Mercedes-Benz hat im Werk Rastatt erstmals eine bestehende Produktion virtuell umgebaut und in Betrieb genommen. Außerdem nutzt der Hersteller sein Betriebssystem „MB.OS“ in der Fertigung.
Mercedes-Benz hat für den Werksumbau in Rastatt erstmals einen virtuellen Zwilling für die virtuelle Inbetriebnahme der Produktionslinie genutzt.
Mercedes-Benz hat das Werk Rastatt umfangreich umgerüstet. Der Autohersteller nutzte für den Umbau einer bestehenden Montagehalle erstmals einen virtuellen Zwilling für die Planung und virtuelle Inbetriebnahme der neuen Produktionslinie. Sämtliche Daten einzelner Produktionsanlagen wurden dafür digital erfasst und virtuell geplant, erprobt und angepasst. „Die genaue Position von Robotern, Versorgungswegen und Produktionslinien wurde am Rechner vorab simuliert“, teilte Mercedes-Benz mit – ohne die laufende Produktion zu unterbrechen.
Hardwareseitig verlegte das Unternehmen mehr als 400 Kilometer Kabel, um sechs neue Montagelinien und 240 neue Hubgehänge zu installieren. Nach rund zwölf Wochen war der Umbau abgeschlossen; die Investitionen belaufen sich laut Mercedes auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag. Ab Mitte der Dekade sollen in Rastatt Autos vom Band fahren, die auf der MMA-Plattform, „Mercedes Modular Architecture“, basieren; außerdem im ungarischen Kecskemét und in Peking. Die virtuelle Inbetriebnahme in Rastatt will Mercedes-Benz im Werk in Peking ausrollen.
Neu in Rastatt ist außerdem eine KI-gesteuerte Verfahrenstechnik in den Decklackkabinen. Statt einer speicherprogrammierbaren Steuerung überwacht eine künstliche Intelligenz die relevanten Teilprozesse. Laut Mercedes sinkt der Energieverbrauch damit um 20 Prozent. Der Hersteller konnte die Prozesse zudem schneller hochfahren. Das Verfahren will Mercedes ebenfalls auf weitere Standorte ausrollen.
Infrastruktur und Prozesse virtuell bewerten: Im Werk Rastatt nutzt Mercedes die Technik für die neue Produktionslinie der MMA-Architektur.
Erstmals vollständige Montagehalle virtuell erstellt
Technischer Hintergrund der virtuellen Zwillinge ist das „Omniverse“ des Softwareunternehmens Nvidia. Für eine Werkserweiterung am ungarischen Standort Kecskemét hat Mercedes-Benz nach eigenen Angaben erstmals eine vollständig digitale Abbildung der gesamten Halle erstellt. Der digitale Zwilling umfasst das gesamte Gebäude und die darin befindlichen Infrastruktur, inklusive der Pausenbereiche und Umkleidekabinen der Beschäftigten.
Die Planer können so zum Beispiel Montagebereiche virtuell planen, umbauen und prüfen – und kurze Wege, ausreichend breite Gänge und Brandschutzvorgaben berücksichtigen. Der Einsatz eines digitalen Zwillings halbiert laut Mercedes die Umbau- oder Bauzeit einer Montagehalle und verbessert die Prozessqualität.
„MB.OS“ in der Produktion
Neben den beschriebenen Umbauten setzt Mercedes erstmals das Mercedes-Benz Operating System, „MB.OS“ in der Serienproduktion ein. Laut Mercedes heißt das: Die Fahrzeug-Software wird nicht länger über Hardware-Module übertragen, sondern über einen zentralen Server der Mercedes-Benz Intelligent Cloud. „MB.OS im Fahrzeug und die daraus abgeleiteten Technologien in der Produktion ermöglichen zehnmal schnellere Software-Updates als bisher, bei gleichzeitig steigender Datenmenge“, schreibt der Hersteller in einer Mitteilung. Die Produktion ist direkt angebunden an die „Mercedes Intelligent Cloud“. Alle Fahrzeuge verlassen die Produktion „always up-to-date“.
Mercedes ergänzt damit seine Over-the-Air-Software-Strategie für bereits ausgelieferte Fahrzeuge. Nach Unternehmensangaben lassen sich Software-Optimierungen innerhalb weniger Stunden weltweit ausrollen.
Die „Intelligent Cloud“ ist direkt verbunden mit der „MO360“ Data Platform. Sie ist verantwortlich für Update-Pakete und Installationsprozesse. Beide sind mit einer intelligenten Analyseschnittstelle miteinander verbunden: Jeder Beschäftigte kann innerhalb des Entwicklungs-, Produktions- und Flottenbetriebsnetzwerks den aktuellen Softwarestatus eines beliebigen Fahrzeugs im Netzwerk auslesen und analysieren.
Vielfältig nachhaltig
Neben effizienteren Prozessen in der Fertigung tut sich auch einiges beim Thema Nachhaltigkeit. Das Werk Rastatt hat seine Photovoltaikflächen auf 18.000 Quadratmeter erweitert. Mit der vollständigen Inbetriebnahme der neuen PV-Anlage im Oktober 2023 können bis zu 2.75 MWp erzeugt werden. Das entspricht einer Leistung vergleichbar mit Photovoltaikanlagen auf etwa 275 Einfamilienhäusern.
Außerdem setzt der OEM im Werk ein vielfältiges Mobilitätskonzept um: Weil mehr Beschäftigte E-Autos fahren, installierte man im Jahr 2023 mehr Ladepunkte. Insgesamt etwa 300 gibt es jetzt; „weit mehr als ein Drittel“ sind öffentlich zugänglich, teilte der Hersteller mit.
Zudem gibt es einen kostenlosen Shuttle-Service für die Beschäftigten, eine grenzüberschreitende Buslinie für Berufspendlerinnen und -pendler aus dem Elsass, und eine Kostenbeteiligung am Deutschlandticket. Außerdem dürfen die Beschäftigten ihre Fahrräder auf das Werksgelände mitnehmen; und der Autohersteller fördert das Fahrrad-Leasing-Modell „JobRad“. Seit dem Jahr 2020 produziert Mercedes-Benz nach Unternehmensangaben in allen eigenen Werken weltweit bilanziell CO2-neutral und bezieht Strom aus regenerativen Energien.
Stand: 08.12.2025
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