Wagon Automotive Nagold Zukunft gesichert

Redakteur: Bernd Otterbach

Zehn Monate nach der Insolvenz des britischen Mutterkonzerns Wagon PLC ist der Fortbestand der Wagon Automotive Nagold GmbH gesichert.

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Der Geschäftsführer Ralf Bommer und der kaufmännischer Leiter Thomas Eisseler hätten das Unternehmen erworben und mit Hilfe eines Investors auf eine solide finanzielle Basis gestellt, teilte das Unternehmen am Donnerstag mit.

„Damit ist der Schwebezustand beendet und wir können uns wieder voll auf unser Geschäft konzentrieren“, freuen sich Bommer und Eisseler, die seit 12 bzw. 10 Jahren in führender Position im Nagolder Unternehmen tätig sind. Den beiden Managern war es gelungen, den Betrieb aufrecht zu erhalten ohne Stammpersonal abzubauen und sogar neue Aufträge zu gewinnen. „Ohne die Unterstützung unserer Mitarbeiter, des Betriebsrats und der Gewerkschaft sowie der regionalen Politik hätten wir das nicht geschafft“, sagt Bommer. Ebenso entscheidend seien die Kunden gewesen, die das Unternehmen in den letzten Monaten vertrauensvoll und äußerst konstruktiv begleitet hätten, fügt Eisseler hinzu, der in der neuen Geschäftsleitung weiterhin den kaufmännischen Bereich verantwortet.

Der europaweit tätige Mutterkonzern Wagon PLC mit Hauptsitz in Birmingham war durch die im Herbst 2008 drastisch eingebrochene Automobilnachfrage in Liquiditätsschwierigkeiten geraten und ging im Dezember 2008 in die Insolvenz. Kurz zuvor hatte die deutsche Holding Wagon GmbH in Waldaschaff bereits Insolvenz angemeldet. Damit war zwangsweise auch die Zukunft der bis dahin profitablen Nagolder Tochtergesellschaft in Frage gestellt. Sie fertigt seit Jahrzehnten Karosseriekomponenten für führende Automobilkonzerne. Als Spezialisten gelten die Nagolder in der Branche für große Karosseriebaugruppen und Außenhautkomponenten.

Italienischer Zulieferer Tiberina steigt ein

Als strategischen Partner konnten Bommer und Eisseler die Tiberina Gruppe (Tiberina) mit einer Minderheitenbeteiligung gewinnen. Tiberina ist einer der führenden italienischen Automobilzulieferer mit sechzehn Standorten in Italien, jeweils einem in Tschechien und in der Türkei und zwei Standorten in Südamerika. Bommer kann sich keinen besseren Partner vorstellen: „Das familiengeführte Unternehmen ist auf die gleichen Prozesse spezialisiert wie wir, bedient aber andere Kunden und hat keinen Standort in Deutschland, so dass keine direkte Wettbewerbssituation entsteht.“

Für Tiberina wiederum sei die Beteiligung an der Wagon Automotive Nagold GmbH der im Rahmen der weiteren Expansionsstrategie gewünschte „Brückenkopf“ im deutschen Markt, führt Bommer weiter aus. Dem Nagolder Unternehmen bietet Tiberina den Zugang zu Werkzeugentwicklung und -herstellung sowie zu innovativen Verfahren. Mittel- und langfristig sehen Bommer und Eisseler darin hervorragende Entwicklungschancen für die Nagolder Gesellschaft.

Neue Zielgruppe Offroadfahrzeuge

Für die kommenden Jahre haben sich Bommer und Eisseler viel vorgenommen und erste Weichen im Vertrieb bereits gestellt. Mit dem über viele Jahre im Unternehmen aufgebauten Know-how wollen sie neben dem Hauptkunden Daimler die Geschäftsbeziehungen mit weiteren führenden Automobilherstellern ausbauen. „Bisher waren uns dafür die Hände durch die Konzernstruktur gebunden“, erläutert Eisseler. Darüber hinaus sollen Hersteller von Offroadfahrzeugen, wozu Landmaschinen, Krane und Baufahrzeuge zählen, als neue Zielgruppe angesprochen werden.

Die Gesellschaft produziert in Nagold mit rund 450 Mitarbeitern Karosseriekomponenten und -baugruppen vor allem für Pkw, leichte Nutzfahrzeuge und Lkw. Im Geschäftsjahr 2008/09 (31. März) erwirtschaftete sie einen Umsatz von 115 Millionen Euro.

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