Fahrbericht Porsche Taycan durchbricht 1000-PS-Grenze

Von sp-x 4 min Lesedauer

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Mit dem neuen Taycan Turbo GT durchbricht nun auch Porsche die 1000-PS-Schallgrenze. Wer im stärksten Serienporsche aller Zeiten Gas gibt, sollte einen stabilen Magen haben.

Porsche legt beim Taycan leistungsmäßig noch einmal deutlich nach.(Bild:  Porsche)
Porsche legt beim Taycan leistungsmäßig noch einmal deutlich nach.
(Bild: Porsche)

Wenn wir den neuen Porsche Taycan Turbo G einordnen wollen, lohnt sich ein Blick in den Rückspiegel. Vielleicht nicht ganz zurück bis zum ersten Elfer, der vor 60 Jahren mit eher bescheidenen 130 PS seine Karriere startete. Besser bis ins Jahr 1986, als uns der Supersportwagen Porsche 959 mit 450 PS und 500 Newtonmeter Drehmoment den Atem raubte.

Aus heutiger Sicht können wir darüber nur schmunzeln. Längst haben E-Fahrzeuge zu einer inflationären Leistungsexplosion geführt. Mit dem Taycan Turbo GT meldet sich nun ein weiterer Kandidat im 1000-PS-Club an. Bis zu 815 kW/1.108 PS Peak-Leistung mobilisiert der neue Überflieger, dazu im Launch Control-Modus ein maximales Drehmoment von geradezu monströsen 1.340 Newtonmetern. Damit ist der Turbo GT der stärkste in Serie gebaute Porsche aller Zeiten. Liest sich nicht schlecht in einer Historie, die nun wahrlich nicht arm an Superlativen ist.

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In diesem Auto steckt alles, was Porsche ist und kann. Wie seine fünf elektrischen Taycan-Brüder, deren deutlich angehobenes Leistungsspektrum jetzt von 320 kW/435 PS bis 700 kW/952 PS reicht, bekommt auch der Turbo GT den vollen Tatendrang der ambitionierten Porsche-Truppe zu spüren. In fast allen Punkten wurde der Taycan nochmals feingeschliffen und verbessert. Das Facelift hält sich dabei in Grenzen. Neue Farben, neue LED-Scheinwerfer, vordere Kotflügel und Fronthaube leicht gestrafft, am Heck leuchtet nun ein illuminierter Porsche-Schriftzug. Die Abteilung für Inneres meldet viele Ausstattungsdetails serienmäßig, die bislang extra bezahlt werden mussten.

Dank höherer Ladeströme und optimiertem Thermokonzept lädt der Taycan jetzt fast so schnell, wie er fährt. Die auf 105 kWh vergrößerte Batterie (vorher 93 kWh) kann mit bis zu 320 kW Strom zapfen, in 18 Minuten füllen sich die Zellen von 10 auf 80 Prozent – doppelt so fix wie bisher. Die maximale elektrische Reichweite steigt im Falle des Turbo GT im Idealfall auf über 550 Kilometer.

Rundenrekorde in Laguna Seca und am Nürburgring

Soweit die Pflicht, es folgt die Kür. Der neue Über-Porsche reist mit zwei Rundenrekorden im Gepäck an, aufgestellt in Laguna Seca und am Nürburgring. Gezielter Leichtbau und Aerodynamik-Finessen machen den vollelektrischen GT 75 Kilo leichter als den Turbo S. An der Hinterachse steuert ein neuer Pulswechselrichter mit 900 Ampere die E-Maschine effektiver und schneller an; bei den anderen Taycan sind es „nur“ 600 Ampere, was nochmal mehr Leistung und Drehmoment herauskitzelt. Zudem soll das effizientere Halbleitermaterial Siliziumkarbid Schaltverluste reduzieren und schnellere Schaltfrequenzen ermöglichen. Zusätzlich wurden die Übersetzungen von Getriebe und Hinterachse angepasst.

Um die Leistung des GT auf die Spitze zu treiben, lässt sich mit dem Attack-Mode, ähnlich der Funktion, die Porsche in der Formel E-Weltmeisterschaft einsetzt, auf Knopfdruck oder über das rechte Paddel am Lenkrad, für jeweils 10 Sekunden eine Mehrleistung von bis zu 120 kW abrufen – 50 kW mehr Boost-Leistung als bei den übrigen Taycan-Modellen. Mit Launch Control erreicht der Power-Riegel dann auch für zwei Sekunden diese ominöse Spitzensystemleistung von bis zu 815 kW bzw. 1.008 PS.

Der Turbo GT fährt immer mit besonders leichten 21 Zoll-Schmiederädern und speziell für ihn entwickelten Pirelli-Schuhwerk vor. Ambitionierte Zeitgenossen bestellen die Semislicks Tropheo RS von Pirelli, mit denen – laut Porsche – auf der (trockenen) Nordschleife nochmal 6 bis 7 Sekunden gut zu machen sind. Viele Carbonteile sind ebenso an Bord wie ein Bugspoiler mit Aeroblades, HD-Matrix-Scheinwerfer oder gewichtsoptimierte Keramikbremsen.

Weissach-Paket gratis

Wer sich für den Turbo GT entscheidet, zahlt stets glatt 240.000 Euro. Das ist viel Geld. Für einen 1.000-PS-Renner, der mit Hypercars konkurriert, aber fast schon preiswert. Für diese Summe kann der solvente Käufer zwischen einer zivilen und einer „Rennsemmel“-Version wählen. Denn erstmals verlangt Porsche für das sogenannte Weissach-Paket keinen Aufpreis.

Diese Variante ist konsequent auf Racing und Leichtbau ausgelegt. So fliegen neben einigem Kleinkram, die Rückbank, Dämmmaterial, Akustikglas sowie alle Matten raus. Das spart weitere 70 Kilo. Am Heck sorgt ein fester Flügel für bis zu 220 Kilogramm Abtrieb, zusätzliche Luftleitelemente am Unterboden sowie ein neuer Frontdiffusor verbessern nochmals die Aerodynamik. Mit dem Weissach-Paket sind dann bis zu 305 km/h Spitze drin – der zivile Turbo GT schafft 290 km/h. Gut zum Angeben an der Theke. Nur leert sich der Akku-Inhalt im Temporausch leider ebenfalls im Rekordtempo.

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Smartes Fahrwerk

Hinterm GT-Sportlenkrad, bezogen mit griffigem Race-Tex, und festgeschnallt in Vollschalensitzen steigt das Selbstbewusstsein auf „Verstappen-Niveau“. Weil man ja weiß, dass Porsche im Untergeschoss das beste Fahrwerk ever eingebaut hat. Der Turbo GT kommt immer mit Allrad, Hinterachslenkung und dem Super-System Active-Ride. Bei dem reagieren neue Zwei-Ventil-Dämpfer dank eigener Hydraulikpumpen in Millisekunden auf die jeweilige Fahrsituation, Zug- und Druckstufen passen sich automatisch an und bieten eine noch größere Spreizung zwischen Komfort und Dynamik. Zudem hält das intelligente Fahrwerk den Taycan stets horizontal – selbst in schnellen Kurven oder beim scharfen Anbremsen.

Hört sich nach viel Bevormundung an – zu viel? Für echte Profis vielleicht. Als Feierabend-Racer merkst du nur, dass der Bursche Gripp an Stellen hat, wo es eigentlich keinen Gripp gibt. Man bremst später in Kurven ein und kann früher wieder beschleunigen. Das fühlt sich durchaus porschig und authentisch an, keinesfalls synthetisch – wie vielleicht befürchtet. Und es macht aus mittelmäßigen Fahrern gute Fahrer. Natürlich stellt sich die Sinnfrage, ob man einen 2,3 Tonner technisch so dressieren sollte, dass er wie ein Rennwagen über die Piste fliegt. Fällt wohl unters Thema Nachhaltigkeit im Grenzbereich.

Wer per Launch Control die volle Power des Turbo GT in die Waagschale wirft und das Strompedal für Sekunden ans Bodenblech nagelt, dem sollte es weder an Mut, noch an einem stabilen Magen mangeln. Die unmittelbare Kraftentfaltung und die G-Kräfte sind so überwältigend, dass man beim Beschleunigen tatsächlich befürchtet, kurzzeitig das Bewusstsein zu verlieren. Das ist definitiv nichts für Gelegenheits-Karussellfahrer. Ein Overkill der Gefühle. Der Rennwagen mit Straßenzulassung katapultiert seinen massigen Körper in unglaublichen 2,2 Sekunden auf 100 km/h. Schneller als ein Formel-1-Bolide oder ein Bike der MotoGP. Nur, um das mal einzuordnen.

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