Elektrischer Kleinwagen Fahrbericht Nissan Micra: Ein neuer Bekannter

Von Rudolf Huber/SP-X 4 min Lesedauer

Anbieter zum Thema

Nissan hat die mittlerweile sechste Generation des Micra auf die Straße gerollt – rein elektrisch mit der Technik des Renault 5. So fährt sich der Kleinwagen.

Nissan hat eine neue Generation des Micra auf den Markt gebracht. Das Auto fährt vollelektrisch.(Bild:  Nissan)
Nissan hat eine neue Generation des Micra auf den Markt gebracht. Das Auto fährt vollelektrisch.
(Bild: Nissan)

Die Karriere des Micra war wechselvoll. Mal traf er den Nerv der Zeit, mal verspielte er mit seinem Weltauto-Ansatz und einem langweiligen bis austauschbaren Design Sympathien. Schnee von gestern, heißt es bei Nissan. Zu Recht, schließlich ist die sechste Generation tatsächlich ein echter Hingucker. Mit runden, selbstbewussten Formen, mit einem Tick Retro-Stil und vor allem mit großen Kulleraugen, die nicht nur selbst zu lächeln scheinen, sondern auch beim Betrachter ein Lächeln provozieren – und zwar bei Scheinwerfern und Rückleuchten.

Während die Dachpartie weitestgehend mit der des R5 identisch ist, haben sich die Nissan-Formgestalter vom Design Europe Studio in London an Front und Heck kräftig einbringen können und haben dem knapp vier Meter langen Auto einen eigenen Charakter verpasst. Zum insgesamt fröhlich-modischen Auftritt passt die große Auswahl bei den Farben: 14 Kombinationen sind zu haben, darunter auch solche mit schwarzem oder grauem Dach. Das kostet allerdings 900 Euro extra.

Elektrisch fahren für unter 20.000 Euro

Wo wir schon über Geld sprechen: Der Micra ist eines der E-Mobile, deren Preise sich dank staatlicher Förderung und kräftiger Hersteller-Rabatte auf unter 20.000 Euro drücken lassen. Das sollte seiner Verbreitung zuträglich sein und stellt ihn in eine Reihe mit Modellen wie Renault 5, Hyundai Inster, Peugeot 208, BYD Dolphin Surf, Opel Corsa oder Fiat 500. Die Kehrseite der Medaille: Diese Konkurrenz ist nicht zu unterschätzen. Der Micra muss schon etwas bieten, um sich hier durchzusetzen.

Technisch hervortun kann sich das Modell aber schon mal nicht. Alles Renault oder was, könnte die Frage lauten. Und die Antwort lautet: Im Prinzip ja! Allerdings gibt es den Micra im Gegensatz zu seinem Konzern-Konkurrenten nur mit zwei statt drei unterschiedlichen Motorisierungen. Basis ist ein Akku mit 40 Kilowattstunden, der in Kombination mit dem 90 kW-Antrieb für eine Reichweite von 317 Kilometern sorgt. Basispreis vor Förderung und Rabatt: 27.990 Euro.

Ab 29.990 Euro gibt es den Micra mit 52-kWh-Akku, 416 Kilometern Reichweite und 110 kW starkem Stromaggregat. Bei Ladeleistungen von 80 und 100 Kilowatt lassen sich beide Akkus in rund 30 Minuten von 15 auf 80 Prozent füllen. An der Wallbox laden die beiden mit je elf Kilowatt, und beide Akkus sind für bidirektionales Laden präpariert, der Micra kann also elektrisch angetriebene Werkzeuge oder auch mal eine Kaffeemaschine betreiben.

Beschleunigung und Verbrauch sind in Ordnung

Die Spitze liegt jeweils bei 150 Sachen, von null auf 100 beschleunigt der schwächere Motor in 9,0, der stärkere in 8,0 Sekunden. Und der Verbrauch laut WLTP-Norm liegt gleichauf bei je 14,2 kWh/100 km. Nach unserer knapp 220 Kilometer langen Tour auf Landstraßen, Autobahnen und im Städten zwischen Düsseldorf und Brüssel bei rund zehn Grad plus zeigte der Bordrechner des stärkeren Micra einen Verbrauch von 17,2 kWh/100 km an. Damit kann man gut leben. Glanzpunkte setzt der Micra damit aber nicht.

Ist für diese Glanzpunkte das Kapitel Fahrspaß zuständig? Erster Eindruck im stärkeren Modell: Das flutscht sehr angenehm, die Lenkung passt gut zu einem kompakten Stadt-Stromer, der gerne auch mal für Ausflüge aufs Land genutzt wird. Wie sein Renault-Pendant macht der kleine E-Nissan einen präzisen, sportlichen Eindruck, angereichert mit einer Portion Komfort. Schnelle Lenkmanöver jenseits der Stadtgrenze steckt er entspannt weg – und er glänzt dank aufwendiger Geräuschisolierung durch sehr geringe Fahrgeräusche. Zumindest bei Landstraßentempo.

Bei Tempo 130 machen sich die regennasse Asphaltpiste und der kräftige Wind dann doch deutlich bemerkbar, etwa an den Fensterholmen. Wer mag, kann ab der zweiten Ausstattungsversion Advance das Bremspedal weitgehend vergessen und die Fuhre bei Bedarf per Strompedal bis zum Stillstand verzögern lassen. Vorteil Micra – das kann der R5 (noch) nicht.

Wenig Platz auf der Rückbank

Soweit alles okay – eine kleine Eintrübung erfährt die Sympathie für den Neuzugang aber beim Kapitel Platzangebot. Vorne gibt es nichts zu meckern, das passt so. Aber hinten machen sich die nur 3,97 Meter Gesamtlänge und der Akku im Wagenboden doch bemerkbar. Es ist einfach rundum ein bisschen eng, wer regelmäßig mit ausgewachsenen Passagieren im Fond unterwegs ist, ist mit dem Micra – wie mit dem R5 – nicht gut beraten.

Bildergalerie
Bildergalerie mit 5 Bildern

Wenig überraschend ist auch der Kofferraum nicht übermäßig groß. Seine 326 bis 1.106 Liter entsprechen in etwa dem Klassenniveau, die Ladekante ist allerdings ziemlich hoch und das Umklappen der Rücksitzlehnen ergibt eine kräftige Stufe. Einen Frunk gibt es nicht – das Ladekabel muss also nach hinten zum Gepäck und zu den Einkaufstüten. Aber halt, hier noch eine positive Nachricht: Die Anhängelast des Micra liegt gebremst wie ungebremst bei einer halben Tonne. Der Baumarkt-Einkauf, die Fuhre zum Wertstoffhof oder der Träger fürs Pedelec lassen sich also an oder auf den Haken nehmen.

Jetzt Newsletter abonnieren

Verpassen Sie nicht unsere besten Inhalte

Mit Klick auf „Newsletter abonnieren“ erkläre ich mich mit der Verarbeitung und Nutzung meiner Daten gemäß Einwilligungserklärung (bitte aufklappen für Details) einverstanden und akzeptiere die Nutzungsbedingungen. Weitere Informationen finde ich in unserer Datenschutzerklärung. Die Einwilligungserklärung bezieht sich u. a. auf die Zusendung von redaktionellen Newslettern per E-Mail und auf den Datenabgleich zu Marketingzwecken mit ausgewählten Werbepartnern (z. B. LinkedIn, Google, Meta).

Aufklappen für Details zu Ihrer Einwilligung

Der Micra ist im Innenraum ein R5

Interieur und Bedienung sind praktisch eins zu eins vom R5 übernommen. Das bedeutet in der Basis ein sieben, ansonsten ein 10,1 Zoll großes Zentralinstrument und ein 10,1-Zoll Touchdisplay in Kombination mit haptischen Knöpfen und Wippen, außerdem eine weitgehend logisch aufgebaute Bedienstruktur mit Unterstützung durch Google-Dienste wie Google Maps, Assistant oder Play. Es gibt reichlich Apps und selbstverständlich auch reichlich Assistenzsysteme für Sicherheit und Komfort. Unter anderem sind die Klimaautomatik, die Klimatisierung per App und eine Wärmepumpe immer serienmäßig drin.

Technische Daten – Nissan Micra (90 kW)

  • Fünftüriger Kleinwagen mit Frontantrieb
  • Länge 3,97 m, Breite 2,02 m, Höhe 1,49 m, Radstand 2,54 m
  • Kofferraum 326 – 1106 l
  • 90 kW: Elektromotor
  • Leistung: 90 kW
  • max. Drehmoment: 225 Newtonmeter
  • Lithium-Ionen-Batterie mit 40 kWh
  • 0-100 km/h: 9,0
  • Vmax: 150 km/h
  • Verbrauch: 14,2 kWh/100 km (WLTP)
  • Reichweite 317 km (WLTP)
  • Preis: Nissan Micra Engage (40 kWh) ab 27.990 Euro

Variante mit 110 Kilowatt

  • max. Drehmoment: 245 Nm
  • Lithium-Ionen-Batterie mit 52 kWh
  • 0-100 km/h: 8,0
  • Vmax: 150 km/h
  • Verbrauch 14,7 kWh/100 km (WLTP)
  • Reichweite 416 km (WLTP)
  • Preis: Nissan Micra Advance (52 kWh) ab 29.990 Euro

(ID:50783471)