Mercedes-Benz Viel digital im neuen Sprinter

Von Hanno Boblenz/SP-X 3 min Lesedauer

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Mercedes arbeitet an der nächsten Sprinter-Generation. Ein eigens entwickelten Betriebssystem soll den Transporter zum lernfähigen Hightech-Werkzeug wandeln.

Frühestens Ende 2026, wahrscheinlich eher 2027, rollt die nächste Sprinter-Generation auf einer neuen Van-Architektur auf den Markt.(Bild:  Mercedes-Benz)
Frühestens Ende 2026, wahrscheinlich eher 2027, rollt die nächste Sprinter-Generation auf einer neuen Van-Architektur auf den Markt.
(Bild: Mercedes-Benz)

Transporter der Zukunft entstehen längst nicht mehr nur am Fließband, sondern ebenso im Rechenzentrum. Wie moderne Elektro-Pkw werden auch Nutzfahrzeuge so entwickelt, dass sie ihre Steuersoftware „over-the-air“ aktualisieren und jederzeit neue Funktionen beziehungsweise Apps laden können. Bei Renault steht die erste Generation voller digitaler Elektro-Transporter bereits bereit, alle anderen Hersteller arbeiten noch an den digitalisierten Plattformen. Mercedes-Kunden müssen sich aber etwas gedulden: Frühestens Ende 2026, wahrscheinlich eher 2027, rollt die nächste Sprinter-Generation auf den Markt.

Modulare Plattform für alle Transportervarianten

Technisch basiert der künftige Transporter auf einer neuen Van-Architektur, die ab 2026 alle mittelgroßen und großen Modelle tragen wird. Diese Plattform ist modular ausgelegt und erlaubt elektrische Varianten und Verbrenner. Gleichzeitig zieht mit dem Mercedes-Benz Operating System, kurz MB.OS, erstmals eine vollständig vernetzte Software-Architektur in die Nutzfahrzeuge der Marke ein. Ganz neu ist die in Stuttgart komplett selbst entwickelte Software allerdings nicht: Sie steuert bereits die Systeme der eben eingeführten Pkw CLA und GLC, und sie wird auch in dem für Anfang 2026 angekündigten Nachfolger des elektrischen Maxi-Vans EQV eingesetzt.

MB.OS darf man nicht mit dem bekannten MBUX-System verwechseln. Während MBUX die sichtbare Bedien- und Infotainment-Ebene bildet, arbeitet MB.OS im Hintergrund als technisches Rückgrat. Es verwandelt den Sprinter in einen rollenden Computer, dessen Funktionsumfang sich über Jahre erweitern und aktualisieren lässt. Statt vieler einzelner Steuergeräte, die mehr oder weniger erfolgreich miteinander kommunizieren, arbeiten im softwarebasierten Fahrzeug nur wenige zentrale Hochleistungsrechner. Sie vernetzen sämtliche Systeme und stehen in permanentem Austausch mit der Mercedes-Cloud.

Vier Domänen vernetzen alle Fahrzeugsysteme

Das Fahrzeug wird dabei in vier digitale Domänen gegliedert: Infotainment, autonomes Fahren, Fahren und Laden sowie Karosserie und Komfort. In jeder Domäne laufen die Daten über eine einheitliche Architektur zusammen. Parallel sammelt, verarbeitet und aktualisiert die Mercedes-Cloud Karten- und Fahrzeugdaten, Software-Updates und KI-gestützte Analysen. Dort laufen alle komplexen und datenintensiven Rechenleistungen, während das Fahrzeug nur die jeweils aktuell relevanten Daten empfängt.

Sofern die Hardware bereits an Bord ist, lassen sich so jederzeit neue Funktionen aufspielen. Etwa neue Fahrassistenzsysteme, die Daten aus Kameras oder Radarsensoren auswerten. Oder ein optimiertes Energiemanagement, um den Stromverbrauch zu senken. Dabei sollen die Nutzer selbst entscheiden, wann sie neue Software aufspielen – über WLan im Betriebshof oder mobil per 5G. Und sie legen fest, welche Daten erhoben und genutzt werden.

Künstliche Intelligenz optimiert Fahrzeugbetrieb

Künstliche Intelligenz des MB.OS soll das Nutzerverhalten erkennen, Routen und Ladepausen optimieren und den Wartungsbedarf melden. Sensoren überwachen kontinuierlich Batterie- und Systemzustände, bei Bedarf kann sich das Fahrzeugsystem melden oder direkt die Werkstatt informieren. So sollen Ausfallzeiten sinken und die Produktivität steigen. Beides sind Eigenschaften, auf die gerade gewerbliche Nutzer besonderen Wert legen.

Als offenes System bietet MB.OS auch Raum für externe Anwendungen. Während der Fokus im Pkw eher auf Apps für die Unterhaltung der Passagiere liegt, sollen gewerbliche Nutzer im Transporter künftig branchenspezifische Apps integrieren, etwa zur Flottensteuerung oder Auftragsabwicklung. Mercedes prüft dazu Partnerschaften mit Anbietern wie SAP, entwickelt aber ebenso eigene Dienste, um Daten aus Fahrzeug und Cloud zu verknüpfen. Wie Smartphones lässt sich jeder Transporter künftig individuell konfigurieren. Aufbauhersteller oder Reisemobil-Spezialisten können künftig direkt auf Sensorik und Steuerung zugreifen.

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