fahrzeuggröße

Einer besonderen Erwähnung wert ist der Verbrauch. Der Normwert von 14,1 bis 16 kWh mutet für ein solch großes und schweres Fahrzeug bereits derart untertrieben an, dass man es kaum glauben mag. Im Gegensatz zu vielen anderen Elektroautos hält der Lucid aber einen Großteil seines Verbrauch-Versprechens tatsächlich ein.

Wir kamen mit teils forcierter, teil gemütlicher Fahrweise auf einen Wert von unter 19 kWh. Dank der 92 kWh großen Batterie schafft der Fünfsitzer nach Abzug einer Sicherheitsmarge real also zwischen zwei Ladestopps 400 bis 450 Kilometer. Auch das ist ein im Wettbewerbsvergleich hervorragender Wert. Nachgeladen wird an der Wallbox bis 22 kW, DC-Laden klappt mit bis zu 250 kW, knapp über 200 waren es in der Spitze im Test.

Pro und Contra Lucid Air Touring

Was nun spricht für die Anschaffung eines Lucid Air? Hier wären aus Sicht der Tester das tolle Design zu nennen, der fein ausstaffierte Innenraum – der reichliche Platz vorn und hinten und im Kofferraum mit 627 Litern bietet – und der starke und relativ sparsame Antrieb.

Auch der Preis des Testwagens, mit einigen Extras letztlich 125.000 Euro, ist im Vergleich zu ähnlich großen und starken Fahrzeugen nicht unverschämt. Auf der Minusseite stehen neben der teils umständlichen Bedienung die schieren Ausmaße, vor allem die Breite und der große Wendekreis des Air.

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Dass das Auto kein Head-up-Display aufbietet, hat uns ein wenig enttäuscht. Ein größeres Problem ist aber sicherlich das praktisch kaum vorhandene Händlernetz.

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So ist der Lucid Air als Touring wie in jeder anderen der sechs Varianten etwas für Menschen, die ein wirklich außergewöhnliches Auto ihr Eigen nennen wollen und über die entsprechenden finanziellen Möglichkeiten verfügen. Dass man den Amerikaner häufiger für einen Chinesen halten wird, muss der Besitzer dabei souverän in Kauf nehmen.

Lucid Air Touring – Technische Daten

  • Viertürige, fünfsitzige Limousine der Oberklasse
  • Länge: 4,98 Meter, Breite: 1,94 Meter (mit Außenspiegeln: 2,20 Meter), Höhe: 1,42 Meter
  • Radstand: 2,96 Meter
  • Kofferraumvolumen: 627 bis 1.552 Liter + 283 Liter (Frunk)
  • zwei Elektromotoren; Leistung 462 kW
  • maximales Drehmoment: 1.200 Nm
  • Ein-Gang-Automatik
  • Allradantrieb
  • Vmax: 225 km/h
  • 0-100 km/h: 3,6 s
  • Batteriekapazität: 92 kWh
  • 700-Volt-Technologie
  • AC-Laden: bis 22 kW
  • DC-Laden: bis 250 kW
  • angegebener Verbrauch: 14,1 bis 16 kWh/100 km (abhängig von Felgengröße 19/20/21 Zoll)
  • Reichweite (WLTP): 725 bis 648 Liter (abhängig von Felgengröße)
  • Testverbrauch: 18,6 kWh je 100 Kilometer
  • Preis: ab 99.000 Euro
  • Preis des Testwagens: 125.000 Euro

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