Dienstwagen mit Stecker boomen gerade. Da darf eine E-Klasse mit Plug-in-Hybrid nicht fehlen.
Mercedes kombiniert in der E-Klasse Benziner und E-Motor.
(Bild: Daimler)
Vor allem die Hersteller großer Fahrzeuge müssen ihren Antrieb elektrifizieren, um üppige Strafzahlungen der EU zu vermeiden. Nicht nur Mercedes implementiert deshalb einen E-Motor in den Antriebsstrang und eine Batterie mit Anschluss an eine Steckdose oder Wallbox. Das Resultat sind fabelhafte Verbrauchswerte nach WLTP-Norm. Da macht auch die E-Klasse als E 300e keine Ausnahme, die wir testen konnten.
In dieser E-Klasse kombiniert Mercedes den bekannten Zweiliter-Vierzylinder-Benziner mit 155 kW/211 PS, der als 250er in vielen Modellen schon länger seinen Dienst verrichtet, mit einem 90 kW/122 PS-E-Motor im Getriebetunnel der Neungang-Automatik. Heraus kommen eine Systemleistung von 235 kW/320 PS und ein Normverbrauch von 1,8 Litern Benzin nebst 16,1 kWh elektrischer Energie. Letzterer wird aus einer Batterie mit 13,5 kWh Fassungsvermögen gespeist, die an einer Wallbox in 90 Minuten geladen wird. An einer Haushaltsteckdose sind fünf Stunden Verweildauer nötig.
Die technischen Voraussetzungen wären also geklärt, doch was nützt der Aufwand tatsächlich im Alltag? Zunächst einmal schnurrt die Limousine leise und geschmeidig elektrisch los. Die Nadel des Drehzahlmessers verharrt auf null. So haben wir das erwartet. Im Menü der Fahrzeugsteuerung kann man beispielsweise festlegen, dass man innerorts nur elektrisch fahren will. Das ist, neben der Senkung der CO2-Werte, ein wichtiger Aspekt eines Plug-in-Hybriden, vermeidet man so doch etwaig drohende Fahrverbote für Verbrenner in Innenstädten. Man kann natürlich auch festlegen, nur elektrisch unterwegs zu sein, wenn man beispielsweise die täglichen Kurzstrecken absolviert, bei denen der Verbrenner ohnehin nicht richtig warm wird.
Daimler E 300e: Realverbrauch liegt bei 22 kWh und 8,6 Liter
Gute 40 Kilometer Reichweite zeigt der Bordcomputer beim Start, die erwartungsgemäß recht schnell schrumpfen, geht unsere Teststrecke über Land doch erst einmal bergan. Doch anders als bei früheren Generationen von E-Autos oder Plug-in-Hybriden erweist sich die Angabe als ziemlich realistisch. Unseren täglichen Kurzstreckenbedarf von 30 bis 40 Kilometern legten wir im Testzeitraum rein strombetrieben mit einem Verbrauch von knapp 22 kWh zurück.
Man muss sich nur angewöhnen, beim Abstellen des Fahrzeugs den Stecker der Wallbox in die Steckdose rechts hinten zu stecken und immer wieder zu laden. Das ist letztlich eine Frage der Gewöhnung und das, was der Gesetzgeber von einem Käufer erwartet, der immerhin mit knapp 6.000 Euro gefördert wird und zudem als Dienstwagenfahrer nur halb so hoch besteuert wird wie bei einer herkömmlichen Limousine.
Just deshalb boomen die PHEV abgekürzten Plug-in-Hybride zurzeit und leider hat sie das auch in Misskredit gebracht, denn in vielen Flotten wird oft getankt, aber wenig geladen. Wer immer längere Strecken fährt, ist mit dem Plug-in falsch bedient. Naturgemäß ist die E-Klasse eine sehr gute Reiselimousine, aber die Langstreckenqualitäten sind bei einem Plug-in nicht entscheidend. Der Vollständigkeit halber sei erwähnt, dass in diesem Fall der Vierzylinder mit 8,6 Litern auskommt, was für einen Benziner aller Ehren wert ist, zumal wir ein ums andere Mal im Bereich der Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h unterwegs waren.
So gesehen ist der E 300e ein guter Kompromiss zwischen Diesel und reinem Stromer. Allerdings stellt sich die Frage, warum man ausgerechnet eine Limousine von immerhin 4,94 Metern Länge für die täglichen Kurzstrecken- oder Pendlerfahrten einsetzen sollte. Aber das ist eher eine Frage von passenden Parkmöglichkeiten in der Firma oder am Zielort.
MBUX: Sinnvoll oder überladen?
Apropos Fragen. Mercedes hat die E-Klasse zu Jahresbeginn überarbeitet, was wie fast immer in diesen Zeiten vornehmlich die digitalen Fähigkeiten betraf. Das allseits gelobt MBUX-System kann jetzt noch mehr und tatsächlich versteht die Dame im Armaturenbrett gesprochene Bitten inzwischen ziemlich gut und lernt auch mit der Häufigkeit der Nutzung. Ganz zufrieden sind wir mit dem Ergebnis allerdings noch nicht.
Wobei insgesamt der Grad der Digitalisierung ein Level erreicht hat, das sich mehr am technisch Möglichen denn am Sinnvollen orientiert. Tatsächlich verstehen wir unter anderem nicht, worin der Fortschritt besteht, das Auto darauf hinzuweisen, dass einem warm oder kalt ist, statt an der ja vorhandenen und schnell zu greifenden Taste die Temperatur hoch oder runter zu regeln. Und es ist zweifellos eine schöne Spielerei, wenn man das Display vor dem Fahrer, also das, wo man üblicherweise Tempo und Drehzahl, Reichweite, Verbrauch und vielleicht die Uhrzeit abliest, auf fünf verschiedene Arten gestalten kann.
Stand: 08.12.2025
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Am besten hat uns die Einstellung „Dezent“ gefallen, die alles außer Tempo und Uhrzeit ausblendet und auch das große Mitteldisplay schwarz stellt. Selbst in der klassischen Darstellung ploppen zu viele Zahlen und Infohäppchen auf, was nicht zuletzt daran liegt, dass Mercedes leider die richtig gute Lenkradbedienung mit Tasten durch eine mit Touch-Flächen ersetzt hat und so führt fast jede, auch unbeabsichtigte Berührung zu einer Änderung der Ansicht. Aber vielleicht gilt hier das gleiche wie beim Laden: alles eine Frage der Gewöhnung.
Gewöhnt sind die Kunden an die Preise von Mercedes. Unsere Testlimousine gibt es ab 56.000 Euro, von denen noch 6.000 Euro Förderung abgezogen werden. Dann ist eigentlich alles Notwendige an Bord. Nichtsdestotrotz ist es ein Leichtes, noch etliche Tausender in zusätzliche Sicherheit, noch besseres Licht, Leder oder besseren Klang zu investieren, je nachdem, was das Dienstwagenbudget hergibt.