Von Januar bis Juni 2024 vermeldet ZF einen Umsatz auf Vorjahresniveau. Für das Gesamtjahr korrigiert der Zulieferer seine Prognose – ein wichtiger Markt schwächelt stärker als gedacht.
ZF-Hauptverwaltung in Friedrichshafen
(Bild: ZF)
Nach einem schwachen ersten Halbjahr hat der Autozulieferer ZF seine Umsatzprognose für 2024 nach unten korrigiert. Statt mehr als 45 Milliarden Euro rechnet der Konzern nun mit einem Umsatz zwischen um die 43 Milliarden Euro. Die Kundenabrufe hätten sich schlechter entwickelt als ursprünglich angenommen und die Nachfrage nach Elektro-Fahrzeugen schwächele. Die Rahmenbedingungen würden sich über dieses Jahr hinaus nicht so schnell ändern, sagte ZF-CEO Holger Klein, als er die Zahlen vorstellte. „Wir haben es in den meisten unserer Märkte mit einem niedrigen Wirtschaftswachstum zu tun.“
In Deutschland liege die Pkw-Produktion in der ersten Hälfte dieses Jahres sechs Prozent unter der des Vorjahres und 16 Prozent unter dem Niveau von 2019. Hinzu komme, dass viele große Pkw-Hersteller ihre E-Mobilitäts-Programme drastisch gekürzt haben. „Seit Anfang des Jahres um 35 Prozent und sogar bis zu 50 Prozent in den kommenden Jahren. Das bleibt nicht ohne Folgen für uns als Zulieferer und für unsere Strategie“, erklärte Klein.
Stellenabbau in Deutschland
Der Zulieferer hatte in der vergangenen Woche angekündigt, bis Ende 2028 in Deutschland zwischen 11.000 und 14.000 Stellen streichen zu wollen. Der Korridor reflektiere die Volatilität der Märkte ebenso wie die Unsicherheiten im Hochlauftempo der E-Mobilität. ZF will Standorte bündeln und Strukturen verschlanken. Zurzeit beschäftigt der Konzern 54.000 Menschen in Deutschland an mehr als 30 Orten. Das sei historisch gewachsen, nicht zuletzt durch die beiden Akquisitionen von TRW und Wabco – ohne die man laut Klein heute viel schlechter dastünde.
In welchem Umfang Reduzierungen an den Standorten vorgesehen sind, soll noch konkretisiert werden. „Die Diskussionen laufen.“ Die bisherige Struktur sei an vielen Stellen ineffizient und biete oft wenig Flexibilität. „Gerade bei kleineren Standorten, die meist nur auf ein Hauptprodukt ausgerichtet sind.“
Trotz der aktuellen Marktsituation will ZF weiterhin stark in die Elektromobilität investieren. Angesichts der veränderten Marktperspektive und des Wettbewerbsdrucks müsse man offen für Kooperationen sein, forderte Klein. Partner könnten das nötige Wachstum finanzieren. „Von der Pkw-Antriebstechnik profitieren alle Unternehmensbereiche.“
Die erste Jahreshälfte schloss ZF der Mitteilung nach mit einem Umsatz von etwa 22 Milliarden Euro ab. Im Vergleich zum Vorjahreszeitraum sei das ein Rückgang von 5,6 Prozent beziehungsweise 1,3 Milliarden Euro. Das bereinigte Ebit sank laut ZF-Finanzvorstand Michael Frick auf 780 Millionen Euro (1. Halbjahr 2023: 941 Millionen Euro).
Die Nettoverbindlichkeiten beliefen sich zum 30. Juni auf 10,5 Milliarden Euro, was einem Rückgang von knapp einer Milliarde Euro gegenüber Juni 2023 entspreche. Die Zinslast und hohe Kosten für die Transformation zur Elektromobilität machen dem Konzern zu schaffen.
Schwierige Prognose für das Gesamtjahr
Bei der weltweiten Produktion von Pkw und leichten Nutzfahrzeugen erwartet ZF für das Gesamtjahr 2024 weiterhin einen Rückgang von circa drei Prozent. Die Marktaussichten für schwere Nutzfahrzeuge haben sich verschlechtert. Statt minus drei Prozent rechnet der Zulieferer nun mit minus sieben Prozent. „Die negativen Auswirkungen werden hauptsächlich von Europa, China und Nordamerika verursacht. Während wir in Europa eine deutliche Marktabschwächung sehen, handelt es sich bei den Korrekturen in Nordamerika überwiegend um Normalisierungseffekte nach dem Rekordjahr 2023 und hohen Lkw-Lagerbeständen“, so Klein. Auch in China lägen die Werte aufgrund der schwächeren Inlandsnachfrage und der rückläufigen Exportnachfrage unter Vorjahr.
In diesem Umfeld sei es nicht einfach, einen Ausblick zu geben. Mit der Nachfrageschwäche nach rein elektrischen Fahrzeugen und der Eintrübung des Marktumfelds, erklärte Klein die eingangs bezifferte gesenkte Umsatzprognose. An der bereinigten EBIT-Marge von 4,9 bis 5,4 Prozent und an dem bereinigten Free Cashflow von mehr als 800 Millionen Euro halte man jedoch fest. Dies sei hauptsächlich auf saisonale Effekte bei den Materialkosten, Einsparungen, Kunden-Rückerstattungen und den Hochlauf der Performance-Programme zurückzuführen.
Stand: 08.12.2025
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