Neuntes Minus im zehnten Monat: Nachdem der deutsche Pkw-Markt im September erstmals 2020 ein Neuzulassungsplus erzielt hatte, war es damit im Oktober vorerst schon wieder vorbei. Bei den einzelnen Marken gab es enorme Unterschiede.
VW zählte bei den Neuzulassungen im Oktober mit einem Minus von 17 Prozent zu den Verlierern.
(Bild: Volkswagen)
Nachdem der deutsche Pkw-Markt im September erstmals im Jahr 2020 ein Monatsplus erreicht hatte, ist es vorerst schon wieder vorbei mit der Herrlichkeit. Wie das Kraftfahrt-Bundesamt am Mittwoch mitteilte, kamen im Oktober 274.303 Neuwagen erstmals auf die Straße – und damit 3,6 Prozent weniger als vor einem Jahr. Im Gesamtjahr bedeuten 2.316.134 Pkw-Neuzulassungen nach zehn Monaten ein Minus von 23,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum.
Unterschiedliche Tendenzen zeigten im Oktober Privat- und Flottenmarkt: Während die privaten Zulassungen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,8 Prozent stiegen, gingen die gewerblichen Neuzulassungen um 9,1 Prozent zurück.
Zu den Gewinnern unter den Marken mit einem Marktanteil von mindestens 0,5 Prozent zählten im Oktober Dacia (+58,1 %), Renault (+27,9 %), Audi (+23,1 %) und Opel (+22,6 %). Gerade Opel kann positive Zahlen gut gebrauchen: Im Gesamtjahr zählt die Marke mit einem Minus von 40,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum weiter zu den größten Verlierern.
Mazda weiter in der Abwärtsspirale
Noch größere Rückgänge hat bislang Mazda im Jahr 2020 zu verkraften (-43,4 %). Auch im Oktober waren die Japaner das Fabrikat mit den heftigsten Einbußen im Vergleich zum Vorjahresmonat (-38,6 %). Daneben erwischten auch Ford (-25,9 %) und Mitsubishi (-24,5 %) einen schwachen Monat. Kaum besser sah es bei VW (-17 %) aus. Die Wolfsburger hatten mit 17,2 Prozent zwar wie gewohnt beim Marktanteil die Nase deutlich vorne, von ihren Anfang des Jahres angepeilten 20 Prozent liegen sie aber auch im Gesamtjahr (17,9 %) weit entfernt.
Die einzige Marke, die im bisherigen Jahresverlauf insgesamt ein Plus erzielen konnte, ist übrigens Tesla. Die Kalifornier liegen mit 11.469 Neuzulassungen 23,3 Prozent über ihrem Vorjahresniveau. Im Oktober schwächelten sie allerdings mit einem Minus von 14 Prozent.
Einen spürbaren Nachfrageschwund gab es erneut bei Fahrzeugen, die nur mit Verbrennungsmotor unterwegs sind. Benziner (-29,8 %) büßten prozentual im Oktober noch stärker ein als Diesel (-18,9 %). Autos mit Ottomotor kamen auf einen Marktanteil von 42,1 Prozent, Selbstzünder erreichten 26 Prozent.
BEVs mit 8,4 Prozent Marktanteil
Demgegenüber boomen elektrifizierte Modelle weiter. 23.158 reinelektrisch betriebene Fahrzeuge bedeuteten ein Plus von 365,1 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Der Marktanteil der BEVs lag im Oktober bei 8,4 Prozent. Mehr Elektroautos kamen in Deutschland zuvor noch in keinem Monat auf die Straßen. Hybride (inklusive Plug-in-Hybride) legten um 138,5 Prozent zu, ihr Marktanteil betrug 22,9 Prozent. Gasantriebe konnten ein Plus von 67,8 Prozent verzeichnen. Der durchschnittliche CO2-Ausstoß sank im Oktober um 15,4 Prozent auf 131,4 Gramm pro Kilometer.
Der Blick auf die einzelnen Segmente zeigt, dass wie bereits in den vergangenen Monaten Wohnmobile auch im Oktober weiter stark gefragt waren. Sie erreichten im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Plus von 83,8 Prozent. Ebenfalls deutliche Zuwächse gab es bei den Kleinwagen (+24,6 %). Zu den Verlierern zählten wie schon zuletzt erneut die Mini-Vans (-36,2 %).
Keine guten Vorzeichen für den November
Reinhard Zirpel, Präsident des Verbands Internationaler Kraftfahrzeughersteller (VDIK) sprach in einer Reaktion von einem ordentlichen Ergebnis im Oktober. „Wir können von einer zarten Erholung sprechen“, so Zirpel. Für den nun anstehenden November macht Autoanalyst Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY der Branche allerdings wenig Hoffnung. Die neuerlichen Kontaktbeschränkungen dürften die Kaufbereitschaft deutlich drücken.
Völlig unklar sei zudem, wie es im Dezember weitergehen wird. „Einerseits dürfte das Auslaufen der Mehrwertsteuersenkung zum Jahresende zu vorgezogenen Käufen führen – andererseits lassen steigende Infektionszahlen und eine hohe Auslastung der Krankenhäuser es unwahrscheinlich erscheinen, dass wir im Dezember wieder zu einer weitgehenden Normalität wie in den Sommermonaten kommen werden“, meint Fuß. Auch Zirpel merkte an, dass das wieder aufflammende Infektionsgeschehen in den kommenden Wochen und Monaten die positive Marktentwicklung gefährden könne.
Vieles spricht dafür, dass es noch einige Monate erhebliche Einschränkungen geben werde. „Dementsprechend erscheint ein erneuter kräftiger Rückgang auf dem Neuwagenmarkt sehr wahrscheinlich – einen Einbruch wie im Frühjahr dieses Jahres wird es aber höchstwahrscheinlich nicht geben“, so Fuß.
Stand: 08.12.2025
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