Fahrbericht Porsche 911 GTS: Elektro-Elfer ohne E-Gefühl

Von Benjamin Bessinger/sp-x 3 min Lesedauer

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Es ist soweit: Porsche hat den 911 elektrifiziert. Denn mit dem Facelift gibt es neben den üblichen kosmetischen Änderungen erstmals den neuen T-Hybrid. Der sorgt für eine Leistungsexplosion.

Mit dem Facelift zur Halbzeit gibt es neben der üblichen Schminke erstmals  den neuen T-Hybrid(Bild:  Porsche)
Mit dem Facelift zur Halbzeit gibt es neben der üblichen Schminke erstmals den neuen T-Hybrid
(Bild: Porsche)

Wasserkühlung, Doppelkupplung, ja sogar die Form der Blinker – seit 60 Jahren kommentiert die Porsche-Gemeinde jede noch so kleine Veränderung am 911 im Vorfeld mit fast aufrührerischer Entrüstung. Nur um danach das Podest für die Mutter aller Sportwagen noch höher zu bauen und wieder mehr Autos zu kaufen als zuvor. Doch diesmal wird die kompromisslose Zuneigung der eiligen Besserverdiener auf eine schwere Probe gestellt.

Die Schwaben bringen das große Facelift für die aktuelle Generation ihres Sportwagens in den Handel. Intern wird es als 992.2 bezeichnet und die Preise beginnen bei knapp unter 130.000 Euro. Dieses Facelift beinhaltet nicht nur ein überarbeitetes Design. Es gibt nun ein modernisiertes Ambiente und mehr Elektronik – etwa keine mechanischen Instrumente mehr. Zudem wurde die Ausstattung neu konfiguriert und – das ist Porsche den Petrolheads schuldig – es gibt etwas mehr Leistung.

T-Hybrid: E-Antrieb kaum spürbar

Mit dem so genannten T-Hybrid für den sportlichen Ableger GTS beginnt auch beim Elfer die Elektrifizierung. Los geht es bei gut 170.000 Euro für das Coupé ohne und etwa 180.000 Euro mit Allrad. Das entsprechende Cabrio beginnt bei 185.000 Euro und der nur mit Allrad erhältlichen Targa bei mehr als 190.000 Euro.

Für manche mag es eine Erleichterung sein, für andere eine Enttäuschung: Man spürt vom elektrischen Eingriff in den Antriebsstrang absolut nichts. Zumindest nicht so, wie man es erwarten würde. Denn wer den Elfer – neuerdings mit Startknopf statt Zündschlüssel – anlässt, der hört weiterhin einen Sechszylinder-Motor, der mit seinem von 3,0 auf 3,6 Liter vergrößerten Hubraum sogar noch ein bisschen bassiger kling. Egal wie sanft man beschleunigt oder wie langsam man fährt: der Sportwagen nutzt immer die Kraft eines Boxers.

Was man dagegen sehr wohl spürt, das ist die dramatisch verbesserte Performance. Klar, statt 480 stehen jetzt 540 PS im Fahrzeugschein. Aber selbst wenn man dem GTS schon bisher keine Trägheit unterstellen konnte und sich am Spitzentempo von 312 km/h nichts ändert, explodiert der Wagen nun förmlich in Vortrieb: Auf dem Papier nimmt er dem Vorgänger beim Sprint in drei Sekunden von 0 auf 100 km/h vier Zehntel ab. In der Praxis fühlt es sich an, als wäre man bislang Polo gefahren statt Porsche – so gierig hängt der neue Elfer am Gas und so vehement wirft er sich mit seinen bis zu 610 Nm dem Horizont entgegen. Und weil das Leben nicht immer in geraden Bahnen verläuft, sorgt beim GTS eine Hinterachslenkung serienmäßig für mehr Agilität.

Elektrischer Turbolader

Für den elektrischen Boost treibt Porsche einen gewaltigen Aufwand. Sie schrauben deshalb nicht, wie bei Cayman oder Panamera, eine E-Maschine mit 41 kW und 150 Nm ins achtstufige Doppelkupplungsgetriebe und klemmen eine besonders leichte und mit 1,9 kWh kleine Batterie in den Bug. Diese kann – ebenfalls anders als bei den großen Baureihen – nicht an der Steckdose geladen werden. Sondern sie installieren einen elektrischen Turbolader. Dieser macht beim Anfahren sofort Druck und funktioniert unter Last als Generator, um den Akku möglichst schnell wieder zu füllen.

So sehr sich dieses aufwändige Paket bei der Testfahrt bemerkbar macht, so wenig wirkt es an der Tankstelle. Sportlich gefahren, sollte der Hybrid zwar etwas sparsamer sein als der bisherige GTS. Aber auf dem Papier braucht er 10,5 Liter – genau wie der Vorgänger. Warum Porsche dann trotzdem den ganzen Aufwand treibt? Weil die Schwaben so zumindest mehr Power und Performance bieten ohne mehr schlechtes Gewissen. Und weil dieser Motor die Euro-7-Norm schafft und den Petrolheads so eine Zukunft bietet. 

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Porsche 911 als reiner Verbrenner – Elektro-718 in Arbeit

Porsche bietet nach dem Facelift das Grundmodell und später wieder Turbo & Co mit reinen Verbrennern an. Den Elektro-Enthusiasten stellt der OEM für das nächste Jahr als Nachfolger des 718 den ersten elektrischen Sportwagen in Aussicht. Und bei der großen Masse vertrauen sie darauf, dass es so läuft wie es immer gelaufen ist – bei den großen und kleinen Revolutionen in sechs Jahrzehnten 911-Geschichte. Die Liebe zum Elfer ist endlos. Und egal wie laut der Aufschrei sein mag, schlägt er spätestens nach der Jungfernfahrt bei den meisten doch wieder in Begeisterung um. 

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